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Dienstag, 22. Mai 2012

Heute in Nürnberg: Ausgezeichnete Täuschungen



Ganz gemächlich scheint er sich im Uhrzeigersinn zu drehen, der „Floating Star“ in der gleichnamigen Grafik von Kaia Nao (siehe Abb.). Obwohl wir wissen, dass es auf einer statischen Zeitungsseite keine Bewegung geben kann, folgen wir doch fasziniert den wandernden Farbflächen.
„Floating Star“ ist einer von zehn Gewinnern eines weltweit einzigartigen Wettbewerbs für visuelle Illusionen, des jährlichen Best Illusion of the Year Contest. Zunächst hatte sie eine Jury aus internationalen Hirn- und Wahrnehmungsforschern überzeugt. Das letzte Wort hatten am Montag die Gäste einer Gala-Veranstaltung in Naples (Florida), die aus den nominierten Arbeiten die Sieger wählten.
2005 fand der Wettbewerb erstmals statt, seit letztem Jahr kann auch das Publikum in Nürnberg die verblüffenden, ästhetischen Arbeiten bewundern. Für gleichermaßen fachkundige wie spannende Erläuterungen sorgt erneut ein ausgewiesener Experte: Professor Michael Bach von der Universitäts-Augenklinik Freiburg, der die Gewinner am kommenden Dienstag im Nürnberger Planetarium vorstellt.

Visuelle Täuschungen sind Sonderfälle der Wahrnehmung. Indem sie unsere erlernten und evolutionär erworbenen Sehgewohnheiten infragestellen, verraten sie viel darüber, wie „Wahrnehmen“ normalerweise funktioniert.

Es ist kein Zufall, dass sich in den Wettbewerbslisten der letzten Jahre viele Wissenschaftler finden, darunter Wahrnehmungsforscher, Neurowissenschaftler und Augenärzte, aber auch Künstler, die sich von aktuellen Forschungsergebnissen inspirieren lassen.

Aus der künstlerischen Ecke kommt auch der Schöpfer von „Floating Star“. Kaia Nao, das ist ein Pseudonym des amerikanischen Malers Joe Hautman, der sich mit realistischen Tier- und Naturgemälden einen Namen gemacht hat.

Auch sie stellen, genau genommen, eine Art visuelle Täuschung dar, wie der Künstler erklärt. Wie sonst, wenn nicht mit ausgeklügelten Tricks ließe sich auf flacher Leinwand beispielsweise die Illusion einer weiten Landschaft erzeugen? Und wie ließe sich erklären, dass selbst winzige Details die Wirkung eines Bildes komplett verändern können?
„Diese Beobachtungen brachten mich dazu, die Anomalien an den Grenzen unserer visuellen Wahrnehmung und die Schnittstellen der mentalen Verarbeitungsprozesse zu erkunden“, sagt der Maler rückblickend. Ein Resultat dieser fruchtbaren Auseinandersetzung ist „Floating Star“, die neuartige Version einer Scheinbewegung, die durch geschickte Anordnung der Farbflächen zustandekommt.  

Inge Hüsgen

Alle Finalisten des Illusion-Contests hier

Vortrag von Michael Bach am Dienstag, 22. Mai ab 19.30 Uhr im Nicolaus-Copernicus-Planetarium.
Eintritt 7,- €/erm. 5,- €
Buchung über BZ (Kurs-Nr. 00845)

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