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Freitag, 29. April 2016

Von Sinnen: "Ich bin doch kein Rassist!"



Haben Sie blaue Augen? Dann sind Sie ihren braunäugigen Mitmenschen auf ganzer Linie unterlegen. Das wurde kürzlich in einem Experiment gezeigt.

Selbst bei einfachen Aufgaben schnitten die Blauäugigen deutlich schlechter ab als Probanden mit braunen Augen. Als Ursache für die verminderte Intelligenz wird eine Hirnschädigung durch ungehinderte Sonneneinstrahlung durch die blaue Iris diskutiert.

Glauben Sie nicht? Das Experiment gibt es tatsächlich, allerdings ging es dabei um Verhalten und Selbstbild von sozialen Gruppen. Die Sache mit der Augenfarbe war lediglich der Aufhänger für die Inszenierung einer "Apartheids"-Gesellschaft unter den Probanden.

Das  beklemmende Szenario hat der TV-Sender ZDF_neo mit einem Anti-Rassismus-Trainer aufgezogen. Beteiligt war auch die Sozialpsychologin Prof. Juliane Degner von der Uni Hamburg.

Degner beschäftigt sich in ihren Forschungen eingehend mit Alltagsrassismus. Dieses Denkmuster tritt dann auf, wenn man die Angehörigen einer bestimmten Gruppe für höherwertiger hält als Menschen aus anderen Gruppen - und sei es anhand eigentlich unbedeutender Gruppenmerkmale.

Im TV-Experiment entschied die Augenfarbe der Teilnehmer über Privileg oder Benachteiligung. Die Braunäugigen erfuhren eine  zuvorkommende Behandlung und kassierten selbst für einfachste Aufgaben Lob vom Trainer.

Ganz anders erging es den Blauäugigen: Durch einen grünen Kragen gebrandmarkt, mussten sie abschätzige Sprüche und andere Demütigungen ertragen.

Einzelne Widersetzungsversuche scheiterten, beide Gruppen fügten sich weitgehend in das beklemmende Szenario - selbst die kuriose Erklärung für die angebliche Intelligenzminderung durch Sonnenlicht wurde akzeptiert.

Das zeigt vor allem eins, resümiert der Moderator der Sendung, Amiaz Habtu,
dass kaum einer von uns davor gefeit ist, in die Opferrolle zu geraten oder zum Täter zu werden. 
Die Folgen reichen sogar noch weiter:
Wenn einem Menschen lang genug eingeredet wird, er sei minderwertig, glaubt er es früher oder später selbst.  
Warum wir so ticken - und in welchem Maße wir dem Diskriminierungs-Programm im Kopf entgegenwirken können, das erklärt Degner am Dienstag, 3. Mai, im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Von Sinnen".



Dienstag,  3. Mai 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Von Sinnen: Prof. Juliane Degner: "Ich bin doch kein Rassist!"
Warum wir im Alltag manchmal Einstellungen zeigen, die wir uns selbst nicht zutrauen
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00924
#VonSinnen

Mittwoch, 27. April 2016

Erinnerung geht durch die Nase


Ein Areal unseres Gehirns ist spezialisiert auf die Erinnerung von Gerüchen. Zu diesem Ergebnis kommt nun eine Studie von Neurowissenschaftlern der Ruhr-Universität Bochum und der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Damit eröffneten die Wissenschaftler ein neues Forschungsfeld: Bisherige Untersuchungen hatten sich schwerpunktmäßig mit der Wirkung von Tast-Erfahrungen auf die Erinnerung an ein Objekt befasst.

Für die aktuelle Versuchsreihe griffen die Forscher auf bildgebende Verfahren und auf – ein Kinderspielzeug - zurück. Aus den Teilen des Konstruktionssystems bauten sie neue Gegenstände und versahen sie mit einem Duft, etwa nach Pfefferminze.  

Die 16 Probanden sollten zunächst die Gegenstände anschauen, wobei sie auch deren  Geruch wahrnahmen. Im Gegensatz zu früheren Studien hatten sie keine Gelegenheit, die Objekte zu betasten. 

Anschließend zeigte man ihnen Bilder verschiedener Gegenstände, darunter einige gerade kennengerlernte, aber auch ganz neue. Aufgabe der Versuchspersonen war es, für jedes Objekt zu entscheiden, ob es bereits bekannt oder neu für sie war. Währenddessen wurde ihre Hirnaktivität im Magnetresonanztomografen (MRT) beobachtet.

Dabei zeigte sich bei der Wahrnehmung von bekannten, bedufteten Objekten eine starke Aktivität im rechten vorderen Hippocampus. Bereits seit längerem weiß man, dass dieses Hirnareal eine bedeutende Rolle für Lernen und Gedächtnis spielt. Neu ist die Erkenntnis, dass ein Teil des Hippocampus offenbar auf die Erinnerung an Gerüche spezialisiert ist.

Und wie sieht es mit der Rolle anderer Sinneskanäle, wie Riechen oder Schmecken, beim  Speichern von Erinnerungen aus? Das sollen künftige Forschungen zeigen.

Zum Weiterlesen:


Samstag, 23. April 2016

Neues Exponat: Zwei Espresso bitte!



Ein neues Exponat, hervorgegangen aus einem Experiment mit Anamorphosen, bereichert seit kurzem die Sonderausstellung im Turm. Entwickelt und umgesetzt wurde es vom technischen Leiter des turmdersinne, Dominik Junker, in Kooperation mit dem Nürnberger Fotografen Artur Ehmann. 

Ihnen ist es gelungen, einen echten Gegenstand und ein flaches Bild in einem Schaukasten so zu arrangieren, dass beide – vom Beobachtungspunkt aus – als räumliche Objekte wahrgenommen werden. Das Motiv: zwei Espressotassen, der Titel: „Interessiert mich – die Bohne!?“. 

Dominik Junker (l.) und Artur Ehmann mit dem neuen Exponat
 Dominik Junker berichtet:
Die Idee für das Exponat ergab sich aus der Frage, ob es möglich wäre, ein echtes Objekt und ein flaches Bild so zu arrangieren, dass beide als physische, also räumliche Objekte wahrgenommen werden. Zunächst spielte ich einige Konzepte durch und kam – mehr durch Zufall – auf die Idee, dass ein Arrangement mit Espressotassen umsetzbar erschien.
Von dieser Vorstellung sprach ich mit Artur, ob so etwas mit fotografischen Mitteln umsetzbar wäre. Er war der Meinung, dass dies durchaus einen Versuch wert sein könnte, und so machten wir uns an die Arbeit.
Die Herausforderung bei der Installation bestand darin, ein möglichst realitätsgetreues Abbild zu schaffen, das den Betrachter glauben lassen würde, er sähe ein echtes, dreidimensionales Objekt.
Für die Fotografie war es nötig eine Lichtsituation zu erzeugen, die der finalen Installation entsprechen würde, damit der Betrachter nicht durch "falsche" Schatten und Reflexionen irritiert wäre.
Nachdem die Fotografie schließlich "im Kasten" war, bestand die nächste Herausforderung darin, das Motiv so zu verzerren, dass es aus einem, durch die Konstruktion des Schaukastens vorgegeben, bestimmten Blickwinkel die gleichen Dimensionen hatte wie die echte Tasse.
Dies gestaltete sich extrem schwierig, da es mit Anamorphose-Software nicht erreicht werden konnte, dass die Objekte identisch waren. Mal war die Tasse zu flach, mal zu lang, dann passten die Proportionen von Tasse und Untertasse nicht zusammen.
Die Lösung dieses Problems war, die Tasse und die Untertasse voneinander zu entkoppeln und unterschiedlich zu dimensionieren. Nachdem Artur einige Zeit mit Photoshop zugebracht hatte, hatten wir ein Motiv, das uns hinsichtlich der Dimensionen zufrieden stellte.
Da wir mit der Plastizität des Motivs jedoch weiterhin Schwierigkeiten hatten, kamen wir auf die Idee, das Motiv höher zu stellen, um die Illusion eines physischen Objekts zu verstärken. Die Fotografie "schwebt" im Exponat nun ca. einen Zentimeter über dem Boden.  
Das ganze Arrangement wurde von mir noch durch eingestreute Kaffeebohnen bereichert. Durch die Positionierung kleinerer Bohnen an ganz bestimmten Stellen auf der Fotografie gewann das Motiv noch zusätzlich an Tiefe und überzeugte unsere Tester (Artur und ich waren mittlerweile gewissermaßen betriebsblind).
Als sich schließlich Foto und echte Tasse im Schaukasten mit der Beleuchtung befanden, stellten wir fest, dass sich Motiv und Original farblich stark voneinander unterschieden. Einige weitere Photoshop-Sessions und Testausdrucke später reiht sich das Exponat nun als eine Verschmelzung von anamorpher Fiktion mit einem realen Objekt in die Sonderausstellung ein.
Yay!
Die Sonderausstellung „Anamorphosen“ ist noch bis zum 18. September 2016 im turmdersinne zu sehen.

Zum Weiterlesen: 
 

Freitag, 22. April 2016

Im Gästebuch geblättert

Ein neuer Blick ins Gästebuch des Hands-on-Museums:  





Das turmdersinne-Team dankt den Besucherinnen und Besuchern für ihr positives Feedback und freut sich, wie immer, auf weitere Rückmeldungen und Anregungen.


Sonntag, 17. April 2016

Von Sinnen: Das ästhetische Aha!


Dr. Claudia Muth ist Künstlerin und frisch promovierte Kognitionswissenschaftlerin, engagiert sich in der Gruppe denk.akt und kennt sich als ehemalige turmdersinne-Museumsleiterin bestens mit den Leistungen und Irrtümern der menschlichen Wahrnehmung aus.

Dabei stieß sie auf ein Spannungsfeld: Einerseits gefallen uns symmetrische und vertraute Objekte, weil das Wahrnehmungssystem sie leicht verarbeiten kann.

In der Kunst dagegen fasziniert uns gerade das Mehrdeutige. Dazu Claudia Muth:
Wir rätseln über Mona Lisas Lächeln, versuchen in abstrakten Kunstwerken Gegenstände zu erkennen und billigen sogar einem Pissoir künstlerische Qualität zu, sobald wir es in einem Ausstellungskontext antreffen.
Doch was reizt uns an solchen Herausforderungen für das Wahrnehmungssystem? Und welcher Mechanismus steckt hinter unserer Faszination für das Unerwartete?

Solchen Fragen geht Claudia Muth nach. Eine zweite Sache kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz: Das Vergnügen, das wie beim Erschaffen von Bedeutung empfinden.

 
Dienstag, 19. April 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Von Sinnen: Dr. Claudia Muth: Das ästhetische Aha!
Wie Kunst uns belohnt, auch wenn sie unlösbare Rätsel aufgibt
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00923
#VonSinnen