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Freitag, 28. August 2015

Symposium 2015: Wie das Gehirn die Seele macht

Die Seele: Kaum ein Begriff ist enger mit dem verbunden, was das typisch Menschliche ausmacht. Gleichzeitig erscheint kaum ein Begriff so diffus: Die Seele, was soll das sein?

Der prominente Hirnforscher Gerhard Roth, Professor für Verhaltensphysiologie am Zentrum für Kognitionswissenschaften der Uni Bremen und  Referent beim Symposium turmdersinne 2015, erklärt in diesem Buch gemeinsam mit der promovierten Neurobiologin Nicole Strüber, wie das Gehirn unsere Gefühlswelt und unser Ich formt.

Letztlich geht der Band auf der Arbeit des 1997 gegründeten Hanse-Wissenschaftskollegs in Delmenhorst zurück, das sich dem transdisziplinären Dialog zwischen Neurobiologen, Psychologen, Psychiatern, Psychotherapeuten und Philosophen verschrieben hat. So förderte es unter anderem eine Studie, die strukturelle Veränderungen des Gehirns nach einer Psychotherapie nachwies.

Auch andere Erfahrungen hinterlassen ihre Spuren in der "Hardware" unseres Denk- und Emotionsorgans. Mit bisweilen gravierenden Folgen, so können sich frühkindliche Stresserfahrungen im späteren Leben in psychischen Störungen niederschlagen.

Wie dies im Einzelnen geschieht, erklärt das Autorenduo gründlich und allgemeinverständlich. Strüber und Roth führen ihre Leser in den Aufbau von Gehirn und Nervenzellen und die Grundlagen der Neurochemie ein, um anschließend die neurobiologischen Grundlagen von Bewusstsein, Persönlichkeit und psychischen Störungen zu erklären. Als Naturwissenschaftler argumentieren sie konsequent naturalistisch - eine Herausforderung für manche Leser.

Gleichwohl eine, die sich lohnt: Der Ansatz von Roth und Strüber macht Phänomene wie Antisoziale Persönlichkeitsstörung und Psychopathie verständlich und liefert damit einen bedeutenden Schlüssel zum Verständnis dessen, was wir gern "das Böse" nennen.

 
Gerhard Roth, Nicole Strüber: Wie das Gehirn die Seele macht. Klett Cotta, € 22,95 (eBook € 17,99)


Symposium turmdersinne 2015
Prof. Gerhard Roth
Sonntag, 11. Oktober 2015, 09:00-09:45 Uhr
Krankes Gehirn – kranke Seele?
Neurobiologische Grundlagen psychischer Erkrankungen und ihrer Therapie (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
 Anmeldung
#symp2015


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Freitag, 21. August 2015

Symposium 2015: Das radikal Böse


"Männer, Frauen, Kinder, alles umgelegt. Liebe Heidi, mache dir keine Gedanken darüber. Es muss sein."
Es waren ganz normale junge Männer, die in den Einsatzgruppen des NS-Regimes in Osteuropa zu Massenmördern wurden, jüdische Zivilisten erschossen - Alte, Erwachsene und Babys. Sie hätten den Befehl verweigern können, doch das taten nur wenige.

Wie konnte das geschehen? In seinem Film "Das radikal Böse" sucht Regisseur Stefan Ruzowitzky nach Antworten. Anhand von Briefen, Tagebucheinträgen und Gerichtsprotokollen gewährt er Einblicke in die Gefühlswelten der Täter, geprägt von Gehorsam und Pflichterfüllung, von Zweifeln und Rechtfertigung.

Das Böse, so das Fazit des Films, ist keine Ausnahme  und keine Erscheinung einer längst überwundenen Vergangenheit. Es ist Normalität, auch heute noch. Damit reiht sich Ruzowitzkys Arbeit ein in in die Fragestellung des Symposiums turmdersinne 2015.

Darstellerisch ist der Regisseur mit "Das radikal Böse" neue Wege gegangen. Sein Essayfilm montiert Originalquellen, Experteninterviews und inszenierte Szenen zu einem dichten Geflecht.  Darüber hinaus zeigt er anhand von klassischen sozialpsychologischen Experimenten die erschreckenden Auswirkungen von Gruppendruck, Machtmissbrauch und Befehlshörigkeit.

Bereits 2007 hatte sich Ruzowitzky in seinem oscar-prämierten Drama "Die Fälscher" mit moralischen Konflikten vor dem Hintegrund der NS-Mordindustrie auseinandergesetzt. "Das radikal Böse" ist seine erste Kino-Doku. Ein Lehrstück über die Psychologie von Gewalt und Genozid. Aber auch, wie der Regisseur betont, ein "Plädoyer gegen Rassismus und Völkermord im Hier und Jetzt".


Symposium turmdersinne 2015
Samstag, 10. Oktober 2015, ab 20:00 Uhr
Film: Das radikal Böse
(Deutschland / Österreich 2013, 93 min.)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
 Anmeldung
#symp2015


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Sonntag, 16. August 2015

Symposium 2015: Komm mir nicht zu nah!





Der Tag fing ja gut an: Zuerst die gebrauchte Zahnseide des WG-Mitbewohners im Bad. Dann ist auch noch die Milch im Kühlschrank sauer geworden. Und musste Nachbars Fiffi sein großes Geschäft ausgerechnet hier vor der Haustür erledigen?
  
Ekelgefühle haben sich im Laufe der Evolution bewährt, denn sie halten uns von verdorbenen Speisen und anderen potenziellen Infektionsquellen fern. Doch in einigen Fällen nimmt der Ekel selbst krankhafte Züge an. Dies ist Forschungsgebiet von Prof. Anne Schienle, die den Arbeitsbereich Klinische Psychologie der Uni Graz und die dortige klinisch-psychologische Lehr- und Forschungsambulanz leitet.

So zeigte sie 2013, dass sich Phobien und Zwangsstörungen mit einem Placebo behandeln lassen. Ihren 34 Probandinnen - Frauen, die sich selbst als außergewöhnlich ekelempfindlich einstuften - präsentierte Schienle zunächst abstoßende Abbildungen und beobachtete dabei deren Hirnaktivität per fMRT. Anschließend verabreichte sie den Testpersonen eine "Anti-Ekel-Pille" - in Wahrheit ein wirkungsloses Kieselerde-Präparat. Und tatsächlich zeigten sie  beim neuerlichen Betrachten der gleichen Bilder stark verringerte Ekelwerte, sowohl beim Hirnscan als auch in den Berichten über das subjektive Erleben.

Ekel hat viel mit dem Eindringen des Fremden in unseren sogenannten "persönlichen Raum" zu tun, so eine Erkenntnis von Anne Schienle. Diese "Sicherheitszone" legt fest, wie nahe uns ein Interaktionspartner kommen darf, damit wir den Abstand gerade noch als angenehm empfinden.

Und für beides - Ekel und den persönlichen Raum - sind der somatoforme Kortex und die Amygdala zuständig - also Hirnareale, die auch Körperwahrnehmungen wie Berührungen und die emotionale Bedeutung von Reizen verarbeiten. Was in unserem Gehirn und unserem Gefühlsleben geschieht, wenn uns jemand oder etwas zu nah auf die Pelle rückt, erklärt Anne Schienle beim Symposium turmdersinne 2015 ebenso wie die Rolle von Persönlichkeitseigenschaften, emotionalen Kontexte und psychischen Störungen.


Samstag, 10. Oktober 2015, 17:15-18:00 Uhr
Prof. Anne Schienle
Komm mir nicht zu nah!
Neurowissenschaftliche Befunde zu Abstoßendem und Ekligem (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
 Anmeldung
#symp2015


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Freitag, 7. August 2015

Symposium 2015: Ein guter Freund...




... kann uns aufmuntern und unterstützen. Doch das ist noch nicht alles: Vertrauensvolle Beziehungen schützen auch vor Krankheiten und schlagen sich einer höheren Lebenserwartung nieder.

Dass nicht nur Menschen, sondern auch Schimpansen untereinander vertrauensvolle Beziehungen pflegen, ist seit längerem bekannt. Und auch bei ihnen haben sich Freundschaften als wahres Gesundheitselixier erwiesen. Wie unsere Mit-Primaten in freier Natur Freundschaften schließen und wie sich solche Bündnisse in Konflikten mit anderen Schimpansengruppen, schildert der Biologe und Ethologe Dr. Roman Wittig auf dem Symposium turmdersinne 2015.

Das Thema begleitet ihn bereits seit seiner Promotion über Konfliktmanagement bei wilden Schimpansen. Heute leitet er die Arbeitsgruppe Schimpansen in der Abteilung Primatologie am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Dabei geht er vor allem der Frage nach, wie sich das Sozialleben der Tiere auf ihre Fitness auswirkt.

 
Samstag, 10. Oktober 2015, 16:30-17:15 Uhr
Dr. Roman Wittig
Ein guter Freund schützt vor Feinden
Hormonelle und kognitive Grundlagen sozialer Beziehungen bei Schimpansen (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
 Anmeldung
#symp2015


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