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Dienstag, 10. Mai 2016

Was trächtigen Fruchtfliegen schmeckt - und warum

Der reproduktive Zustand des Fliegenweibchens schickt Signale an das Gehirn, worauf sich die Sinneswahrnehmung ändert. Das Bild zeigt einen Teil des reproduktiven Systems mit Uterus der weiblichen Fliege.

Saure Gurken und Schoki mit Senf: Die ungwöhnlichen Geschmacksvorlieben von Schwangeren sind geradezu sprichwörtlich. Auf irgend eine Weise muss sich in dieser Zeit die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung ändern. Wie dies genau geschieht, ist bisher noch nicht ganz geklärt.

Auch trächtige Insekten bevorzugen ganz bestimmte Nahrung. Warum, hat nun ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei Versuchen mit Fruchtfliegen entdeckt. Dabei wiesen sie erstmals einen Mechanismus nach, der bei Trächtigkeit die chemosensorischen Nervenzellen so verändert, dass wichtige Nahrungsbestandteile anders wahrgenommen und deshalb in größeren Mengen verzehrt werden.

Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass befruchtete Fliegenweibchen offenbar den Geschmack und Geruch bestimmter Nährstoffe, der Polyamine, im Gehirn anders verarbeiten. Deshalb nehmen sie mehr polyaminreiche Nahrung zu sich, was wiederum die Anzahl der überlebenden Nachkommen steigert. 

Aber was bringt die trächtigen Fruchtfliegen dazu, diese Stoffe zu bevorzugen? Die Tiere verfügen in ihren Sinnesorganen über eine höhere Konzentration eines Rezeptors, des "Sex Peptid Rezeptors" (SPR). Bisher wusste man lediglich, dass der SPR die Produktion von Eiern bei befruchteten Fliegen anregt, so Ashiq Hussain, einer der Autoren der Studie.
Dass der SPR auch die Aktivität der Nervenzellen reguliert, die den Geschmack und Geruch von Polyaminen erkennen, hat uns überrascht.
Es ist denkbar, dass eine solche Wahrnehmungsveränderung einen evolutionären Vorteil bietet, erklärt Koautorin Habibe Üc̗punar weiter: 
Da Geruch und Geschmack in Insekten und Säugetieren ähnlich verarbeitet werden, könnte ein entsprechender Mechanismus auch bei uns Menschen dafür sorgen, dass das heranwachsende Leben optimal versorgt ist.

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