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Freitag, 27. März 2015

Osterferien im turmdersinne


Mit einem bunten Programm begleitet das Hands-on-Museum turmdersinne kleine und große Besucher durch die Osterferien.

Eine spannende Rätselaktion erwartet Kinder zwischen 6 und 12 Jahren vom 28. März, bis 12. April 2015 im Turm. Die Aufgabe: Auf einem Suchbild haben sich Exponate des Museums eingeschlichen. Wer sie entdeckt und ihren Namen herausfindet, kann mit ein bisschen Glück attraktive Preise zum Erleben, Staunen und  Be-Greifen gewinnen.

Spaß für Groß und Klein verspricht der Wettbewerb meinturmdersinne, der ebenfalls über die gesamten Ferien läuft. Dank dem neuen Angebot meinturmdersinne können Besucher im Turm ein individuelles Foto mit einem von zwei verbüffenden Wahrenhmungseffekten schießen. Beim Wettbewerb wird nun Ihr witzigstes Foto aus dem Ames-Raum oder mit dem Thompson-Effekt gesucht. Die Gewinner können sich über eine Jahreskarte fürs Hands-on-Museum, ein Wahrnehmungs-Spiel oder ein Buch voller Wahrnehmungstäuschungen freuen. Schicken Sie Ihr Bild einfach per E-Mail, Stichwort "Wettbewerb meinturmdersinne". Die eingesandten Bilder werden im Turm veröffentlicht.

Für Hortkinder der 1. bis 3. Klasse hat das turmdersinne-Team ein ganz besonderes Ferienangebot erarbeitet: Im Theaterworkshop "Felix und Feline" lauschen die Kinder zunächst einer spannenden Geschichte - natürlich über das Gehirn - und proben anschließend gemeinsam mit der erfahrenen Theaterpädagogin Christine Maaß eigene kleine Spielszenen. Infos und Termine hier.


Das Hands-on-Museum ist an allen Ferientagen - auch montags - von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Mehr über die Ferienaktionen hier.

Inge Hüsgen

Donnerstag, 26. März 2015

Nürnberger brainWEEK 2015: Nachlese



Das Gehirn mit seinen Krankheiten und Fehlschaltungen stand im Mittelpunkt der Nürnberger brainWEEK vom 15.-22. März 2015. Eine Autorenlesung, ein Vortragsabend mit Fachleuten, Kino und Theater sowie eine einzigartige "Neuro-Séance" näherten sich von ganz unterschiedlichen Seiten unerem Denkorgan an.   



 Ausverkauft: 200 Besucher kamen am 18. März zum Vortrgsabend mit Fachleuten vom Klinikum Nürnberg in den Marmorsaal. Das Thema "Wenn das Gehirn nicht richtig tickt". 
 

Dr. Christina Brandl, Psychologin in der ADHS-Ambulanz, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg, informierte über die Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter.


Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen waren das Thema von Dr. Viktor Herlitz, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter, Klinikum Nürnberg.

 
 

"Wenn das Gehirn erkrankt, verändert sich die Persönlichkeit", weiß Prof. Christoph Kessler. In seinem Buch "Wahn" hat der Hirnforscher Geschichten von solchen Erkrankungen gesammelt, eine Auswahl stellte er am 19. März bei seiner Autorenlesung im Zeitungscafé vor.


Science Meets Comedy: Der Neurowissenschaftler Prof. Peter Brugger (r.) und der Schauspieler Yannik Schmuki enthüllten in ihrer "Neuro-Séance" im ausverkauften Nicolaus-Copernicus-Planetarium die Geheimnisse von Esoterik und Geisterwelt.

"Neuro-Séance" zum Mitmachen:
Bei der interkativen Show wurde auch das Publikum einbezogen.


Mehr über die Veranstaltungen finden Sie hier.

Auch im nächsten Jahr wird es wieder eine brainWEEK in Nürnberg geben. Notieren Sie sich schon jetzt den 14.-21. März 2016! Wir freuen uns, wenn Sie wieder dabei sind!


Fotos: Karin Becker im Auftrag des turmdersinne

Samstag, 21. März 2015

Veranstaltungsreihe "Von Sinnen"


„Riechforscher haben die Nase vorn“, sagt Prof. Hanns Hatt. Der Biologe, Physiologe und Mediziner muss es wissen, gehört er doch zu den führenden Sinnes- und Neurophysiologen Deutschlands und wurde für seine Arbeit mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Riechen, das kann nicht nur die Nase, so ein zentrales Ergebnis seiner Forschungen. So entdeckte er mit seinem Team, dass sich menschliche Spermien von künstlichem Maiglöckchendurft anlocken lassen. Der Gesichtsnerv Trigeminus erwies sich ebenfalls als empfindlich für Gerüche, und in Zukunft wird man auch Krankheiten mit HIlfe von Duftreaktionen erkennen können, ist Hatt überzeugt.

Am kommenden Dienstag, 24. März 2015, erklärt Hanns Hatt, wie Riechwahrnehmungen unser Leben bestimmen und mit welchen Methoden man heute den gesamten Prozess von der molekularen Ebene bis hin zur neuronalen Verarbeitung im Gehirn beobachten kann. 

Hatts Vortrag bildet den Auftakt der fünfteiligen Veranstaltungsreihe „Von Sinnen“, die vom 24. März bis 2. Juni 2015 jeweils dienstags um 19.30 Uhr stattfindet.Veranstaltungsorte sind das Nicolaus-Copernicus-Planetarium und der Südpunkt, in Nürnberg.

Dem Thema Riechen widmet die Reihe noch einen zweiten Vortrag, diesmal über die Erforschung von Geruchsstoffen durch die Kombination von technischen Geräten und menschlichen Nasen. Renommierte Fachleute  An weitren Abenden geht es um die Rolle von Kunst und Fantasie in der Evolutionsgeschichte, um eine Gehirn-Computer-Schnittstelle, mit der völlständig gelähmte Menschen Bilder malen können, und um preisgekrönte Wahrnehmungsphänomene. Karten für die gesamte Veranstaltungsreihe gibt es beim Bildungszentrum Nürnberg.


Das Programm im Überblick:
  • Dienstag, 24. März 2015, Prof. Hanns Hatt: Immer der Nase nach. Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt. Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Buchung
  • Dienstag, 7. April 2015, Prof. Thomas Junker. Die Evolution der Fantasie. Warum wir ohne Kunst nicht leben können. Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Buchung
  • Dienstag, 21. April 2015, Prof. Andrea Kübler: Gedankenbilder. Wie die Fantasie vollständig gelähmter Menschen zu Farbe wird. Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Buchung
  • Dienstag, 5. Mai, Prof. Andrea Büttner: Die Düfte der modernen Welt. Molekulare Detektivarbeit beim Erforschen neuer Geruchsstoffe, Südpunkt, Buchung
  • Dienstag, 2. Juni, Prof. Michael Bach: Ausgezeichnete Täuschungen. Wahrnehmungsphänomene vom Illusion-Contest und darüber hinaus. Südpunkt, Buchung
Übrigens: Bei allen Vorträgen im Planetarium lädt das Weingut Probst im Foyer vor dem Vortrag ab 18:45 Uhr und meist auch nach dem Vortrag zu einer offenen und kostenfreien Weinverkostung ein.


Zum Weiterlesen:

Dienstag, 17. März 2015

Start der Nürnberger brainWEEK


Die Eröffnung der Nürnberger brainWEEK und die Premiere des Angebots meinturmdersinne am Sonntag, 15. März 2015, waren ein voller Erfolg.



Mit Sekt und guter Laune feierten rund  30 Besucher mit, darunter Pressevertreter, Förderkreis-Mitglieder und Vertreter der Firma Hüttinger, die die neuen Fotostationen für meinturmdersinne zur Vefügung gestellt hatte. Das Feature erwies sich gleich am ersten Tag als Renner: Wer möchte schließlich nicht einmal ein individuelles Bild von sich selbst mit einem der beliebtesten Effekte des Hands-on-Museums gestalten? Zur Verfügung stehen die Größenkonstanz-Täuschung im Ames-Raum und die Thompson-Täuschung (auch bekannt als "Thatcher-Illusion"). Mit ein paar Mausklicks ist das Werk fertig und kommt per E-Mail nach Hause.


meinturmdersinne: Per Mausklick zur Monster-Fratze

 Die weiteren Veranstaltungen der Nürnberger brainWEEK:
  • Dienstag, 17. März, steht eine Aufführung des Theaterstücks "The Effect" auf dem Programm.
  • Mittwoch, 18. März, stehen bei einem Vortragabend Fachleute des Klinikums Nürnberg für Informationen und Fragen zur Verfügung. (Eintritt frei!) 
  • In seiner Autorenlesung am Donnerstag, 19. März, stellt der Neurologe Prof. Christoph Kessler sein Buch "Wahn" vor (Karten vor Ort noch erhältlich, Vorbestellung: info@turmdersinne.de). 
  • Am Freitag, 20, März, zelebrieren Prof. Peter Brugger und Yannick Schmuki ihre einzigartige "Neuro-Séance",  eine interaktive Show zu Neuropsychologie, Zufall und Aberglaube.
    Die Veranstaltung ist derzeit leider ausgebucht. Zurück gegebene Restkarten sind allenfalls vor Ort erhältlich - es kann aber leider keine Einlassgarantie gewährt werden...
  • Der aktuelle Spielfilm "Still Alice - Mein Leben ohne Gestern" steht im Mittelpunkt eines Kino-Themenabends am Samstag, 21. März; anschließend Diskussion mit Prof. Frank Erbguth.
  • Den Abschluss der brainWEEK bildet am Sonntag, 22.3. der Familienfilm "Ein Tick anders".
Das gesamte Programm mit allen Informationen finden Sie hier.

Fotos: Karin Becker im Aufrag des turmdersinne

meinturmdersinne: Die Thompson-Täuschung ("Thatcher-Illusion")


Wir Menschen sind Spezialisten beim Erkennen von Gesichtern - oder doch nicht? 

Abb. 1: Die beiden Gesichter in falscher Orientierung erscheinen ähnlich. Doch wenn sie richtig herum angesehen werden, erweisen sich als völlig unterschiedlich.
Die Fotos von der meinturmdersinne-Station "Thatcher-/ Thompson-Täuschung" (siehe Abb. 1) bringen dieses Selbstbild gehörig ins Wanken. Bei den aufrechten Bildern können wir sofort das naturgetreue Porträt von der Fratze unterscheiden. Sind beide Bilder jedoch um 180 Grad gedreht, fällt der Unterschied kaum ins Auge. Wie kann dass ein? Dahinter steckt ein verblüffender Wahrnehmungseffekt, der auf kuriose Weise mit einer britischen Staatslenkerin verknüpft ist. 
 
Im Jahr 2013 verstarb mit Margaret Thatcher eine der einflussreichsten und umstrittensten Staatsführerinnen der europäischen Nachkriegsgeschichte. Sie regierte das vereinigte Königreich von 1979 bis 1990. Was die wenigsten wissen: Die „Eiserne Lady“ hat sich unfreiwillig auch in einer ganz anderen Disziplin einen Namen gemacht – der Wahrnehmungspsychologie.

Zurück geht die Geschichte auf den Spieltrieb eines Psychologen, der die Geschichte der beobachteten Illusion 1980 in der renommierten Fachzeitschrift Perception veröffentlichte: Peter Thompson experimentierte an der Universität im britischen York mit ausgedruckten Portraitfotos, die er auf seinem Schreibtisch mit der Schere zerschnitt und auf neue Weise wieder zusammenfügte. Vor einigen Jahren erzählte Thompson in einem Vortrag in Nürnberg, wie er Augen und Mund eines Portraitfotos der damals regierenden Premierministerin ausgeschnitten und umgekehrt wieder zusammengesetzt hatte. Dabei entstand eine gleich auf den ersten Blick abschreckend wirkende, erkennbar grausig anmutende Monsterfratze. Als er nach einer Pause zu seinem Schreibtisch zurückkehrte, traute er seinen Augen kaum: Von der anderen Seite des Tisches war die Monsterfratze gar nicht mehr als solche zu erkennen. Um 180 Grad gedreht wirkte das manipulierte Bild nicht viel anders als das Originalfoto. Die groteske Verzerrung war wie von Geisterhand verschwunden.


Abb. 2: Peter Thompsons klassische "Thatcher-Täuschung"

Wie kann das sein? Sind unsere Sinnesorgane nicht dazu da, die Welt in unserem Kopf abzubilden, möglichst authentisch und originalgetreu? Weshalb sollte die Orientierung eines Bildes da eine Rolle spielen? Thompsons Spielerei entlarvt den Wahrnehmungsvorgang auf eindrucksvolle Weise als aktiven Prozess, gesteuert durch unsere Vorerfahrungen. Gesichter begleiten unsere Wahrnehmungswelt von Geburt an. Schon kleinste Verfälschungen eines Normgesichtes fallen uns unmittelbar ins Auge. Gesichter jedoch, die auf dem Kopf stehen, kommen in unserer Erlebniswelt eher selten vor. Von ihnen haben wir kein durch zahlreiche Erfahrungen geformtes Modell im Kopf. Der extreme Bildunterschied zwischen korrektem und verfälschtem Portrait ist daher falsch herum nicht annähernd so drastisch wie in der korrekten Orientierung (siehe Abb. 2).

Was mit jedem geeignet aufgenommenen Portrait funktioniert, ist kurioserweise untrennbar mit Thompsons Mustervorlage verbunden. Der Begriff „Thatcher-Täuschung“ hat sich für diesen verblüffenden Effekt in der wissenschaftlichen Literatur etabliert. Es ist aber auf lange Sicht davon auszugehen, dass der Effekt irgendwann eher mit dem den Namen des Entdeckers identifiziert werden wird und nicht den des ersten Bildmotivs, also: Thompson-Täuschung.

Ganz ähnlich verhält es sich übrigens, wenn wir Gesichter sehen, die sich von den Erfahrungen unserer Wahrnehmungswelt unterscheiden. Fremdländische und daher unbekannte Gesichter, etwa asiatischer Erscheinung, sind für Europäer oft schwer unterscheidbar. Umgekehrt sehen für Chinesen Europäer irgendwie alle gleich aus, zumindest wenn sie selten mit Visagen aus unseren Breiten konfrontiert werden.

Was wir über die Welt bereits wissen, bestimmt also, was wir wahrnehmen. Ungewohnte Dinge erkennen wir schlechter, anders oder manchmal vielleicht auch gar nicht. Schon unsere Wahrnehmung erfolgt also niemals voraussetzungslos, sondern wird ganz erheblich von Erfahrungen mitbestimmt, die wir im Laufe unseres Lebens angesammelt haben. Bewusst ist uns dies während des Wahrnehmungsvorgangs nicht, aber wir sollten bereit sein, daraus zu lernen – selbst von Margaret Thatcher.

Rainer Rosenzweig


Überarbeitete Fassung des Beitrags:  Rosenzweig, Rainer: Sehen, was wir kennen: Die Thatcher-Täuschung. diesseits.de, 25.02.2013

meinturmdersinne: Der Ames-Raum


Je weiter entfernt etwas ist, desto kleiner erscheint es uns: Diese Faustregel hilft dabei, die Größe von Gegenständen und Personen richtig einzuschätzen. Durch gezielte Manipulation der Umgebung lässt sich die Wahrnehmung jedoch austricksen, wie Fotos aus dem Ames-Raum im Hands-on-Museum zeigen.

Abb. 1: Zur Riesin heranwachsen oder zum Zwerg schrumpfen - der Ames-Raum macht's möglich.

Der Ames-Raum trägt den Namen seines Erfinders, des Psychologen und Augenarztes Adelbert Ames Jr. (1880 – 1955). Ames arbeitete zunächst als Jurist und dann als Maler. Ihn faszinierte die Frage, wie die Kunst von der wissenschaftlichen Erforschung des Sehens profitieren könnte. Unter anderem konstruierte er 1946 das Modell eines "magischen" Raums, der heute noch im Original zu bewundern ist: im "Exploratorium", einem Museum zum Anfassen in kalifornischen San Francisco. Der "Ames-Raum" erscheint aus fast allen Blickwinkeln ausgesprochen schief und fast grotesk verzerrt. Die linke Seitenwand ist wesentlich kürzer und niedriger als die rechte; Decke, Rückwand und Boden sind trapezförmig und verlaufen schräg, siehe Abb. 2.


Abb. 2: Der Grundriss

Doch von einer einzigen Stelle an der Vorderwand aus betrachtet erscheint der Raum ganz normal, mit geraden Wänden und rechten Winkeln. Hier befindet sich ein Guckloch, durch das man in den Raum hineinschauen kann. Bewegt sich nun eine Person im Ames-Raum entlang der hinteren Zimmerwand von rechts nach links, dann nähert sie sich in Wirklichkeit dem Beobachter, ihr Abbild auf dessen Netzhaut wird also größer. Da der umgebende Raum suggeriert, sie bewege sich in konstanter Entfernung vom Betrachter an einer Wand entlang, scheint sie für den Beobachter zu wachsen. 

Die faszinierende Größentäuschung im Ames-Raum beruht wie alle Illusionen auf einem grundsätzlichen Problem unserer Wahrnehmung: Die Daten unserer Sinnesorgane reichen meist nicht aus, um ein vollständiges Bild der Welt in unserem Kopf zu erzeugen. Beim Sehen etwa wird die dreidimensionale Umgebung auf die zweidimensionale Netzhaut abgebildet, wobei zwangsläufig Informationen verloren gehen. Da ganz unterschiedliche Objekte ein und dasselbe Abbild erzeugen können, genügt dieses allein nicht, um das Original sicher zu rekonstruieren, siehe Abb. 3. 

Abb. 3: Verschiedene Räume, gleiches Bild auf der Netzhaut

Daher musste unser Gehirn im Lauf der Stammesgeschichte Strategien entwickeln, mit denen es aus den unvollständigen, teils sogar fehlerhaften Sinnesinformationen ein annähernd korrektes Bild der Umwelt formt. Es macht dafür jeweils möglichst plausible Annahmen – so auch beim Ames-Raum: Unter den unendlich vielen theoretisch möglichen Interpretationen des Netzhautbilds wirkt diejenige, dass die Wände tatsächlich rechtwinklig angeordnet sind, schon intuitiv am naheliegendsten. Zudem sind uns Dinge mit rechten Winkeln sehr vertraut, da wir in unserer Umgebung ständig darauf stoßen. Warum sollte ausgerechnet dieser Raum nicht so beschaffen sein?

Eine weitere wichtige Strategie unseres Wahrnehmungsapparats ist die Größenkonstanz. Um die Ausmaße eines Objekts möglichst korrekt zu bestimmen, wird neben der Ausdehnung des Abbilds auf der Netzhaut auch die geschätzte Entfernung berücksichtigt. Wie wir aus dem Alltag wissen, schrumpft jemand, der sich von uns wegbewegt, nicht plötzlich, nur weil sich sein Bild auf unserer Netzhaut verkleinert. Die tägliche Erfahrung, dass weit entfernte Personen kleiner erscheinen, ist in unsere neuronalen Schaltkreise tief eingebrannt und sorgt für eine automatische, unbewusste Kompensation. Ohne die Größenkonstanz wären wir von fortlaufend wachsenden und wieder schrumpfenden Zwergen und Riesen umgeben – eine bizarre Vorstellung! Im Fall der Ames-Täuschung versagt jedoch dieser sonst so zuverlässige Mechanismus; der dominierende rechtwinklige Eindruck des Raums entzieht ihm jegliche Grundlage.

In seltenen Fällen ist die Ames-Raum-Täuschung schwächer oder bleibt sogar ganz aus. Bei sehr vertrauten Menschen etwa haben wir die Körpergröße manchmal so gut im Gefühl, dass die verzerrte Perspektive des Ames-Raums uns weniger leicht in die Irre führt. Die Person scheint beim Hin-und-her-Laufen darin nur geringfügig zu wachsen und zu schrumpfen.

Der Psychologe Warren J. Wittreich beobachtete den Effekt 1952 bei einer jahrzehntelang verheirateten, von ihrem Mann "Honi" genannten Frau und taufte ihn danach "Honi-Phänomen". Spätere Studien konnten diesen Effekt jedoch nicht bestätigen – beziehungsweise nur bei weiblichen Personen, die ihrem Partner sehr viel Zuneigung und Vertrauen entgegenbringen. Aber auch bei Menschen, die eine Videoaufnahme von sich selbst im Ames-Raum betrachten, fällt die Illusion oft geringer aus. Diesen Effekt hat sich sogar Hollywood zu Nutze gemacht. Die Macher der "Herr der Ringe"-Filme zum Beispiel drehten mehrere Szenen mit derartigen Tricks, um künstlich einen Größenunterschied etwa zwischen dem Zauberer Gandalf und den laut Drehbuch kleinwüchsigen, aber von normal großen Schauspielern verkörperten Hobbits zu erzeugen.

An Illusionen wie dem Ames-Raum zeigt sich: Es gehört nicht unbedingt zu den Aufgaben unseres Gehirns, uns die "Wahrheit" über die Welt zu erschließen. Vielmehr soll das Denkorgan möglichst rasch brauchbare Handlungsoptionen entwickeln, die uns helfen, uns in der Umwelt zurechtzufinden und zu überleben. Wahrnehmungstäuschungen erwachsen nicht aus Fehlern bei der Verarbeitung eintreffender Sinnesdaten, sondern sind im Gegenteil die Folge eines ausgefeilten Mechanismus, mit dessen Hilfe wir Informationen im Normalfall optimal auswerten.

Rainer Rosenzweig

Überarbeitete und gekürzte Fassung des Artikels "Scheinriesen und Hobbits" von Rainer Rosenzweig, Gehirn & Geist 11/2009

Zum Weiterlesen:

Mittwoch, 11. März 2015

Technisches Problem - BEHOBEN!


+ + + Update 12.03.2014: Homepage und E-Mail funktionieren wieder. + + +

Aufgrund einer internen Umstellung des Anbieters ist der turmdersinne derzeit weder über die Website http://www.turmdersinne.de/ noch per E-Mail erreichbar. Spätestens morgen früh, 12.03.2015, steht Ihnen das turmdersinne-Team wieder wie gewohnt zur Verfügung. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten und bitten um Ihr Verständnis.

+ + + Update 12.03.2014: Homepage und E-Mail funktionieren wieder. + + +

Den turmdersinne erreichen Sie auch weiterhin über die folgenden Kanäle:

Montag, 9. März 2015

Publikumsmagnet #TheDress

#dressgate und kein Ende: Noch vor wenigen Tagen  war das vieldiskutierte Kleid bei stern TV zu sehen, seit vergangenen Samstag ist das Original im Hands-on-Museum zu bewundern. Der befürchtete Ansturm mit Warteschlangen blieb am ersten Wochenende zum Glück aus, da parallel die Sonne beschlossen hatte, den Frühling einzuläuten. Zudem erreichte den turmdersinne eine Flut an Medienanfragen: zahlreiche Radio- und TV-Stationen berichteten und berichten über das unerwartete neue "Exponat".

Es ist blau-schwarz!


Im Detail

Mitgebracht hatte es turmdersinne-Geschäftsführer Dr. Rainer Rosenzweig von seinem Gastauftritt in dem TV-Magazin am vergangenen Mittwoch. Dort hatte er erklärt, warum manche Betrachter das Kleid weiß-golden sehen und andere blau-schwarz. Zum Dank durfte er die Robe als Geschenk mit nach Nürnberg nehmen.

Aftershow-Party: Rainer Rosenzweig (v. l.) mit der Musikerin Alana MacInnes, Steffen Hallaska (Moderator Stern-TV) sowie Robbie Greig und Caitlin McNeill, die gemeinsam mit ihr in einer Band spielen. Caitlin hatten den Hype durch ihren Post bei Tumblr ins Rollen gebracht.


Zum Weiterlesen:

Freitag, 6. März 2015

#TheDress: Original-Kleid im Turm



Keine noch so aufwändige Promi-Robe hat die Web-Gemeinde jemals so mitgerissen wie #TheDress. Seit Ende Februar sorgt ein Foto des Kleides für hitzige Debatten in den sozialen Netzwerken (z. B. auf Twitter). Die einen Betrachter sehen ein weiß-goldenes Kleid, die anderen ein blau-schwarzes.

Nun kommt das Original-Kleid nach Nürnberg! Ab morgen, Samstag, 7. März 2015, ist es exklusiv im Hands-on-Museum turmdersinne zu sehen.

Ds vieldiskutierte Stück ist ein Geschenk der stern TV-Redaktion an turmdersinne-Geschäftsführer Dr. Rainer Rosenzweig. Das Fernsehmagazin hatte Rosenzweig zur Ausgabe am vergangenen Mittwoch eingeladen, damit er die Wahrnehmungspsychologie hinter dem Effekt erläutert. Die Sendung ist noch bis kommenden Mittwoch, 11.03.2015, in der Mediathek zu sehen. 

Achtung: Die räumlichen Kapazitäten im Hands-on-Museum sind begrenzt. Deshalb kann es zu Wartezeiten für Besucherinnen und Besucher kommen. Für Gruppen ab 6 Personen oder bei weiter Anreise empfehlen wir eine Voranmeldung unter Tel. 0911 / 9 44 32 81 oder info@turmdersinne.de.


 
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Donnerstag, 5. März 2015

Neu: meinturmdersinne

 

Einmal selbst Teil einer verblüffenden Täuschung im Hands-on-Museum sein – das neue Angebot meinturmdersinne macht’s möglich und lädt Besucher zu verblüffenden Fotos ein. Unterstützt wurde das Projekt durch die Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg. Die Bilder erhalten Sie auf Wunsch kostenlos per E-Mail. Selbstverständlich können Sie Ihr ganz persönliches turmdersinne-Foto auch in den sozialen Netzwerken teilen. Das Team freut sich auf viele tolle Bilder!

Als Motive stehen zwei der beliebtesten Wahrnehmungstäuschungen im Turm zur Verfügung: Der Thompson-Effekt, auch bekannt als Thatcher-Täuschung, zeigt, wie schwer uns das Erkennen von Gesichtern fällt, wenn sie nicht aufrecht, sondern um 180 Grad gedreht abgebildet sind.

Die oberen beiden Bilder sind identisch mit den unteren beiden!
Dass sie sich so krass voneinander unterscheiden, sieht man aber nur in der korrekt orientierten unteren Reihe...
(Entdeckt von Peter Thompson 1980, der den Effekt nach dem damaligen Motiv "Thatcher-Täuschung" benannt hatte.)

Im Ames-Raum wachsen Sie scheinbar zum Riesen und schrumpfen zum Zwerg - ein eindrucksvolles Beispiel für eine Größenkonstanz-Täuschung.
Werden Sie selbst zum Riesen oder zum Zwerg - im Ames-Raum im Hands-on-Museum.

Vorgestellt wird meinturmdersinne zum 12-jährigen Jubiläum des Hands-on-Museums am Sonntag, 15. März 2015. Übrigens: An diesem Tag gibt es keine festen Eintrittspreise im Turm. Sie zahlen nur so viel Eintritt, wie Ihnen der Besucht im turmdersinne wert ist.

Die Aktion markiert den Auftakt der brainWEEK in Nürnberg. Das gesamte Programm samt Theater, Vortragsabend und einer spektakulären  "Neuro-Séance" finden sie hier.


Übrigens: meinturmdersinne ist ein Akronym und bedeutet: Multimediales Erweiterungskonzept mit interaktiven Neuerungen im Hands-on-Museum turmdersinne.


Mittwoch, 4. März 2015

turmdersinne und #dressgate auf sternTV

Tagelang brachte #dressgate die sozialen Netzwerke zum Brummen (siehe hier), heute Abend beschäftigt sich auch stern TV mit dem blau-schwarzen - für manche Betrachter auch weiß-goldenen - Kleid.

Mit dabei ist turmdersinne-Geschäftsführer Dr. Rainer Rosenzweig, der laut Ankündigung erklärt,
warum Menschen die Farben auf dem Bild so unterschiedlich sehen.
Außerdem hat er noch jede Menge weitere spannende Wahrnehmungstäuschungen mitgebracht.

Also nicht verpassen! Die Sendung läuft heute, 04.03.2015, von 22.15 Uhr bis 0.00 Uhr, live auf  RTL.