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Dienstag, 9. September 2014

„Philosophie auf dem Niveau von Fix und Foxi“





Ein Gespräch mit Dr. Ingo Krüger

Dr. Ingo Krüger ist Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Bayerischen Sparkassenstiftung, die das turmdersinne-Projekt Sinneszauber initiiert und finanziert hat. Er studierte Geschichte, Philosophie und Biologie in Bonn. Seit 2013 ist er – u.a. zusammen mit turmdersinne-Beirat Prof. Dr. Manfred Euler – im Wissenschaftlichen Beirat der Initiative Junge Forscherinnen und Forscher tätig, die sich für die Bildung von Kindern und Jugendlichen im Bereich der Zukunftstechnologien engagiert.

turmdersinne: Lieber Herr Dr. Krüger. Sie hatten in den 1990er Jahren Lehraufträge an der Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg und der Ludwig Maximilian Universität München wahrgenommen. Wie und warum hat es Sie als „Nordlicht“ nach Bayern und als Biologe zur Stiftung eines Finanzinstituts verschlagen?

Ingo Krüger. Die Liebe zu Bayern habe ich über meine Frau gefunden – sie ist Mittelfränkin. Die Bayerische Sparkassenstiftung mit ihrer schwerpunktmäßigen Förderstrategie in den Bereichen „Innovative Museumspädagogik“ und „Umweltbildung“ entspricht in starkem Maße meinem Interessensprofil. Ich bin seit langem davon überzeugt, dass eine strikte Trennung zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften keinesfalls hilfreich ist. 

In gemeinsamen Projekten mit dem turmdersinne haben wir nicht nur auf die zahlreichen neurophysiologischen Möglichkeiten von Wahrnehmungstäuschungen hingewiesen, sondern konsequent auch nachgefragt, was der Mensch unter diesen Bedingungen eigentlich erkennen kann. Ich halte dies für hochinteressant, zumal sich daran die Frage anschließt, aufgrund welcher Voraussetzungen der Mensch überhaupt in der Lage ist, anders als viele Tiere, über die Welt nachzudenken. Meiner Meinung nach benötigt der Mensch dafür einen mit Subjektivität ausgestatteten Geist. Der Mensch muss also in der Lage sein, Zeuge seines Denkens und Handelns zu sein. Andernfalls kann er sich nicht mitteilen, was die Entstehung von Kulturen schlechterdings unmöglich macht. 

Als Biologe interessiert es mich brennend, welche neuronalen Strukturen letztlich die Ausbildung eines "Selbst" ermöglichten. Als Geisteswissenschaftler muss ich bei allen Überlegungen berücksichtigen, dass unsere Schlussfolgerungen und Erkenntnisse auf den entsprechenden Hirnstrukturen und neuronalen Prozessen gründen. Dies relativiert die Erkenntnisfähigkeit des Menschen nicht unerheblich. Alles in allem ist die Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften - sicherlich nicht nur für mich - faszinierend.

Sie engagieren sich im Bereich Kinder- und Jugendbildung. Das Projekt Sinneszauber hat das Ziel, philosophische Grundideen an Kinder ab der 8./9. Jahrgangsstufe zu vermitteln. „Philosophie auf dem Niveau von Fix und Foxi“ ist ein Motto von Ihnen in diesem Zusammenhang. Denken Sie nicht, dass es dem Anliegen der Philosophie eher schaden kann, wenn man sie zu sehr vereinfacht?

Nein, ganz im Gegenteil! Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle, jeder einzelne Mensch, philosophieren müssen. Schon die Frage nach dem „Glück“ lässt sich im Grunde nur philosophisch beantworten. Biologisch ließe sich die Frage nach dem Glück schlicht als Ausschüttung von Endorphinen, Oxytocin, Serotonin und Dopamin beschreiben. Insgesamt ist dies aber zu kurz gegriffen, wenn man sich vor Augen führt, dass schon Philosophen wie Sokrates und Platon nach den Grundlagen eines glückenden Lebens fragten. Für tragfähige Aussagen benötigen wir zweifelsohne geisteswissenschaftliche und naturwissenschaftliche Antworten. Unser Projekt „Sinneszauber“ bemüht sich um diesen Brückenschlag.

Sinneszauber ist nun auf den Weg gebracht – es kann und wird sich entwickeln. Wie sehen Sie die weiteren Perspektiven, welches sind Ihre nächsten Projekte in diese Richtung?

Die Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften wird uns voraussichtlich auch künftig beschäftigen. Vieles, was naturwissenschaftlich machbar wäre, muss zum Beispiel auch ethischen Grundsätzen genügen.

Fragen: Rainer Rosenzweig

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