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Mittwoch, 24. Februar 2016

Fremder Schweiß müffelt mehr - oder?


Klar, Schweiß riecht eklig -  fremder Schweiß sogar noch unangenehmer als der der eigenen Leute. Doch woran machen wir das "Fremde" und das "Vertraute" fest? 

Wie leicht sich solche Zuschreibungen manipulieren lassen, zeigte nun ein Forscherteam um den Psychologen Stephen D. Reicher von der britischen University of St. Andrews.

Im ersten von zwei Versuchen fungierten 45 Studentinnen der University of Sussex als Probandinnen. Zunächst wurden sie im Gespräch entweder auf ihre Zugehörigkeit zur Universität, auf ihren Studierendenstatus allgemein oder auf ihre persönliche Identität hingewiesen. Dann ging's ans Schnuppern, und zwar an einem verschwitzten T-Shirt mit dem Aufdruck einer fremden Uni.

Am geringsten fiel der Ekel bei denjenigen Probandinnen aus, die zuvor für ihre Identität als Studierende sensibilisiert worden waren. Nicht überraschend, so die Forscher, empfanden sich die Versuchspersonen doch als Angehörige der gleichen Gruppe wie der unbekannte T-Shirt-Träger.    

Im zweiten Versuch mussten 90 Studentinnen und Studenten an verschwitzten T-Shirts riechen. Diesmal trug das Kleidungsstück entweder das Logo der eigenen Uni, das einer fremden Hochschule oder gar keinen Aufdruck.

Ähnlich wie beim ersten Versuch, wurden die Probanden ebenfalls vor Beginn der Schnupperrunde entweder auf ihren Status als Studierende oder speziell als Angehörige ihrer Universität angesprochen. Doch im Gegensatz zur Vorgängergruppe sollten sie nicht nur die Stärke ihres Ekels einschätzen, sondern hatten auch Gelegenheit, nach Kontakt mit dem Müffel-Shirt ihre Hände zu waschen.

Dabei zeigte sich, dass es die Probanden nach Berührung des "bekannten" T-Shirts weniger eilig zum Waschtisch hatten, als in den beiden anderen Fällen, und dass sie weniger Reinigungsmittel verbrauchten. Für die Forscher ein deutlicher Hinweis, dass das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit die Geruchswahrnehmung beeinflussen kann.

Stephen D. Reicher, Anne Templeton, Fergus Neville, Lucienne Ferrari, John Drury: Core disgust is attenuated by ingroup relations. doi: 10.1073/pnas.1517027113

Foto: Shutterstock
Text: Inge Hüsgen
 

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