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Samstag, 2. Juli 2016

Symposium 2016: Motivation zum Mobbing


Eine große Portion Motivation, wer wünscht sich das nicht? Sie treibt uns zu Top-Leistungen und spornt uns an, die Welt ein bisschen besser zu machen - vorausgesetzt, das Belohnungssystem im Gehirn spielt mit. Doch dieselben Mechanismen lösen auch aggressives Verhalten aus, wie es unter dem Schlagwort Mobbing zunehmend als gesellschaftliches Problem erkannt wird. Die Suche nach Lösungsansätzen dauert indes an.

Amerikanischen Wissenschaftlern ist es nun gelungen, den Grad von Aggression durch Hightech-Methoden zu beeinflussen - zumindest bei Mäusen. Die Untersuchung der Icahn School of Medicine (Mount Sinai, New York City) ist im Fachjournal Nature erschienen.
Die Studie belegt erstmals einen Belohnungsmechanismus im Gehirn, der Mobbing für bestimmte Individuen attraktiv macht, 
fasst der Neurowissenschaftler Scott Russo das Ergebnis zusammen. 
Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass sich durch Manipulation dieser Neuronenverbindungen die Aktivität der Hirnzellen und damit das Aggressionsverhalten verändern lässt.
In ihrem Versuch konfrontierten die Forscher erwachsene männliche Mäuse mit jüngeren, rangniederen Art- und Geschlechtsgenossen. Darauf reagierten 70 Prozent der älteren Tiere aggressiv, die übrigen 30 Prozent blieben locker.

Die aggressiven Mäuse griffen die jüngeren nicht nur an und besiegten sie, sondern suchten auch anschließend den Ort des Zusammentreffens öfter auf - für die Forscher ein Hinweis, dass sie die siegreiche Konfrontation als lohnend empfanden. Dagegen vermieden die friedlichen Mäuse Orte, an denen sie auf den Gegner gestoßen waren.

Der Unterschied spiegelte sich auch in der Hirnchemie wider. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Neurotransmitter GABA, der die Neuronenaktivität hemmt und durch bestimmte Nervenzellen, die Projektionsneuronen, bis in andere Hirnareale übertragen wird. So regeln die Projektionsneuronen im basalen Vorderhirn über die GABA-Versorgung die Aktivität in einem anderen Hirnbereich, der lateralen Habenula. Dieser sorgt normalerweise dafür, dass die Tiere - und auch Menschen - aggressionsauslösende Reize meiden. 

Genau das stellten die Forscher bei den friedlichen Mäusen fest: Die beobacheten GABA-Projektionsneuronen feuerten bei ihnen nur wenig, sodass die laterale Habenula normal arbeitete und die Nager dazu veranlasste, ihrem schwächeren Gegner aus dem zu Weg gehen. Der entgegengesetzten Mechanismus wirkte im Hirn ihrer aggressiven Artgenossen: Ihre Projektionsneuronen transportierten genug GABA in die laterale Habenula, um das Hirnareal lahmzulegen. Deshalb fehlte ihnen der Impuls, die Konfrontation mit dem Gegner zu vermeiden.

Und dann griffen Russo und sein Team in die optogenetische Werkzeugkiste. Durch eine augeklügelten Kombination von optischen und genetischen Eingriffen veränderten sie die GABA-Versorgung zwischen basalem Vorderhirn und lateraler Habenula. Mit durchschlagendem Ergebnis: Die Forscher konnten förmlich zuschauen, wie aggressive Mäuse friedlich wurden und umgekehrt. 

Ob und wie diese Erkenntnisse zur Entwicklung neuer Therapiemethoden gegen aggressives Verhalten beitragen werden, bleibt abzuwarten. Zukunftige Forschungen werden hier gewiss weitere Klarheit bringen.  

Auch beim diesjährigen Symposium turmdersinne wird es sowohl um die neurobiologischen Grundlagen von Motivation als auch um die den Antrieb zu gesellschaftlich schädigendem Handeln und unseren Umgang damit gehen. 

Foto: Shuttestock 
Text: Inge Hüsgen  


Symposium turmdersinne 2016 
Was treibt uns an? Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung 
30. September bis 2. Oktober 2016, Stadthalle Fürth
 Anmeldung   
#Symp2016


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