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Sonntag, 16. August 2015

Symposium 2015: Komm mir nicht zu nah!





Der Tag fing ja gut an: Zuerst die gebrauchte Zahnseide des WG-Mitbewohners im Bad. Dann ist auch noch die Milch im Kühlschrank sauer geworden. Und musste Nachbars Fiffi sein großes Geschäft ausgerechnet hier vor der Haustür erledigen?
  
Ekelgefühle haben sich im Laufe der Evolution bewährt, denn sie halten uns von verdorbenen Speisen und anderen potenziellen Infektionsquellen fern. Doch in einigen Fällen nimmt der Ekel selbst krankhafte Züge an. Dies ist Forschungsgebiet von Prof. Anne Schienle, die den Arbeitsbereich Klinische Psychologie der Uni Graz und die dortige klinisch-psychologische Lehr- und Forschungsambulanz leitet.

So zeigte sie 2013, dass sich Phobien und Zwangsstörungen mit einem Placebo behandeln lassen. Ihren 34 Probandinnen - Frauen, die sich selbst als außergewöhnlich ekelempfindlich einstuften - präsentierte Schienle zunächst abstoßende Abbildungen und beobachtete dabei deren Hirnaktivität per fMRT. Anschließend verabreichte sie den Testpersonen eine "Anti-Ekel-Pille" - in Wahrheit ein wirkungsloses Kieselerde-Präparat. Und tatsächlich zeigten sie  beim neuerlichen Betrachten der gleichen Bilder stark verringerte Ekelwerte, sowohl beim Hirnscan als auch in den Berichten über das subjektive Erleben.

Ekel hat viel mit dem Eindringen des Fremden in unseren sogenannten "persönlichen Raum" zu tun, so eine Erkenntnis von Anne Schienle. Diese "Sicherheitszone" legt fest, wie nahe uns ein Interaktionspartner kommen darf, damit wir den Abstand gerade noch als angenehm empfinden.

Und für beides - Ekel und den persönlichen Raum - sind der somatoforme Kortex und die Amygdala zuständig - also Hirnareale, die auch Körperwahrnehmungen wie Berührungen und die emotionale Bedeutung von Reizen verarbeiten. Was in unserem Gehirn und unserem Gefühlsleben geschieht, wenn uns jemand oder etwas zu nah auf die Pelle rückt, erklärt Anne Schienle beim Symposium turmdersinne 2015 ebenso wie die Rolle von Persönlichkeitseigenschaften, emotionalen Kontexte und psychischen Störungen.


Samstag, 10. Oktober 2015, 17:15-18:00 Uhr
Prof. Anne Schienle
Komm mir nicht zu nah!
Neurowissenschaftliche Befunde zu Abstoßendem und Ekligem (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
 Anmeldung
#symp2015


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