News

Mittwoch, 27. März 2013

Rekordbesuch beim "Von Sinnen"-Start


Foto: Karin Becker
 
Mit über 180 teilnehmenden Gästen konnte der turmdersinne zum Start der Vortragsreihe "Von Sinnen" am Dienstag, 26. März 2013 einen Rekordbesuch verzeichnen. Die Konkurrenz im etwa 7 km entfernten Nürnberger Fußballstadion, wo am gleichen Abend die deutsche Nationalmannschaft auf die Elf aus Kasachstan traf, führte also keineswegs zu leeren Rängen im Nicolaus-Copernicus-Planetarium.


Referent Prof. Dr. Eckart Voland (Foto: Karin Becker)
Referent Eckart Voland, Professor für Biophilosophie an der Uni Gießen, derzeit als Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald,  gelang es, in seinen anspruchsvollen, aber sehr anschaulich, leicht  nachvollziehbar und allgemeinverständlich vorgetragenen Gedankengängen eine Brücke zwischen Darwinismus und Konstruktivismus zu schlagen. Die ebenso angeregte wie anregende Debatte im Anschluss an seinen Vortrag zeigte, dass er den Nerv der Besucherinnen und Besucher getroffen hatte. Im abschließenden Fragebogen wurde sein Vortrag dann auch folgerichtig auf einer (an Schulnoten angelehnten) Skala von 1 bis 6 mit der ausgezeichneten "Durchschnittsnote" 1,4 bewertet. 
Foto: Karin Becker
Die lebhaften Gespräche des Publikums wurden anschließend im Foyer des Planetariums fortgesetzt, unterstützt durch eine Weinverkostung durch den Partner der Reihe, das mittelfränkische Weingut Probst, das auch bei allen weiteren Vorträgen der Reihen "Von Sinnen" und "Außer Sinnen" mit kostenfreien Weinproben dabei sein wird.

Nach dem gelungenen Auftakt darf man gespannt sein auf die nächsten Vorträge der Reihe "Von Sinnen", die nun im zweiwöchigen Rhythmus immer um 19.30 Uhr im Planetarium Nürnberg stattfindet.

Der nächste Vortrag am Dienstag, 9. April, handelt von der Entwicklung des menschlichen Gedächtnisses in der Lebensgeschichte des Menschen, und auch hierfür wurde eine ausgewiesene Expertin gewonnen: Professorin Monika Knopf leitet die Abteilung für Entwicklungspsychologie an der Universität Frankfurt a.M.
 
Zwei Wochen später, am Dienstag, 23. April, spricht die psychiatrische Ärztin Dr. Christina Stößel vom Klinikum der FAU Erlangen über aktuelle Ergebnisse der von ihr mit durchgeführten "Romantic-Love-Studie", also über die Spuren der Liebe im Gehirn.

Am Dienstag, 7. Mai, gibt der Neuropsychologe Professor Volker Franz Einblick in seine neustens Forschungen über die Pfade, die Sinnesdaten auf ihrem Weg ins Gehirn passieren, was dabei in uns passiert und spricht dabei provokativ von dem "motorischen Zombie" in uns.

Den Abschluss der Reihe am 21. Mai bildet - inzwischen schon traditionell - ein lebendiger Bericht vom diesjährigen internationalen Wettbewerb "Best Illusion of the Year", der genau acht Tage vor diesem Vortrag, also am 13. Mai in Florida stattfindet. Vorgestellt werden die brandneuen Illusionen und Wahrnehmungstäuschungen von dem engagierten und in Nürnberg inzwischen bekannten und beliebten Wahrnehmungsforscher Professor Michael Bach aus Freiburg.

Nahtlos fortgesetzt wird "Von Sinnen" dann durch die ebenfalls fünfteilige Reihe "Außer Sinnen", ebenfalls zweiwöchentlich vom 4. Juni bis zum 30. Juli 2013.

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Vorträgen und Referentinnen und Referenten sowie Links zur Online-Anmeldung finden Sie hier.

Rainer Rosenzweig

Montag, 25. März 2013

Mit dem turmdersinne zum besten P-Seminar in Bayern!




Das P-Seminar "Renaissance trifft Physik" am Gymnasium Lauf, Partner des turmdersinne, wurde mit dem Ersten Preis des Bayerischen Kultusministeriums ausgezeichnet. P-Seminare sind Wahlpflichtkurse der gymnasialen Oberstufe in Bayern, in denen über drei Semester in Gruppenarbeit ein fächerübergreifendes Projekt durchgeführt wird.


Der Physiklehrer Rudolf Pausenberger und seine Schülerinnen und Schüler bauten eine interaktive Wanderausstellung zu naturwissenschaftlichen Erfindungen aus Nürnberg am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Die Ausstellung spürt der fundamentalen Wechselwirkung zwischen Geistesgeschichte und Technik in unserer abendländischen Kultur nach. Etwa bei Kolumbus, der mit astronomischen Tabellen aus Nürnberg unterwegs war: Der freie Geist und die hervorragenden Feinmechaniker der Reichsstadt zogen Wissenschaftler an, die die Trigonometrie entscheidend fortentwickelten.

So erlaubte die Navigation Entdeckungen und Fernhandel über Kontinente hinweg, sie brachten Wohlstand, Macht und schließlich eine Umwälzung des Weltbilds. Die Erfindung der Taschenuhr und Dürers mathematische Grundlagenarbeiten sind weitere Beispiele für die in Europa typische Neugier, Erkenntnis und Anwendung von Wissenschaft im Alltag als zentraler Teil unserer Kultur.


Außergewöhnlich sind dabei interaktive Exponate im Stil des Hands-on-Museums turmdersinne: Bisher waren die alten Mess- und Beobachtungsgeräte Nürnbergs bloß als kunstgeschichtliche Gegenstände hinter Vitrinen präsentiert. Jetzt werden kulturhistorische Bezüge in Mitmach-Stationen erfahrbar: Besucherinnen und Besucher können selbst Hand anlegen, mit den Ideen großer Entdecker experimentieren und die innewohnenden Innovationen „be-greifen“.
  • Die Fixsterne drehen sich um die Erde, weil Engel und Heilige die äußerste Himmelssphäre drehen. Sie spielen sie nach! 
  • Ein Astrolabium war ein ausgereiftes astronomisches Universalinstrument, unvergleichlich viel ausgefeilter als moderne drehbare Sternkarten. Sie messen damit (siehe Foto)!
  • Wie funktioniert die entscheidende Erfindung in Peter Henleins Taschenuhr?
  • Welchen optischen Eindruck hatten Galileo Galilei und Simon Marius bei ihrer der Entdeckung der Jupitermonde?
  • Dürer war Mathematiker. Sie vollziehen mit seinem Apparat das perspektivische Zeichnen nach. 
  • Was genau unterscheidet verschiedene Typen von Sonnenuhren und welchen Nutzen haben sie?
 
  • Wie ändert sich die Zahl der Tag- und Nachtstunden mit den Jahreszeiten, wenn die Nürnberger ihre Stundenzählung jeweils bei Sonnenauf- und -untergang beginnen? 

  • Der turmdersinne unterstützte das P-Seminar mit Basiselementen seiner Wanderausstellung, stand Pate beim Textkonzept und half mit über zehnjähriger Museumskompetenz.
    Natürlich war die Ausstellung dann auch drei Wochen lang im Erlebnismuseum turmdersinne am Nürnberger Westtor zu sehen, bevor sie auf Tour bis nach Flensburg ging.

    Jetzt wurde dieses P-Seminar unter Tausenden in Bayern mit dem ersten Platz ausgezeichnet; die Preisübergabe erfolgt am 15.4.2013 in München.

    Mehr zum Projekt unter www.physik.de.rs.

    Inge Hüsgen


    Freitag, 22. März 2013

    Zehn Jahre Hands-on-Museum: die Jubiläumsgala

    Als am 15. März 2003 das Erlebnismuseums turmdersinne erstmals seine Tore öffnete, wurde ein Vision zur Wirklichkeit. Seit 1995 hatte der ehrenamtliche „Arbeitskreis turmdersinne“ Pläne geschmiedet für ein Museum der besonderen Art. Eines, das faszinierende Wahrnehmungsphänomene und verblüffende Täuschungen nicht nur am eigenen Leib erfahrbar macht, sondern auch Wege aufzeigt, wie wir trotz der Täuschungsanfälligkeit unseres Wahrnehmungsapparates an verlässliche Erkenntnisse gelangen können.

    
    Foto: Karin Becker
     Dass die Idee Potenzial besaß, bezweifelte schon damals niemand. Der tatsächliche Erfolg hat jedoch die kühnsten Erwartungen übertroffen. Von 15 000, allerhöchstens 18 000 Besuchern jährlich waren die Organisatoren anfangs ausgegangen – heute kommen jedes Jahr rund 30 000 Gäste in das mit nicht mehr als 120 Quadratmetern wohl kleinste Science Center der Welt.

    Auf den Tag genau zehn Jahre nach Eröffnung feierte der turmdersinne das Jubiläum seines Hands-on-Museums mit einem Galaabend. Und mehr als 200 Gäste feierten mit. Sie freuten sich auf jazzige Musik von Pianistin Hildegard Pohl und Percussionist Yogo Pausch ebenso wie auf einen scheinbaren Meilenstein der Wahrnehmungsforschung.

    
    
    Foto: Karin Becker
     
    Prof. Dr. Peter Wittmann, angekündigt als "Juniorprofessor am Friedrich-Baur-Institut der LMU München" und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des turmdersinne, stellte seine neueste Entdeckung vor: das „PARFS-Phänomen“. PARFS, so erfuhren die Zuschauer, ist ein Akronym aus „Peripheral Attention Reduction by Foveal Signals“. Moment – Sie haben noch nie von dieser Illusion gehört? Wäre auch erstaunlich, denn sie stellte sich im Lauf des Abends als eine Erfindung des Unterhaltungskünstlers Thomas Fraps heraus, der das Publikum in der Rolle des falschen Wissenschaftlers ebenso unterhielt wie mit verblüffenden Zaubertricks nach Auflösung - "Ent-Täuschung" - des skurrilen "Vortrags". Dem Entsetzen des Publikums über den absonderlichen „Festredner“ und dessen grotesk überfrachteten Fachvortrag folgte die Erleichterung über diesen raffiniert in Szene gesetzten Fake, und zum Schluss gab es tosenden Applaus für den sympathischen Künstler.
    
    Yogo Pausch (Schlagzeug), Hildegard Pohl (Piano) und "Festredner" Prof. Dr. Peter Wittmann (Fotos: Karin Becker)
     Nach einer Präsentation des Projekts "MEIN turmdersinne", von dem noch zu hören sein wird, ließen die Gäste den vergnüglichen Festabend bei sinnlich-kulinarischen Genüssen und angeregten Gesprächen ausklingen.

    Und nun? Auf in die nächsten zehn Jahre Hands-on-Museum turmdersinne!

    Inge Hüsgen, Rainer Rosenzweig

    Donnerstag, 14. März 2013

    Benefizgala "10 Jahre Hands-on-Museum"



    Der Champagner ist schon kaltgestellt, morgen Abend (Freitag, 15. März 2013) knallen im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg die Korken: Das Erlebnismuseum turmdersinne feiert sein Zehnjähriges. Was im März 2003 unter dem Motto "Neuer Geist in alten Mauern" begann, hat sich längst über das Kulturleben Nürnbergs hinaus als feste Größe etabliert. 

    Sogar die Organisatoren sind überrascht von den stetig steigenden Besucherzahlen der letzten Jahre, berichtet turmdersinne-Geschäftsführer Dr. Rainer Rosenzweig in der neuen Ausgabe der Zeitschrift SKEPTIKER:

    Als wir Ende 2001 bei der Zukunftsstiftung der Nürnberger Sparkasse einen Antrag für die Finanzierung der Erstinvestitionen für das geplante Hands-on-Museum eingereicht hatten, wagten wir es noch nicht, die positive Besucherresonanz vorherzusagen. Die vorgelegten Planungen gingen von 10- bis 15 000 Besuchern pro Jahr aus - im optimistischsten Fall 18 000. Dass es nun jährlich fast 30 000 Besucherinnen und Besucher waren, die den turmdersinne besuchen, wie das in den letzten vier Jahren der Fall war, davon wagten wir damals nicht einmal zu träumen!

    Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Bei der morgigen Benefizgala stoßen Freunde und Aktive ab 18.30 Uhr im Foyer des Aufseßsaals auf (mindestens) das nächste Jahrzehnt Hands-on-Museum an. Für die musikalische Begleitung sorgen die Swingpianistin Hildegard Pohl und der Traumtrommel-Schlagzeuger Yogo Pausch. Grußworte kommen von Horst Förther (Bürgermeister Nürnberg), Helmut Fink (Vorsitzender des HVD Bayern) und Axel Hüttinger (Ausstatter von Science Centern und Partner des turmdersinne).

    Für den Festvortrag des Abends konnte der turmdersinne Prof. Dr. Peter Wittmann gewinnen. Wittmann ist Juniorprofessor am Friedrich-Baur-Institut der LMU München und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des turmdersinne. Als Hommage an zehn Jahre Wahrnehmungsphänomene im Hands-on-Museum stellt er erstmals die von ihm selbst entdeckte Parfs-Illusion vor. "Parfs“, das steht für „Peripheral Attention Reduction by Foveal Signals“. Die Besucher dürfen sich außerdem über einen Überraschungs-Act freuen...mehr wird noch nicht verraten.

    Und wie geht es weiter mit dem turmdersinne? Einen kleinen Ausblick geben Ingo Krüger von der Bayerischen Sparkassenstiftung und Jürgen Ziegler von der Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg, wenn sie die beiden neuen Projekte „MEIN turmdersinne“ und „SINNESZAUBER“ vorstellen.

     Zum Ausklang des Abends lädt der turmdersinne zum "Come together“ bei sinnlich-kulinarischen Genüssen. Wir sehen uns! 



    Inge Hüsgen

    Sonntag, 10. März 2013

    Menschliche Hirnzellen machen Mäuse schlau



    Ein wenig erinnert es an „Pinky und der Brain“, was amerikanische Wissenschafter da vermelden. Steve Goldman und seine Kollegen von der University of Rochester (USA) haben Mäusen menschliche Gehirnzellen transplantiert. Doch während Zeichentrickfigur „Brain“ seine im Labor angeeignete Intelligenz für absurde Weltherrschafts-Pläne verwandt, nutzen die echten Fellnasen ihr getuntes Hirn für rascheres Lernen und bessere Gedächtnisleistungen.

    Für ihren Versuch verwendeten die Forscher eine besondere Zellart, die Astrozyten (Sternzellen). Anders als Neuronen können Astrozyten keine elektrischen Impulse weiterleiten. Lange Zeit galten sie als bloße Stütz- und Versorgungszellen, doch seit einigen Jahren vermutet man, dass sie entscheidend zur Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns beitragen. Diese These wurde durch Goldmans Versuch erhärtet.

    Astrozyten findet man im Stützgewebe des zentralen Nervensystems, der Glia. Ihren Namen haben sie von den verzweigten Fortsätzen, die sich von der Mitte aus sternförmig ausdehnen. Mäuse verfügen, wie auch andere Säugetiere, von Natur aus über viele Astrozyten. Beim Menschen sind diese Zellen jedoch besonders groß und zeigen einen äußerst komplexen Aufbau. Und: sie zeichnen sich durch hohe Aktivität aus. "Vielleicht", vermutet der spanische Neurowissenschaftler Alfonso Araque, " liegt das, was uns zum Menschen macht, in den Astrozyten."

    Goldman und seine Kollegen verwendeten in ihrem Versuch so genannte Gliazell-Vorläuferzellen, herangezüchtet aus menschlichen Hautzellen, und implantierten sie in das Gehirn von frischgeborenen Mäusen. Die Tiere gehörten einer speziellen Zuchtlinie an, deren Körper das fremde Gewebe nicht abstieß.
    Tatsächlich wuchs im Mäusehirn zusammen, was normalerweise nicht zusammengehört: Die neu gebildeten Astrozyten entsprachen in Aussehen und Größe denen beim Menschen. Und: sie vernetzten sich mit den Mäuseneuronen. Die Tiere übertrafen bei Lern- und Gedächtnisleistungen ihre Artgenossen ohne menschliches Implantat.

    In der Fachwelt löste Goldmans Entdeckung überraschte, aber auch nachdenkliche Reaktionen aus. „Selbstverständlich ist man stets besorgt wegen des ethischen Aspekts“, so Prof. Helmut Kettenmann vom Max-Dellbrück-Centrum für molekulare Medizin im Berlin. „Wenn menschliche Astrozyten die Leistungsfähigkeit des Mäusegehirns steigern – wie weit darf man gehen?“ 

    Goldman und seine Kollegen erhoffen sich von ihren Forschungen ein besseres Verständnis der Ursachen von Erkrankungen wie Schizophrenie und Chorea Huntingdon. Als nächstes wollen die Wissenschaftler die Entwicklung von Mäusen mit Gliazell-Vorläuferzellen von Huntingdon-Patienten beobachten.

    Inge Hüsgen

     Zum Weiterlesen: