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Sonntag, 3. Juli 2011

Prophezeiungen und Endzeitängste

Wird 2012 das Jahr der Apokalypse? Über Weltuntergänge, Endzeitängste und düstere Prophezeiungen spricht der Skeptiker, Wissenschaftsjournalist und Buchautor Bernd Harder am kommenden Dienstag in Nürnberg. Inge Hüsgen hat sich mit dem Referenten unterhalten.

Am 21. Dezember 2012 geht die Welt unter, heißt es. Können wir uns also nächstes Jahr den Stress mit dem Weihnachtseinkauf sparen?

Bernd Harder: Ich kaufe ohnehin keine Weihnachtsgeschenke, insofern ist mir persönlich dieser Punkt ziemlich einerlei. Allen anderen würde ich dazu raten, wie üblich zu verfahren – sonst könnte es am Heiligen Abend womöglich Weltuntergangsgesichter bei den Liebsten geben.

Nein, die Schlagzeilen, die wir Skeptiker uns nach dem 21. Dezember 2012 wünschen, würden eher so lauten: „Altpapiersammlung wieder ein voller Erfolg – Tausende Weltuntergangsbücher werden einem sinnvollen Zweck zugeführt". Oder: "Aktien von Esoterikverlagen massiv eingebrochen."

Der 21. Dezember 2012 ist beileibe nicht der erste Termin, für den ein Weltende vorhergesagt wird. Bisher sind alle ohne besondere Vorkommnisse verstrichen. Warum glauben trotzdem noch so viele Menschen daran?

Nun ja, blühende Landschaften, übers ganze Gesicht strahlende Menschen und immerwährender Friede auf Erden werden auf Dauer doch etwas dröge, oder? Die Schriftstellerin Sibylle Berg hat vor kurzem im
Spiegel geschrieben: "Optimismus ist das Bekenntnis zu überbordendem Irrsinn ... Der Pessimist dagegen weiß: Es wird nie eine perfekte Zeit geben."

Endzeit-Enthusiasten sind Pessimisten, und das mit durchaus guten Gründen: Schließlich drohen an allen Ecken Enden. Kaum mehr ein Tag vergeht ohne Hiobsbotschaft und Krisenalarm, von EHEC bis Euro. Und diese Krisenakkumulation verdichtet sich mal wieder zur Angst vor der realen Apokalypse. Nicht wenige Zeitgenossen scheinen dem menschlichen Treiben nur noch eine sehr begrenzte Frist zusprechen zu wollen.

Bislang waren zwar alle Abgesänge verfrüht und sämtliche düsteren Prophezeiungen Scharlatanerie - aber das ist keine wirkliche Beruhigung, weil alles, was eine Zeitspanne von, sagen wir, zehn Jahren übersteigt, sich unserem Vorstellungsvermögen weitgehend entzieht.

Manche Endzeit-Szenarien erscheinen traditionell religiös, wie etwa die angeblichen Prophezeiungen von Fatima. Andere, wie die um den Planeten „Nibiru“, geben sich eher naturwissenschaftlich. Gibt es so etwas wie eine Typologie der Endzeit-Fans?

Ich denke, wir können überhaupt zum ersten Mal von "Szenarien" sprechen - das ist der große Unterschied von "2012" im Vergleich zu 1999 und/oder der Jahrtausendwende.

Vor zwölf Jahren gab es nur eine angebliche Nostradamus-Prophezeiung, die von verschiedenen Deutern leicht variiert wurde. Aktuell haben wir es mit einer Vielzahl von ganz unterschiedlichen Vorstellungen zu tun, was nun genau im kommenden Jahr passieren soll.

Klar, da gibt es die religiösen Apokalyptiker, denen die Welt immer schon ein Gräuel war, weil permanent und ungestraft Widergöttliches geschieht. Daneben die Katastrophisten, die die Vernichtung entweder von Sonnenstürmen, Polsprüngen oder besagtem Wanderplaneten erwarten. Und irgendwo dazwischen auch die New-Age-Anhänger, die ein neues, spirituelles und glückseliges Zeitalter heraufdämmern sehen.

Oder hast Du bei Deinen Recherchen so etwas wie Trends bei den Endzeit-Szenarien festgestellt?

Sagen wir mal so: Am fanatischsten scheinen die "Nibiru"-Fans drauf zu sein, die mittlerweile massenhaft in ein französisches Dorf einfallen, weil dieses angeblich vom Weltuntergang verschont bleiben soll. Auch die NASA oder hier in Deutschland spezialisierte Wissenschafts-Blogs wie Astrodicticum simplex haben Probleme, den Leuten diesen Quatsch von einem herannahenden Planeten auszureden.

Das Thema Weltende scheint eine starke Faszination auszulösen – auch bei denen, die nicht daran glauben. Was meinst Du, warum?

Warum schaut man sich Horrorfilme an? Es kann durchaus spannend - vielleicht auch entspannend - sein, sich solchen Gefühlen und Empfindungen auszusetzen, ohne das Geschehen wirklich am eigenen Leib zu erleben. Vielleicht so eine Art Psychohygiene.

Einige Wissenschaftler sehen in der ständigen Krisologie sogar etwas Gutes: Ständiger Alarm appelliere an unsere Gefühle und die Suche nach Lösungen an unseren Verstand. Und möglicherweise kommt dabei sogar etwas Vernünftiges dabei heraus. Wir werden sehen.


Der Vortrag:
Bernd Harder: 2012 - Jahr der Apokalypse?
Oder: Wie viele Blätter hat der Maya-Kalender?
Dienstag, 5. Juli 2011, 19 Uhr
Nürnberger Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg

Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Eine Veranstaltung der Reihe "Außer Sinnen".
Das komplette Programm finden Sie hier.
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00879

Zum Weiterlesen:
Bernd Harder:
2012 oder wie ich lernte, den Weltuntergang zu lieben.
Leitfaden für Endzeit-Liebhaber. Herder Verlag, Freiburg 2011.

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