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Montag, 29. Oktober 2012

"Trip" auf Knopfdruck

Ganz schön strange, was Patient Ron Blackwell dem Neurologen Josef Parvizi in diesem Video fasziniert mitteilt: „Sie haben sich gerade in jemand anderen verwandelt – Ihr Gesicht hat sich verändert.“ Und: „Ihre Nase wurde schlaff und wanderte nach links. Sie sahen aus wie jemand, den ich schon einmal gesehen habe, aber jemand anderes… das war vielleicht ein Trip!“

Ein „Trip“, ausgelöst nicht durch Pillen, sondern durch die elektrische Stimulierung eines bestimmten Hirnareals. Unmittelbar nach der – für ihn übrigens völlig schmerzlosen -  Prozedur kehrte bei Blackwell die normale Wahrnehmung zurück. 

Eine Zufallsentdeckung. Der 47-Jährige leidet an Epilepsie. Um den Ursprung der Krampfanfälle zu ermitteln, haben die Neurologen in Stanford die Oberfläche seines Gehirns weiträumig mit Elektroden bestückt. Fündig wurden sie in der so genannten Fusiforme Face Area (FFA), also genau dem Bereich, welcher für das Erkennen von Gesichtern zuständig ist. Die FFA steht bereits seit Längerem im Zentrum intensiver Forschungen, dies gilt insbesondere für zwei dort gelegene Neuronencluster, genannt pFus und mFus. Ein glücklicher Zufall, dass bei Blackwell jeweils eine Elektrode auf jedem Cluster angebracht wurde. Damit eröffneten sich für für Josef Parvizi und seine Kollegen ungeahnte Möglichkeiten für aufschlussreiche Versuche.

Dass die verzerrten Wahrnehmungen bei Elektrostimulation sich auf die Gesichtserkennung beschränken, bestätigten weitere Versuche. So erlebte Blackwell sie nicht nur bei Parvizi, sondern ebenso beim Anblick eines weiblichen Gesichts. Die Kleidung seines Gegenübers nahm er dagegen während des gesamten Experiments als unverändert wahr. Bei einem Luftballon und einem Fernseher konnte Blackwell lediglich minimale Veränderungen feststellen.

Derzeit werden zwei Theorien zum Aufgabenbereich der FFA diskutiert. Nach Ansicht einiger Wissenschaftler ist sie ausschließlich auf Gesichtserkennung spezialisiert, während andere vermuten, dass sie beim Anblick aller interessanter Objekte aktiv wird. Für letzteres spricht, dass in Versuchen mit Autokennern auch Bilder von Autos eine Aktivität der FFA auslösten. Möglicherweise beherbergt das kleine Hirnareal mehrere Gruppen von Neuronen mit jeweils unterschiedlichen Aufgabenbereichen.

Inge Hüsgen

Zum Weiterlesen: 
Parvizi, Josef et. al.: Stimulating the Fusiform Gyrus Distorts Face Perception. In: The Journal of Neuroscience, 24. Oktober 2012, 32 (43), 14915-14920.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Eindrücke vom Symposium 2012 "Das Tier im Menschen"

Unser 100. Post beinhaltet die ersten Bilder unseres diesjährigen Symposiums. Ein herzliches Dankeschön für das gute Gelingen an alle Referentinnen und Referenten, an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie an alle unsere Gäste!

Auch dieses Jahr war das Symposium restlos ausverkauft!

Anatomische Lehrmittel in Perfektion am Stand von SOMSO.

Weinverkostung am Samstagabend ...

... mit professioneller Beratung durch Martin Kössler (www.weinhalle.de).

Generationsübergreifend....

....wird das Vortragsprogramm studiert.

Vielen Dank für die Bilder an unsere Fotografin Karin Becker!

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Prof. Julia Fischer beim Symposium turmdersinne


Was steckt an tierischem Erbe in uns? Und welche Merkmale teilen wir mit unseren stammesgeschichtlichen Verwandten? „Ich finde den Affen im Menschen interessanter als den Menschen im Affen“, verrät die Primaten- und Verhaltensforscherin Prof. Julia Fischer heute gegenüber den Nürnberger Nachrichten. Julia Fischer arbeitet an der Uni Göttingen und leitet außerdem die Abteilung „Kognitive Ethologie“ am Deutschen Primatenzentrum. Ziemlich oft ist sie allerdings im Urwald unterwegs, beobachtet Alltagleben und Kommunikation unserer Verwandten untereinander.

Am Wochenende kommt Julia Fischer nach Nürnberg, um beim Symposium turmdersinne im Germanischen Nationalmuseum über ihr Forschungen zu berichten. Zum Thema „Das Tier im Menschen“ haben die Veranstalter eine ganze Reihe von renommierten Fachleuten als Referenten gewonnen, darunter Mediziner, Anthropologen, Neurowissenschaftler Philosophen.

Morgen Abend beginnt die seit Wochen ausverkaufte Drei-Tage-Veranstaltung mit einem Vortrag des bekannten Primatologen Prof. Volker Sommer. Julia Fischer ist am Samstag ab 14 Uhr zu sehen und zu hören. Unter dem Titel „Stimme in Stimmung“ spricht sie über Gefühle, Absichten und weibliche Reize in der menschlichen Stimme. Unter anderem wird sie erklären, wie wir anhand der Stimmlage unseres Gegenübers echte von gespielten Emotionen unterscheiden – und in welchen Fällen wir mit unserem Urteil falsch liegen. Außerdem wird sie die  Merkmale weiblicher Attraktivität in der Stimme erläutern.

Ein weites Feld, so ein Fazit der Forscherin: „Die Stimme verrät uns häufig mehr, als wir meinen – aber manchmal ist es auch umgekehrt.“

Zum Weiterlesen:
Julia Fischer. Affengesellschaft. Suhrkamp Verlag, 2012, € 26,95.

Inge Hüsgen

Symposium 2012 RESTLOS ausverkauft!!!

Für uns sehr erfreulich - für Kurzentschlossene leider nicht so schön: Das Symposium turmdersinne 2012 - Das Tier im Menschen ist leider komplett ausverkauft und auch die Nachrückerlisten sind schon voll.

Wir bedanken uns für das große Interesse und hoffen auf ein Wiedersehen beim Symposium 2013 - Bewusstsein – Selbst – Ich - Die Hirnforschung und das Subjektive am 4.-6. Oktober 2013 in der Stadthalle Fürth.