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Freitag, 27. Februar 2015

#dressgate und die Wahrnehmungsforschung

Vor einem dunklen Hintergrund erscheint das Kleid auch Blau-Sehern weiß.Montage: Karl Gegenfurtner




Blau-schwarz oder weiß-gold? Diese Frage hält seit Donnerstag das Web in Atem. Worum es geht: Um ein Kleid. Unter den Hashtags  #TheDress und #dressgate diskutiert die Twitter-Gemeinde, dass die Tochscreens glühen. Aber was unterscheidet "Blau-Seher" von "Weiß-Sehern"?

Ein Fall für Wahrnehmungsforscher wie Prof. Karl Gegenfurtner von der Uni Gießen. Seine Erklärung: Welche Farben wir zu erkennen glauben, hängt entscheidend davon ab, wie wir die Beleuchtung im Hintergrund interpretieren.
Das Hirn der "Blau-Seher" kalkuliert die offensichtliche Überbelichtung – erkennbar am Bildhintergrund – korrekterweise mit ein. Für die anderen erscheint das Kleid weiß, weil die Beleuchtung massiv ins Gelbe verschoben ist. [...] Die "Blau-Seher" beziehen das in ihre Bildinterpretation mit ein.
Gegenfurtner verdeutlicht dies mit einer einfachen Bildmontage, siehe Abb. oben. Anders als auf dem Originalbild ist der Hintergrund hier nicht gleißend hell, sondern eher dunkel. Und siehe da: Auch wer vorher ein blau-schwarzes Kleid erkannt hat, sieht es nun in Weiß und Gold. 

Der Effekt ist bekannt von der Schachbrett-Illusion:

 ©1995, Edward H. Adelson

Wir nehmen eine Farbe nie absolut wahr, sondern immer im Kontext ihrer Umgebung. Bei der Schachbrett-Täuschung erkennt unser Gehirn eine räumliche Abbildung und bezieht deshalb den Fall von Licht und Schatten in seine Deutung ein. Wie sehr wir dabei danebenliegen, zeigt das rechte Bild.


Zum Weiterlesen: 

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