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Montag, 20. Juni 2016

Symposium 2016: Bewegung, Lernen, Motivation


Nach dem Lernen ab zum Sport! Klar, wer möchte sich nicht nach langer Paukerei direkt so richtig austoben? Fürs Gedächtnis ist es allerdings besser, vier Stunden zu warten, ehe man sich in die Laufschuhe, aufs Fahrrad oder ins Fitnesscenter begibt. Mit diesem Versuchsergebnis überrascht nun ein Forscherteam aus den Niederlanden die Fachwelt. 

Die Wissenschaftler um Guillén Fernández (Radboud University Medical Center in Nijmegen), Referent beim Symposium turmdersinne 2015, ließen ihre Versuchspersonen zunächst 90 Kombinationen aus jeweils einem Ort und einem Bild auswendig lernen. Dafür bekamen sie 40 Minuten Zeit. Anschließend schickten die Forscher eine Probandengruppe sofort aufs Fahradergometer, eine zweite kam nach vier Stunden an die Reihe und die dritte Gruppe absolvierte gar kein Training.

Wie gut sich die Versuchspersonen an das Gelernte erinnerten, wurde 48 Stunden später geprüft. Dabei schnitt die Gruppe mit vier Stunden Pause am besten ab, während die inaktiven Probanden und die Gruppe mit Sportprogramm unmittelbar nach der Lerneinheit schlechter abschnitten – überraschenderweise beide auf dem gleichen Niveau.

Hirnscans während der Gedächtniskontrolle spiegeln das Ergebnis wieder. So zeigte die erfolgreichste Gruppe eine vermehrte Aktivität im Hirnareal Hippocampus, das neue Eindrücke ins Langzeitgedächtnis überführt. 

Warum ausgerechnet die vierstündige Pause als Erinnerungs-Booster wirkt, ist noch ungeklärt. Die Forscher vermuten, dass dabei eine bestimmte Stoffgruppe eine Rolle spielt: die Katecholamine, zu denen auch die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin gehören. Bereits seit längerem länger ist bekannt, dass Katecholamine beim Sport vermehrt ausgeschüttet werden, und im Versuch mit Tieren zeigten diese Stoffe Einfluss auf die Gedächtnisfunktionen.

Was die Wirkung beim Menschen betrifft, sehen die Forscher um Fernandez bereits konkrete Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Bildung oder klinische Betreuung. Auf weitere Forschungen dürfen wir gespannt sein.

Mit der Rolle körperlicher Aktivität beim Lernen hat sich auch der Lernforscher Prof. Martin Korte von der TU Braunschweig beschäftigt. Demnach kann Bewegung bei Kindern und Jugendlichen schädliche Einflüsse durch Stress lindern. Eine zentrale Rolle spielen die dabei ausgeschütteten körpereigenen Opiate, so Korte in seinem Buch "Wie Kinder heute lernen":
Die sogenannten Endorphine, treten nicht nur mit den Nervenzellen in der Großhirnrinde in Wechselwirkung, sondern auch und vor allem mit Arealen des limbischen Systems, welches von herausragender Bedeutung ist. Es spielt aber auch für Motivation und Antrieb – essentielle Komponenten jeden Lernens – eine wichtige Rolle. (…) Generell gilt, dass Bewegung direkt über die motorischen Areale im Gehirn, aber auch indirekt über Endorphine und andere Substanzen die Reifung des Gehirns fördert. Hingegen werden Faktoren, die stressbedingt das heranwachsende Gehirn schädigen könnten, durch Bewegung gehemmt bzw. abgebaut.
Unerlässlich für den Lernerfolg ist nach Korte vor allem eines: Neugierde. Was dies für eine Lernbedingungen bedeutet, erklärt er beim Einführungsabend des Symposiums turmdersinne 2016 am Freitag, 30. September 2016.


Was treibt uns an?  
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung  
30. September bis 2. Oktober 2016, Stadthalle Fürth    
Anmeldung 
#symp2016 


Zum Weiterlesen: 
  • Eelco van Dongen, Ingrid H. P. Kersten, Isabelle C. Wagner, Richard G. M. Morris, Guillén Fernandez: Physical Exercise performed four hours after learning improves memory retention and increases hippoampal similarity during retrieval. Current Biology.
  • Martin Korte: Wie Kinder heute lernen: Was die Wissenschaft über das kindliche Gehirn weiß - Das Handbuch für den Schulerfolg. Deutsche Verlags-Anstalt 2009.

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