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Freitag, 26. Juli 2013

Flausch-Buddhismus - von wegen!



Klingt alles ganz easy: 
Meine Philosophie ist Freundlichkeit.
Die Liebe und das Mitgefühl sind die Grundlagen für den Weltfrieden – auf allen Ebenen.
Zunächst sollte man reiflich bedenken, wie ähnlich man den anderen ist: Sie erfahren Freude und Leid genau wie ich. Darum muß ich sie beschützen wie mich.

Mit Sprüchen wie diesen und einer Extraportion Wohlfühl-Spiritualität hat sich der Dalai Lama in die Herzen vieler Europäer geflauscht.  

Der Mann ist ein Popstar, ein Promi und heilig obendrein. Doch so viel „Seine Heiligkeit“, der 14. Dalai Lama, auch von Spruchpostkarten und den Titelseiten der Klatschblätter lächelt, so wenig hat dies mit der Realität des tibetischen Buddhismus zu tun. Der Dalai Lama gilt als Oberhaupt der "Gelbmützen"-Sekte, die bis zum chinesischen Einmarsch in Tibet herrschte. Doch statt auf Freundlichkeit, Liebe und Mitgefühl fußte das Regime auf Unterdrückung und Ausbeutung. So der Psychologe, Journalist und Sachbuchautor Dr. Colin Goldner, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema befasst.

Privilegierte beziehungsweise benachteiligte Lebensumstände etwa wurden erklärt und gerechtfertigt durch die buddhistische Karmalehre, derzufolge sich das gegenwärtige Leben als Ergebnis angesammelten Verdienstes respektive aufgehäufter Schuld früherer Leben darstelle. Wer sich als ausgebeuteter Bauer gegen die miserablen Lebensumstände zur Wehr setzte, häufte schlechtes Karma an, mit der Folge furchtbarer Strafen im Zwischenleben zwischen Tod und Wiedergeburt, und noch elenderer Lebensbedingungen in der nächsten Inkarnation.
Kein Wunder also, dass die Bevölkerung sich lieber brav in ihr Schicksal fügte statt aufzumucken. Und wenn auch die Karma-Keule nicht half, hatten die Lamas zur Einschüchterung immer noch fiese Dämonengeschichten und - angeblich - übernatürliche Fähigkeiten auf Lager. All dies und vieles mehr erläutert Colin Goldner in seinem Vortrag am kommenden Dienstag im Nürnberger Planetarium.

Dr. Colin Goldner
Teufel, Vampire und sechzehn Höllen
Über die Abgründe des tibetischen Buddhismus
Eine Veranstaltung der Reihe "Außer Sinnen"
Dienstag, 30. Juli 2013, 19.30 Uhr
Eintritt: 7,- € (erm. 5,- €) Buchung über BZ (Kurs-Nr. 00935)
 In Kooperation mit der Giordano Bruno Stiftung Mittelfranken.

Zum Weiterlesen:
Colin Goldner:
Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs, Alibri, Aschaffenburg 2008


Inge Hüsgen

Donnerstag, 11. Juli 2013

Außer Sinnen: Gedankenfotografie - "die Seele in der Silberschicht"

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Und ein Foto erscheint uns erst recht als objektives Abbild von Realität.

Oder? Trotz der zahlreichen enttäuschten Käufer bei Internet-Shops („Auf dem Foto sah das ganz anders aus...“) sind wir uns nur selten bewusst, wie sehr unsere Bildwahrnehmung durch Deutung bestimmt ist.

Damit wären wir mitten im Forschungsgebiet von Sabine Flach, Professorin für Kunst und Kunsttheorie der Gegenwart an der School of Visual Arts in New York City (NYC).

„Die Welt muss mehr über Bilder wissen“, ist Sabine Flach überzeugt. Eine Gelegenheit, dieses Wissen zu erweitern, gibt es am kommenden Dienstag, 16. Juli 2013, im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium, wenn sich Prof. Flach mit einem Vortrag auf die Spur einer Gruppe von ambitionierten Künstlern und Wissenschaftlern des 20. Jahrhunderts begibt. Ihr Ziel: Gedanken auf die Fotoplatte zu bannen.

Gedankenfotografie, das mag heute nach Esoterik klingen. Doch in einer Zeit, als technischer Fortschritt das Unsichtbare sichtbar machte, erschien das Ganze durchaus plausibel. Schließlich konnte man dank neuer Technik ganz ohne invasive Methoden in den Körper hineinfotografieren.

Warum sollte es dann nicht möglich sein, auch in weitere Gebiete des bislang Unsichtbaren vorzudringen, in die Welt der Gedanken? Dem Faszinosum Gehirn auf die Spur zu kommen? Denken, Fühlen, Bewusstsein abzubilden wie Knochen auf der Röntgenplatte?

Waren es in Russland Künstler wie El Lissitzky und Wassily Kandisky, gaben in Frankreich die Kognitionspsychologen den Ton an. Gemeinsam war ihnen allen der Wunsch, "die Seele in der Silberschicht“ festzuhalten, wie es der Kunsthistoriker Rudolf Arnheim formulierte.

Dazu wurde beispielsweise die Platte in ein Chemikalienbad gelegt, in welches der Proband seine Finger tauchte. Nun musste er sich auf das gewünschte Motiv konzentrieren. Bei einem anderen Verfahren setzte man sich vor die Platte und schaute sie an. 

Auf solche Weise entstanden Arbeiten wie "Die Flasche" von Louis Darget, bei der sich in den Schwaden und Schlieren tatsächlich so etwas wie eine flaschenförmige Figur ausmachen lässt. Da hat das Gehirn offenbar ganze Arbeit geleistet - allerdings nicht durch Einwirkung auf die Fotoplatte, sondern beim Betrachten, denn unsere Erwartung bestimmt mit, wie wir das Bild deuten. Ein wenig mag dies an überschwängliche Interpretationen von Hirnscans erinnern, wie sie regelmäßig durch die Presse geistern...

A propos Hirnscan: Die Künstlerin Suzanne Anker hat sich in ihrer Videoarbeit „MRI Butterfly“ mit den Thema auseinandergesetzt. Hier eine Kostprobe, das komplette Video gibt es im Vortrag.


Dienstag, 16. Juli 2013, 19.30 Uhr, Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Sabine Flach: Gehirn, Denken und zerebrale Bildtechniken. Gedankenphotographie des frühen 20. Jahrhunderts
Eine Veranstaltung der Reihe Außer Sinnen 
Entritt 7,- €/erm. 5,- €, Buchung über BZ 

Inge Hüsgen