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Montag, 18. Mai 2015

#TheDress in Rot

 
#TheDress: das OriginalfotoFoto: swiked/Tumblr (Reproduced with permission from Cecilia Bleasdale)

 
Die Gegenprobe mit einem rötlich gefärbten Kleid.Montage: Gegenfurtner et al. / Current Biology 2015

Hätte sich die Schottin Cecilia Bleasdale zur Hochzeit iher Tochter ein rotes Kleid ausgesucht, wäre die Welt wohl um einen Internet-Hype ärmer. Denn während ein Foto der Robe (siehe erstes Bild) Ende Februar die Web-Gemeinde zum Rätseln über die Farbe des Kleidungsstücks brachte, hätte man das gleiche Modell in Rot (siehe zweites Bild) eindeutig erkannt. 

Zu diesem Ergebnis kommt das Experiment einer Gruppe von Wahrnehmunspsychologinnen und -psychologen der Universitäten Gießen und Bradford. Zu ihnen gehört  Prof. Karl Gegenfurtner, der als Referent beim Symposium turmdersinne 2007 erklärte, auf welche Weise Auge und Gehirn visuelle Bilder erzeugen. Wie sehr unser Sehen von Interpretationen und Vorannahmen geprägt ist, zeigt auch die hitzige Diskussion um #TheDress.

Längst hat sich herumgesprochen, dass das Kleid in Wahrheit blau-schwarz gefärbt ist - ein Original kann übrigens im Hands-on-Museum turmdersinne bewundert werden. Gleichwohl gehen die Deutungen der Farbe auf dem berühmten Foto weit auseinander - manche Betrachter sehen blau-schwarzen Stoff, andere weiß-goldenen. Eines jedoch hatten die wahrgenommenen Farbtöne gemein: Sie alle liegen im Farbkreis auf der sogenannten Tageslichtachse. Das bedeutet, sie besitzen gelbliche oder bläuliche Akzente, wie wir sie vom Tageslicht kennen. Morgens und abends herrschen gelbliche Töne vor, wähend mittags bläuliche Farben dominieren. 

Im Alltag fallen uns diese Unterschiede allerdings kaum auf, denn unser Wahrnehmungssystem filtert die Einflüsse des gelblichen oder blauen Lichtes unbewusst heraus, sodass uns ein und derselben Gegenstand zu verschiedenen Tageszeiten dennoch gleichfarbig erscheint. Doch dies gelingt nur, wenn uns als Anhaltspunkt Farben zur Verfügung stehen, die außerhalb der Tageslichtachse liegen, also Rot- und Grüntöne. Genau diese Farben fehlen bei dem berühmten Bild von #TheDress. Dazu Karl Gegenfurtner:
Der Farbton hängt in der Wahrnehmung der einen Fraktion damit zusammen, dass ein weißes Kleid kühlem bläulichem Licht ausgesetzt wurde. Genauso gut könnte es aber ein blaues Kleid sein, das mit warmem Licht überbelichtet wurde.
Im Experiment machten Gegenfurtner und sein Team die Gegenprobe mit einem rötlich eingefärbten Bild des Kleides.Und siehe da: Nun nahmen alle Probanden die gleichen Farben wahr.

Inge Hüsgen

Zum Weiterlesen:

  • Karl R. Gegenfurtner, Marina Bloj and Matteo Toscani: "The many colours of 'the dress'", Current Biology 25, R1–R3, June 15, 2015, DOI: 10.1016/j.cub.2015.04.043

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