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Dienstag, 29. September 2015

Symposium 2015: Michael Schmidt-Salomon


Foto: Andreas Schütt

Dr. Michael Schmidt-Salomon, geboren 1967 und bekannt als Philosoph, Autor und Vorstandsprecher der Giordano Bruno Stiftung, versteht sich als evolutionärer Humanist. Also als einer, der das Wesen des Menschen aus seiner evolutionären Geschichte heraus erklärt, und der überzeugt ist, dass es auf der Welt "mit rechten Dingen zugeht", ohne die Einwirkung von Göttern und Dämonen.

Kann es in solch einer Welt überhaupt so etws wie Moral geben? Obgleich Vertreter organisierten Religionen dies vehement verneinen, spricht  alles dafür, dass die Menschheit zum Entwicklung moralischer Werte weder einen (subjektiven) Glauben noch einen (objektiven) Gott benötigt. Weshalb, das erklärt Schmidt-Salomon in seiner aktuellen Buchveröffentlichung, die wir in der vergangenen Woche vorgestellt haben.

Der Band ist der jüngste einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen, in denen der prominente Philosoph Schmidt-Salomon ein naturalistisches Weltbild entwirft. Darüber hinaus ist er bekannt aus Diskussionen in TV und Radio. Auch beim Sympsoium wird er nicht nur mit einem Vortrag (s.u.), sondern auch in der abschließenden Podiumsdiskussion vertreten sein.


Symposium turmdersinne 2015
Sonntag, 11. Oktober 2015, 11:00-11:45 Uhr
Nächstenliebe und Fernstenhass
Lässt sich der moralische Dualismus überwinden? (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2015


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Mittwoch, 23. September 2015

Symposium 2015: Hoffnung Mensch



Gewaltsame Konflikte haben unsere Evolution entscheidend geprägt, die Geschichte zeigt, wie aus unaffälligen Menschen Massenmörder werden; und heute kennen wir den Teufelskreis von frühkindlichen Gewalterfahrungen und eigener Täterschaft. Eine Bestandsaufnahme, die den vielztieren "Glauben an die Menschheit" ins Wanken bringt.

Aber halt! Unsere Spezies hat mehr drauf als Blutvergießen und (Selbt-)Zerstörung, ist der Philosoph, Schriftsteller und gbs-Vorstandssprecher Dr. Michael Schmidt-Salomon überzeugt. Sein aktuelles Buch trägt denn auch den optimistischen Titel "Hoffnung Mensch".

Die biologische und kulturelle Entwicklung unserer Spezies zeigt, dass wir das Potenzial haben, immer besser, immer "humaner" zu werden,
 schreibt er im Vorwort. Und seine Vision ist eine säkular-humanistische:

Die Natur hat uns ganz besondere Talente in die Wiege gelegt, auch wenn wir es bisher nur selten verstanden haben, diese Talente sinnvoll zu nutzen. Doch wenn dies geschah, kam es zu jenen wunderbaren Momenten, in denen die Natur sich gewissermaßen selbst überschritt. "Mutter Natur" war dies freilich völlig schnuppe - uns aber sollte es keinesfalls egal sein: Immerhin hat die Evolution Jahrmilliarden gebraucht, um ein Wesen hervorzubringen, das in der Lage ist, den evolutionären Prozesse zu durchschauen. Schon allein deshalb wäre es schade um uns. 
Bleibt die Frage, wie es uns gelingt, das Spannungsfeld zwischen Empathie gegenüber den eigenen Leuten und Feindseligkeit gegenüber Fremden zu überwinden. Eine Antwort stellt Schmidt-Salomon beim Symposium turmdersinne zur Diskussion.

Symposium turmdersinne 2015
Sonntag, 11. Oktober 2015, 11:00-11:45 Uhr
Nächstenliebe und Fernstenhass
Lässt sich der moralische Dualismus überwinden? (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
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#symp2015


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Samstag, 19. September 2015

Symposium 2015: Friedensnobelpreis für Referentin Evelin Lindner?



Wenn am Freitag, 9. Oktober wenige Stunden vor Beginn des turmdersinne-Symposiums der Friedensnobelpreisträger 2015 bekanntgegeben wird, könnte der Name von Symposiums-Referentin Evelin Lindner fallen. Die promovierte Medizinerin und Psychologin wurde als Gründungspräsidentin von Human Dignity and Humiliation Studies nominiert, einem weltweiten transdisziplinären Netzwerk von Wissenschaftlern und Praktikern mit dem Ziel, Menschenwürde zu fördern und Demütigung zu verringern. Ein Interview mit Evelin Lindner finden Sie hier.

Teil des Netzwerks ist die „World Dignity University“,die sich als Gemeinschaft von Lehrenden unterschiedlicher Disziplinen versteht. Eine "Universität" ohne Gebäude und institutionellen Überbau, wie Lindner erklärt:

Unser Ziel ist es, starre Strukturen zu überwinden und zur Idee der universitas scolarium zurückzukehren: Lehrende kommen zusammen im Geist der akademischen Freiheit und Menschenwürde. Wir wollen etwas bewegen, und wir laden dazu ein, an dieser Bewegung teilzuhaben.
Mehr über dieses ambitionierte Projekt erfahren Sie bei Evelin Lindners Vortrag auf dem Sympsiom turmdersinne 2015.
 

Symposium turmdersinne 2015
Sonntag, 11. Oktober 2015, 09:45-10:30
Von Demütigung zu Terror und Krieg
Erniedrigung kann zu Gewalt führen, kann sie auch zu Liebe führen? (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
 Anmeldung
#symp2015


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Donnerstag, 10. September 2015

Symposium 2015: Das Potenzial für „Nie wieder Krieg“


Interview mit Dr. Evelin Lindner, Referentin beim Symposium turmdersinne 2015.

Die Medizinerin und Psychologin Evelin Lindner hat gemeinsam mit anderen engagierten Persönlichkeiten zwei Institutionen ins Leben gerufen, die zur Stärkung der Menschenwürde und zur Verringerung von Demütigung weltweit beitragen sollen, die World Dignity University Initiative, die ein Teil des transdisziplinäre Netzwerks Human Dignity and Humiliation Studies (HumanDHS) ist. Als Gründungspräsidentin des Netzwerks ist Evelin Lindner für den Friedensnobelpreis 2015 nominiert, auf dem Symposium turmdersinne wird sie am 11. Oktober 2015 über ihre Forschungen und Aktivitäten berichten. Inge Hüsgen hat sich mit ihr unterhalten.

Inge Hüsgen: Sie haben sich bereits in Ihrer Doktorarbeit mit der Rolle von Demütigungen in politischen Konflikten befasst. 

Evelin Lindner: Genau, in meiner Doktorarbeit habe ich mich aus sozialpsychologischer Sicht mit dem Gefühl der Erniedrigung beschäftigt, indem ich die Situation in Ruanda und Somalia mit Hitlerdeutschland verglich. Bekanntlich war es Ziel des Versailler Vertrags nach dem 1. Weltkrieg, Deutschland bewusst zu demütigen, um es ungefährlich zu machen. In meiner Arbeit untersuchte ich, welche Rolle Demütigungen bei den Konflikten in Afrika spielten.

Gibt es auch Parallelen zu Ihrer eigenen Biografie?

Meine Eltern stammen aus Schlesien und aufgrund ihrer Flucht- und Kriegserfahrungen stand für mich schon früh fest, dass es nie wieder Krieg und Völkermord geben darf. Nun lebe ich seit 40 Jahren global, bin auf allen Kontinenten zuhause. Und gehe der Frage nach: Gibt es ein Potenzial für das „Nie wieder“?

Wie hat dieser globale Lebensstil Ihre Position in dieser Frage verändert?

Er trägt entscheidend dazu bei, ein Gefühl für die Menschheit insgesamt auszubilden. Solange man noch eine Wohnung als „Stützpunkt“ besitzt, stellt sich dieses Gefühl schwerer ein, auch nicht durch viele Reisen.

Sie sind Mitbegründerin des Netzwerks HumanDHS. Wie ist es dazu gekommen?

Das war während der Arbeit an meiner Promotion. Ich suchte Literatur – und musste feststellen, dass es diese Literatur nicht gab. Gleichzeitig bekam ich Kontakt zu Linda Hartling, der heutigen Direktorin der HumanDHS. Das globale transdisziplinäre Netzwerk wurde 2001 als Idee geboren, derzeit engagieren sich dort ehrenamtlich bis zu 1000 Akademiker und Aktivisten.

„Erniedrigung kann zu Gewalt führen“, heißt es im Untertitel Ihres Vortrags, und weiter: „Kann sie auch zu Liebe führen?“ Wie lautet Ihre Antwort? 
 
Das englische Wort humiliation, auf Deutsch: Demütigung, hat im Laufe der Zeit seine Bedeutung geändert. In einem englischen Wörterbuch des 18. Jahrhunderts bedeutete es noch: jemandem seinen rechtmäßigen Platz zuweisen. Wenn Gott oder ein Herrscher seine Untergebenen demütigte, tat er ihnen damit etwas Gutes und es wurde erwartet, dass sie ihn dafür liebten. Erst später hat der Begriff die heutige, negative Bedeutung angenommen.
 
Da spiegelt sich also ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Wandel wider?

Genau. Heute geht es uns darum, aus der Erfahrung von Demütigung – unrechter, menschenrechtsverletztender Natur – Liebe zu entwickeln. Wir kennen viele Beispiele aus der Geschichte, in denen genau das nicht passiert ist, und reagieren mit Empörung auf solche Fälle. Doch oft sind wir selbst gar nicht so weit davon entfernt – etwa, wenn wir im Laden T-Shirts zum Ramschpreis kaufen und dabei die Augen vor dem Leid der Näherinnen in Bangladesh verschließen. Es liegt an uns, durch die Demütigung anderer unsere globale Verantwortung zu erkennen und sie in Liebe zu übersetzen.


Symposium turmdersinne 2015
Sonntag, 11. Oktober 2015, 09:45-10:30
Von Demütigung zu Terror und Krieg
Erniedrigung kann zu Gewalt führen, kann sie auch zu Liebe führen? (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
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Freitag, 4. September 2015

Symposium 2015: Krankes Gehirn - kranke Seele?


"Wie das Gehirn die Seele macht", erklärt Gerhard Roth in seinem aktuellen Buch, auf das wir in der letzten Woche hingewiesen haben. Was aber, wenn das Gehirn erkrankt, wenn es im Laufe seiner Entwicklung oder durch einen Unfall geschädigt wird? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt seines Vortrags beim Symposium turmdersinne 2015.
Die Mehrzahl der psychischen Erkrankungen einschließlich Persönlichkeitsstörungen und gewalttätigen, antisozialen Verhaltens und Psychopathie geht auf eine Kombination genetisch-epigenetischer Vorbelastungen und teils vorgeburtliche, teils früh nachgeburtliche Störungen des Stressverarbeitungs-, Selbstberuhigungs- und Bindungssystems zurück, die durch positive oder negative spätere Erfahrungen verstärkt oder abgeschwächt werden, 
so der Professor für Verhaltensphysiologie am Zentrum für Kognitionswissenschaften der Uni Bremen. Doch eine Psychotherapie kann in vielen Fällen helfen. Doch welche Faktoren machen eine wirksame Psychotherapie aus? Auch auf diese Frage wird Roth eingehen.

Übrigens: In diesem Jahr ist Gerhard Roth bereits zum dritten Mal als Referent bei einem Sympsoium turmdersinne dabei.

2011 legte er eindrucksvoll dar, wie sehr die Handlungen von Straftätern durch neurobiologische und psychologische Faktoren bestimmt werden, und plädierte auf dieser Basis dafür, das alte Modell von Schuld und Sühne durch Hilfsangebote und Therapien für die Betroffenen zu ersetzen.

Und beim Symposium 2009 erläuterte Roth, inwieweit Intelligenz und Kreativität angeboren sind und in welchem Rahmen sie sich durch Erziehung und Übung verändern lassen.


Symposium turmdersinne 2015
Prof. Gerhard Roth
Sonntag, 11. Oktober 2015, 09:00-09:45 Uhr
Krankes Gehirn – kranke Seele?
Neurobiologische Grundlagen psychischer Erkrankungen und ihrer Therapie (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
 Anmeldung
#symp2015

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