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Dienstag, 19. Juni 2012

Lebenshilfe oder Seelenpfusch?

Klingt doch gut: Alles kann ich erreichen: den Traumjob, die Top-Figur und den perfekten Partner noch dazu - ich muss es nur wollen. Versichern mir jedenfalls Bestseller wie „The Secret“ oder „Bestellungen ans Universum“.

Nur: warum finde ich noch nicht mal einen Parkplatz? Na, weil ich es mir nicht stark genug wünsche. Tief innen drin will ich doch gar nichts anders als die Durchschnittlichkeit. Und all die anderen Leute da draußen mit ihren unerfüllten Träumen? Warum gibt es dann überhaupt noch Krankheit, Sorgen, Lebenskrisen? Genau: nicht etwa, weil der Wunschzauber Stuss wäre, sondern weil wir Loser es schlicht nicht hinkriegen.

Das klingt nun alles gar nicht mehr flauschig. „Wunsch-Bullshit“ haben es Hugo Egon Balder und sein Koautor Jaky Dreksler diesen Trend zwischen Wellness, Esoterik und Größenwahn einmal genannt.

Wunschzauber muss schief gehen und er geht regelmäßig schief – mit teilweise verheerenden Folgen. Die Betroffenen fühlen sich schuldig und unzulänglich, kurz: mieser als vorher. Vergleichbares ist auch von anderen fragwürdigen Psychotechniken bekannt. Beim Familienstellen nach Hellinger etwa, wo die Betroffenen ihre teils hochemotionalen Konflikte nachspielen  – ohne dass anschließend eine therapeutische Aufarbeitung erfolgt.

Nicht selten haben Klienten bei solchen "Therapien" ein ungutes Gefühl, berichtet die Journalistin und studierte Psychologin Heike Dierbach. Dieses Warnsignal unbedingt ernst nehmen, rät sie. Fühlt sich eine Therapie „falsch“ an, sollten bei Verbrauchern die Alarmlampen angehen. Dasselbe gilt, wenn Anbieter zu viel versprechen, mit zufriedenen Ex-Klienten werben oder viel Geld verlangen.

Heike Dierbach hat sich gründlich in der Szene umgesehen und ein kritisches Buch über Psychotechniken und gefährliche Esoterik-Trends geschrieben. Am heutigen Dienstag berichtet sie im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium darüber.

Im Vortrag wird auch ein neuer Trend zur Sprache kommen, ein esoterischer Wahrheits-Test. Man braucht nur beide Arme nach vorne zu strecken. Sind sie gleich lang, dann stimmt die Aussage. Einfach ist es ja. Aber mir kommt da sofort dieser Spruch in den Sinn, der Albert Einstein zugeschrieben wird: „Macht die Dinge so einfach wie möglich. Aber nicht einfacher.“

Inge Hüsgen

Dienstag, 19.06.2012

Heike Dierbach:
Lebenshilfe oder Seelenpfusch?
Risiken und Nebenwirkungen alternativer Psychotechniken

Ein Vortrag aus der Reihe "Außer Sinnen"

Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Nürnberg, 19.30 Uhr

Eintritt 7 Euro

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