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Donnerstag, 11. Juli 2013

Außer Sinnen: Gedankenfotografie - "die Seele in der Silberschicht"

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Und ein Foto erscheint uns erst recht als objektives Abbild von Realität.

Oder? Trotz der zahlreichen enttäuschten Käufer bei Internet-Shops („Auf dem Foto sah das ganz anders aus...“) sind wir uns nur selten bewusst, wie sehr unsere Bildwahrnehmung durch Deutung bestimmt ist.

Damit wären wir mitten im Forschungsgebiet von Sabine Flach, Professorin für Kunst und Kunsttheorie der Gegenwart an der School of Visual Arts in New York City (NYC).

„Die Welt muss mehr über Bilder wissen“, ist Sabine Flach überzeugt. Eine Gelegenheit, dieses Wissen zu erweitern, gibt es am kommenden Dienstag, 16. Juli 2013, im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium, wenn sich Prof. Flach mit einem Vortrag auf die Spur einer Gruppe von ambitionierten Künstlern und Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts begibt. Ihr Ziel: Gedanken auf die Fotoplatte zu bannen.

Gedankenfotografie, das mag heute nach Esoterik klingen. Doch in einer Zeit, als technischer Fortschritt das Unsichtbare sichtbar machte, erschien das Ganze durchaus plausibel. Schließlich konnte man dank neuer Technik ganz ohne invasive Methoden in den Körper hineinfotografieren.

Warum sollte es dann nicht möglich sein, auch in weitere Gebiete des bislang Unsichtbaren vorzudringen, in die Welt der Gedanken? Dem Faszinosum Gehirn auf die Spur zu kommen? Denken, Fühlen, Bewusstsein abzubilden wie Knochen auf der Röntgenplatte?

Waren es in Russland Künstler wie El Lissitzky und Wassily Kandisky, gaben in Frankreich die Kognitionspsychologen den Ton an. Gemeinsam war ihnen allen der Wunsch, "die Seele in der Silberschicht“ festzuhalten, wie es der Kunsthistoriker Rudolf Arnheim formulierte.

Dazu wurde beispielsweise die Platte in ein Chemikalienbad gelegt, in welches der Proband seine Finger tauchte. Nun musste er sich auf das gewünschte Motiv konzentrieren. Bei einem anderen Verfahren setzte man sich vor die Platte und schaute sie an. 

Auf solche Weise entstanden Arbeiten wie "Die Flasche" von Louis Darget, bei der sich in den Schwaden und Schlieren tatsächlich so etwas wie eine flaschenförmige Figur ausmachen lässt. Da hat das Gehirn offenbar ganze Arbeit geleistet - allerdings nicht durch Einwirkung auf die Fotoplatte, sondern beim Betrachten, denn unsere Erwartung bestimmt mit, wie wir das Bild deuten. Ein wenig mag dies an überschwängliche Interpretationen von Hirnscans erinnern, wie sie regelmäßig durch die Presse geistern...

A propos Hirnscan: Die Künstlerin Suzanne Anker hat sich in ihrer Videoarbeit „MRI Butterfly“ mit den Thema auseinandergesetzt. Hier eine Kostprobe, das komplette Video gibt es im Vortrag.


Dienstag, 16. Juli 2013, 19.30 Uhr, Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Sabine Flach: Gehirn, Denken und zerebrale Bildtechniken. Gedankenphotographie des frühen 20. Jahrhunderts
Eine Veranstaltung der Reihe Außer Sinnen 
Entritt 7,- €/erm. 5,- €, Buchung über BZ 

Inge Hüsgen

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