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Sonntag, 10. Januar 2016

Halluzinationen: Wenn das Gehirn zu viel interpretiert


Abb. 1: Person oder abstraktes Muster?

Abb. 2: Pssst, ein Tipp...
Haben Sie das Motiv in Abb. 1 auch nicht sofort erkannt? Bei solchen mehrdeutigen Abbildungen erkennen wir oftmals erst mit einer kleinen Hilfestellung (in Abb. 2), was dargestellt ist. Unser Gehirn verarbeitet also nicht nur die Daten der Sinnesorgane, sondern zieht zur Interpretation auch andere Informationen heran. Besonders gut können dies offenbar die Gehirne von Psyschose-Patienten, wie nun ein Forscherteam um den Neurowissenschaftler Christoph Teufel von der Cardiff University gezeigt hat.
in collaboration with Dr Veronika Dobler and Professor Ian Goodyer from the Department of Child and Adolescent Psychiatry at the University of Cambridge. - See more at: https://www.cam.ac.uk/research/news/how-hallucinations-emerge-from-trying-to-make-sense-of-an-ambiguous-world#sthash.pE9nsO52.dpuf

In ihrem Experiment ließen die Wissenschaftler ihre Probanden - 18 Teilnehmer mit beginnender Psychose und 16 Personen ohne Psychose - eine Reihe von Schwarz-Weiß-Bildern ähnlich Abb.1 betrachten. Einige davon zeigten lediglich abstrakte Muster, auf anderen war, wie oben, eine Person zu erkennen. Diese Personenbilder zu finden, war Aufgabe der Probanden. Anschließend präsentierten ihnen die Forscher eine Reihe von Farbfotos, darunter die Farbversionen der zuvor betrachteten Schwarzweiß-Bilder (vgl. Abb. 2).

Abschließend stand eine zweite Versuchsrunde auf dem Programm, bei der die Teilnehmer deutlich mehr Personenbilder entdeckten als beim ersten Mal. Die Psychosepatienten waren sogar ungefähr doppelt so gut wie die Gesunden. Für die Forscher ein klarer Hinweis, das diese Probandengruppe das Wissen aus dem Farbbilder-Durchgang besser abrufen konnte. Koautor Naresh Subramaniam von der University of Cambridge glaubt, dass die Versuchsergebnisse nicht etwa auf ein defektes Gehirn hinweisen, sondern im Gegenteil auf eines, das mehrdeutige Reize auf natürliche Weise sinnvoll zu deuten.

Diese gesteigerte Fähigkeit, Sinneseindrücke mit Hilfe  früherer Erfahrungen zu interpretieren, würde auch erklären, warum Psychosen so häufig von Halluzinationen begleitet sind. 
Importantly, they also suggest that these symptoms and experiences do not reflect a ‘broken’ brain but rather one that is striving – in a very natural way – to make sense of incoming data that are ambiguous.” - See more at: https://www.cam.ac.uk/research/news/how-hallucinations-emerge-from-trying-to-make-sense-of-an-ambiguous-world#sthash.pE9nsO52.dpuf

Doch wie sieht es mit den gesunden Gehirnen aus? Um diese Frage zu klären, wiederholten die Forscher ihr Experiment mit 40 neuen gesunden Probanden, bei denen sie zuvor die Anfälligkeit für Psychosen ermittelt hatten. Auch sie waren nach Betrachtung der Farbbilder erfolgreicher - allen voran diejenigen mit der höchsten Psychoseanfälligkeit. Es spricht also einiges dafür, dass zwischen "normaler" und veränderter Wahrnehmung fließedne Übergänge existieren.


Text: Inge Hüsgen
Abbildungen: University of Cambridge 

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