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Freitag, 21. August 2015

Symposium 2015: Das radikal Böse


"Männer, Frauen, Kinder, alles umgelegt. Liebe Heidi, mache dir keine Gedanken darüber. Es muss sein."
Es waren ganz normale junge Männer, die in den Einsatzgruppen des NS-Regimes in Osteuropa zu Massenmördern wurden, jüdische Zivilisten erschossen - Alte, Erwachsene und Babys. Sie hätten den Befehl verweigern können, doch das taten nur wenige.

Wie konnte das geschehen? In seinem Film "Das radikal Böse" sucht Regisseur Stefan Ruzowitzky nach Antworten. Anhand von Briefen, Tagebucheinträgen und Gerichtsprotokollen gewährt er Einblicke in die Gefühlswelten der Täter, geprägt von Gehorsam und Pflichterfüllung, von Zweifeln und Rechtfertigung.

Das Böse, so das Fazit des Films, ist keine Ausnahme  und keine Erscheinung einer längst überwundenen Vergangenheit. Es ist Normalität, auch heute noch. Damit reiht sich Ruzowitzkys Arbeit ein in in die Fragestellung des Symposiums turmdersinne 2015.

Darstellerisch ist der Regisseur mit "Das radikal Böse" neue Wege gegangen. Sein Essayfilm montiert Originalquellen, Experteninterviews und inszenierte Szenen zu einem dichten Geflecht.  Darüber hinaus zeigt er anhand von klassischen sozialpsychologischen Experimenten die erschreckenden Auswirkungen von Gruppendruck, Machtmissbrauch und Befehlshörigkeit.

Bereits 2007 hatte sich Ruzowitzky in seinem oscar-prämierten Drama "Die Fälscher" mit moralischen Konflikten vor dem Hintegrund der NS-Mordindustrie auseinandergesetzt. "Das radikal Böse" ist seine erste Kino-Doku. Ein Lehrstück über die Psychologie von Gewalt und Genozid. Aber auch, wie der Regisseur betont, ein "Plädoyer gegen Rassismus und Völkermord im Hier und Jetzt".


Symposium turmdersinne 2015
Samstag, 10. Oktober 2015, ab 20:00 Uhr
Film: Das radikal Böse
(Deutschland / Österreich 2013, 93 min.)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
 Anmeldung
#symp2015


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