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Donnerstag, 27. März 2014

Von Sinnen: Wie wir Gesichter erkennen

„Lang nicht gesehen und doch wiedererkannt!“ Im Erkennen von Gesichtern sind wir Menschen wahre Meister. Doch es gibt Ausnahmen: Wer, etwa in Folge eines Schlaganfalls, an Gesichtsblindheit leidet, tut sich schwer damit, seine Mitmenschen anhand des Gesichts zu identifizieren.

Zwei Betroffene halfen nun in einer Studie mit, dem Phänomen Gesichtserkennung auf die Spur zu kommen. Das Resultat bestätigt, was Wahrnehmungsforscher schon lange vermuten: Unser Gehirn ist nicht nur in der Lage, beliebige Objekte zu erkennen, sondern verfügt darüber hinaus über spezielle Funktionen, die ausschließlich beim Identifizieren von Gesichtern zu Einsatz kommen.

Doch in einer zentralen Frage war die Forschung bisher uneinig: Die Anhänger der gesichtsspezifischen Hypothese gehen davon aus, dass dieser Mechanismus ausschließlich beim Anblick von Gesichtern ausgelöst wird. Dagegen vermuten die Vertreter der „Expertise-Hypothese“, dass auch andere Sehreize die Gesichtserkennung aktivieren. Die aktuelle Studie spricht indes für die Gesichtserkennungs-Hypothese.

Die Aufgabe der beiden Probanden bestand darin, neben Gesichtern auch andere, gesichtsähnliche Objekte, so genannte greebles, wiederzuerkennen. Während ihnen die Gesichter große Probleme bereiteten, waren sie bei den greebles ebenso gut wie Probanden ohne Gesichtsblindheit.

Das Thema Gesichtserkennung steht auch im Mittelpunkt zweier Vorträge der Reihe „Von Sinnen“ im Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg. Den Anfang macht am 8. April Dr. Isabelle Bülthoff vom Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. Sie wird in Ihrem Vortrag demonstrieren, wie viele Informationen wir beim Anschauen von Gesichtern verarbeiten. Dabei erklärt sie auch, was ein Gesicht attraktiv macht, warum viele Europäer Schwierigkeiten beim individuellen Wiedererkennen von asiatischen Gesichtern haben und was uns die Mimik des Gegenübers verrät.

Computer mit Webcam anhand der Mimik unsere Stimmung erkennen und interpretieren? GfK EMO Scan heißt ein Programm, das genau dies kann. Entwickelt von Computerwissenschaftlern des Erlanger
Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS und von Emotionspsychologen der Universität Genf. Genutzt wird es in der Marktforschung, aber auch für digitale Assistenzsysteme und vieles mehr. Wie es funktioniert, können die Besucher am 6. Mai im Planetarium bei einer Live-Demo in Echtzeit erleben. Dr. Anja Dieckmann, Leiterin Grundlagenforschung beim GfK Verein Nürnberg, und Dr. Jens Garbas vom Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS stellen die Software vor und geben einen Ausblick auf zukünftige Weiterentwicklungen.

Weitere Informationen und Termine zur Veranstaltungsreihe "Von Sinnen" gibt es hier.

Inge Hüsgen

"Von Sinnen" 2014 - was bisher geschah:

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