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Samstag, 23. April 2016

Neues Exponat: Zwei Espresso bitte!



Ein neues Exponat, hervorgegangen aus einem Experiment mit Anamorphosen, bereichert seit kurzem die Sonderausstellung im Turm. Entwickelt und umgesetzt wurde es vom technischen Leiter des turmdersinne, Dominik Junker, in Kooperation mit dem Nürnberger Fotografen Artur Ehmann. 

Ihnen ist es gelungen, einen echten Gegenstand und ein flaches Bild in einem Schaukasten so zu arrangieren, dass beide – vom Beobachtungspunkt aus – als räumliche Objekte wahrgenommen werden. Das Motiv: zwei Espressotassen, der Titel: „Interessiert mich – die Bohne!?“. 

Dominik Junker (l.) und Artur Ehmann mit dem neuen Exponat
 Dominik Junker berichtet:
Die Idee für das Exponat ergab sich aus der Frage, ob es möglich wäre, ein echtes Objekt und ein flaches Bild so zu arrangieren, dass beide als physische, also räumliche Objekte wahrgenommen werden. Zunächst spielte ich einige Konzepte durch und kam – mehr durch Zufall – auf die Idee, dass ein Arrangement mit Espressotassen umsetzbar erschien.
Von dieser Vorstellung sprach ich mit Artur, ob so etwas mit fotografischen Mitteln umsetzbar wäre. Er war der Meinung, dass dies durchaus einen Versuch wert sein könnte, und so machten wir uns an die Arbeit.
Die Herausforderung bei der Installation bestand darin, ein möglichst realitätsgetreues Abbild zu schaffen, das den Betrachter glauben lassen würde, er sähe ein echtes, dreidimensionales Objekt.
Für die Fotografie war es nötig eine Lichtsituation zu erzeugen, die der finalen Installation entsprechen würde, damit der Betrachter nicht durch "falsche" Schatten und Reflexionen irritiert wäre.
Nachdem die Fotografie schließlich "im Kasten" war, bestand die nächste Herausforderung darin, das Motiv so zu verzerren, dass es aus einem, durch die Konstruktion des Schaukastens vorgegeben, bestimmten Blickwinkel die gleichen Dimensionen hatte wie die echte Tasse.
Dies gestaltete sich extrem schwierig, da es mit Anamorphose-Software nicht erreicht werden konnte, dass die Objekte identisch waren. Mal war die Tasse zu flach, mal zu lang, dann passten die Proportionen von Tasse und Untertasse nicht zusammen.
Die Lösung dieses Problems war, die Tasse und die Untertasse voneinander zu entkoppeln und unterschiedlich zu dimensionieren. Nachdem Artur einige Zeit mit Photoshop zugebracht hatte, hatten wir ein Motiv, das uns hinsichtlich der Dimensionen zufrieden stellte.
Da wir mit der Plastizität des Motivs jedoch weiterhin Schwierigkeiten hatten, kamen wir auf die Idee, das Motiv höher zu stellen, um die Illusion eines physischen Objekts zu verstärken. Die Fotografie "schwebt" im Exponat nun ca. einen Zentimeter über dem Boden.  
Das ganze Arrangement wurde von mir noch durch eingestreute Kaffeebohnen bereichert. Durch die Positionierung kleinerer Bohnen an ganz bestimmten Stellen auf der Fotografie gewann das Motiv noch zusätzlich an Tiefe und überzeugte unsere Tester (Artur und ich waren mittlerweile gewissermaßen betriebsblind).
Als sich schließlich Foto und echte Tasse im Schaukasten mit der Beleuchtung befanden, stellten wir fest, dass sich Motiv und Original farblich stark voneinander unterschieden. Einige weitere Photoshop-Sessions und Testausdrucke später reiht sich das Exponat nun als eine Verschmelzung von anamorpher Fiktion mit einem realen Objekt in die Sonderausstellung ein.
Yay!
Die Sonderausstellung „Anamorphosen“ ist noch bis zum 18. September 2016 im turmdersinne zu sehen.

Zum Weiterlesen: 
 

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