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Dienstag, 7. Mai 2013

Von Sinnen: Mein motorischer Zombie



Wenn der Neurowissenschaftler Vilyanur Ramachandran Recht hat, dann hausen in jedem von uns Zombies. Zum Glück nicht blutrünstig, wie etwa in dem Horrorklassiker "Die Nacht der lebenden Toten". Aber, genau wie die Zombies im Film, ohne Bewusstsein.

Mein motorischer Zombie und ich“ ist auch der Titel des Vortrags von Prof. Volker Franz, der heute im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Von Sinnen" im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium stattfindet.  Darin nimmt der Psychologe die Besucher auf eine spannende Reise in die Welt der Wahrnehmung. Und zeigt, dass (Selbst-)Täuschung viele Gesichter hat.

Man nennt sie „Die blinde Frau, die sehen kann“: eine Patientin, die aufgrund ihres Hirnschadens die Fähigkeit verloren hat, die Größe von Objekten einzuschätzen. Lässt man sie jedoch nach einem Gegenstand greifen, waren ihre Bewegungen genau auf das Format des Gegenstands abgestimmt. Ihr motorisches System scheint also Informationen über die Welt zu besitzen die der bewussten Wahrnehmung verschlossen bleiben.

Wie kann das sein? Gibt es zwei getrennte neuronale Verarbeitungspfade im Gehirn – einen zur Aufarbeitung der visuellen Information der Augen für die bewusste Wahrnehmung, und einen anderen, der ohne Verknüpfung mit dem Bewusstsein die Motorik steuert – eben den „motorischen Zombie“? Genau dies haben die Neurowissenschaftler Milner und Goodale bereits 1992 vermutet.

Es gibt Studien, die dafür sprechen. Darin zeigte man gesunden Menschen einen dreidimensionalen Nachbau einer bekannten visuellen Illusion: der Ebbinghaus-Täuschung, bei der Betrachter die Größe eines Kreises je nach Umgebung falsch einschätzen. Und tatsächlich griffen die Probanden zielsicher nach dem Kreis in seiner wirklichen Größe. Der motorische Zombie ließ sich also nicht täuschen.

Der Beweis? Volker Franz ist skeptisch. Aus gutem Grund: in seinen eigenen Versuchen zeigte sich, dass das Ergebnis von vielen Faktoren abhängig ist. Je nach den Versuchsbedingungen trat der Effekt auf oder blieb aus. Aus Sicht von Franz ist die Theorie von den beiden getrennten Verarbeitungspfaden damit gehörig ins Wanken geraten.

Von einem Konsens ist die wissenschaftliche Gemeinschaft indes noch weit entfernt. Kein Wunder, sagt Volker Franz: „Vieles wissen wir eben noch nicht.“ Eins steht - nicht nur für ihn - außer Zweifel: „Wir können uns täuschen, auch in der Wissenschaft. Gerade Details, die unbedeutend scheinen, werden leicht übersehen.“

Dienstag, 7. Mai 2013
19.30 Uhr
Prof. Dr. Volker Franz: Mein motorischer Zombie und ich. 
Neuronale Pfade der Wahrnehmung.
Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, Nürnberg
Eintritt 7,- € (erm.: 5,- €)
 
Inge Hüsgen 

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