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Freitag, 3. Juni 2016

Symposium 2016: Likes und Schokolade



Bereits eine Portion Schokolade oder ein kleiner Geldgewinn können uns motivieren und das Belohnungssystem im Hirn ganz schön auf Trab bringen. Dass dies - zumindest bei Jugendlichen - auch ohne Kalorien oder Kohle klappt, hat nun ein kalifornisches Forscherteam gezeigt. Demnach wirken Likes auf sozialen Netzwerken sowohl belohnend als auch verhaltenssteuernd - so die Studie mit 32 Probandinnen und Probanden zwischen 13 bis 18 Jahren.

Für ihren Versuch schufen Lauren Sherman von der University of California in Los Angeles und ihr Team eine gefakte Plattform für Bilder, ähnlich wie Instagram. Dort luden sie insgesamt 148 Bilder hoch, darunter einige, die die Jugendlichen selbst mitgebracht hatten. Um die Illusion eines sozialen Netzwerkes perfekt zu machen, versahen sie die Bilder mit unterschiedlichen Anzahlen von "Likes", die scheinbar von anderen jugendlichen Usern stammten.

Während die Probanden die Bilder betrachteten, wurde ihre Hirnaktivität per fMRT beobachtet. Sahen sie eines ihrer Bilder mit vielen Likes, war besonders ein Teil des Belohnungssystems aktiv, der Nucleus accumbens. Er gilt als bedeutender Teil der Motivationssteuerung im Gehirn. Vergleichbare Reaktionen kennen die Forscher vom Schokoladengenuss oder von Geldgewinnen.

Der enorme soziale Einfluss zeigte sich, als die Jugendlichen selbst Bilder liken durften. Hatte ein Bild bereits viele Likes bekommen, waren sie eher motiviert, es positiv zu beurteilen. War dieselbe Abbildung jedoch mit weniger Likes versehen, wurde sie auch von ihnen seltener gelikt. Dabei war es egal, ob darauf ein neutrales Motiv (Speisen, Freunde) oder ein kontroverses (etwa Zigaretten oder Alkohol) zu sehen war.

Müssen sich Eltern von Jugendlichen also sorgen, dass der Nachwuchs durch Konformitätsdruck zu schädigendem Verhalten motiviert wird? Nicht unbedingt, ist Lauren Sherman überzeugt. Wichtig sei es zu prüfen, mit welchen Online-Freunden die Jugendlichen kommunizieren und welche Inhalte bei ihnen angesagt sind. 
Wenn die Freunde Ihres Kindes positives Verhalten zeigen, dann ist es großartig, dass Ihr Kind dieses Verhalten miterlebt und davon beeinflusst wird. 
Übrigens: Ein ganzes langes Wochenende, vollgepackt mit aktuellen Forschungen und spannenden Diskussionen über viele Facetten der Motivatiosforschung bietet das Symposium turmdersinne vom 30. September bis 02. Oktober 2016. Das aktuelle Programm finden Sie hier.

 Foto: Shutterstock 
Text: Inge Hüsgen

Symposium turmdersinne 2016
Was treibt uns an? 
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung 
30. September - 02. Oktober 2016, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2016


Zum Weiterlesen: 
Sherman, L. E.; Payton, A. E.; Hernandez, L. M.; Greenfield, P. M.; Dapretto, M. (2016): The Power of the Like in Adolescence. Effects of Peer Influence on Neural and Behavioral Responses to Social Media. Psychological Science, 31. Mai 2016.

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