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Dienstag, 24. April 2012

Vortrag mit Prof. Angela Friederici



Wie mühelos Kinder eine Fremdsprache lernen, bringt nicht nur Eltern immer wieder zum Staunen. Sogar die ganz Kleinen sind schon wahre Sprachgenies, wie man heute weiß. Bereits mit vier Monaten können Babys einfache Regeln einer fremden Sprache erlernen, wie die Sprach- und Kognitionsforscherin Angela Friederici gezeigt hat.


Im Versuch spielte ihr Team Säuglingen mit deutscher Muttersprache zunächst einfache italienische Sätze vor. Anschließend mischten sie zwischen diese korrekten Sätze auch solche mit Grammatikfehlern. EEG-Messungen zeigten, dass die Babys die falschen Sätze schon nach einer Viertelstunde Lernzeit erkannten.

Zuvor war man davon ausgegangen, dass sich diese Fähigkeit erst mit etwa anderthalb Jahren entwickelt. „Das erschien mir immer reichlich spät“, sagt Angela Friederici, die sich als (Gründungs-)Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig mit all dem beschäftigt, was beim Sprachenlernen im Gehirn geschieht. Am kommenden Dienstag berichtet sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Von Sinnen“ über ihre Forschungen.

Heute weiß man, dass das Sprachenlernen sehr früh beginnt. Bereits im Alter von zwei Monaten können Kleinkinder bestimmte Laute auseinanderhalten, mit fünf Monaten beginnen sie die typischen Betonungsmuster ihrer Muttersprache zu lernen. Einfache Wörter und ihre Bedeutungen kommen im Laufe des ersten Lebensjahres hinzu. Die ersten Satzbau-Regeln werden mit zwei bis drei Jahren beherrscht, kompliziertere Sätze können die Kinder erst vom sechsten bis siebten Lebensjahr an bilden.

Alles, was wir lernen, schlägt sich in Veränderungen des Denkorgans nieder. Nervenzellen bilden neue Verbindungen, schließen sich zu komplexen Netzwerken zusammen, Fachleute sprechen auch vom „plastischen“, also wandlungsfähigen Gehirn.

Bis zu einem gewissen Grad behält das Gehirn seine Plastizität bis ins hohe Alter. Die Grundlagen werden jedoch in der Kindheit gelegt. Aus diesem Grund plädiert Angela Friederici für eine frühe, spielerische Förderung. Ohne Drill und Lehrplan, versteht sich. Viel wichtiger ist es nach ihrer Ansicht, sich mit dem Kind zu beschäftigen und beispielsweise gemeinsam Kinderlieder zu singen. Denn zum Sprechenlernen brauchen Kinder ein Gegenüber. Und weil beim Singen und Musizieren teilweise dieselben Hirnareale aktiv werden wie beim Sprechen, trainiert Musik das Gehirn gleich doppelt.

Heute, am 24. April 2012, gastiert Angela Friederici mit dem Vortrag „Sprachentwicklung und Gehirn“ im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Vorher, ab 17 Uhr, können die Besucher an einer kostenlosen Sonderführung im Museum für Kommunikation teilnehmen.

Buchung über BZ Nürnberg oder vor Ort an der Abendkasse.

Inge Hüsgen

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