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Mittwoch, 15. Juni 2011

Zwischen Wunder und Wissenschaft

Aus der ganzen Welt kamen die Besucher nach Turin. Mehr als zwei Millionen sollen es gewesen sein, die im Frühling letzten Jahres in die norditalienische Industriestadt strömten und auch schon mal drei Stunden Schlange standen. All das, um ein paar Blicke auf ein altes Leinentuch zu werfen, auf dem sich die unscharfe Silhouette eines männlichen Körpers abzeichnet.



Quelle: Wikimedia Commons

Nicht irgend eines Körpers, sind manche überzeugt. Denn die Rede ist vom „Turiner Grabtuch“, das der Legende nach den Leichnam Jesu Christi umhüllte und heute im Dom von Turin aufbewahrt wird. In Abständen von mehreren Jahren wird es öffentlich ausgestellt, so zuletzt im Frühling vergangenen Jahres.

Das echte Leichentuch Christi? Richtig ist, dass es schon bei seinem Auftauchen im Mittelalter Zweifel weckte und seither im Zentrum von frommer Religiosität und wissenschaftlicher Untersuchung, aber auch abenteuerliche Spekulationen steht. Die katholische Kirche hält sich da bedeckt. Offiziell betrachtet sie das Leinen  lediglich als „Ikone“. Eine Ikone soll bei Gläubigen die Beziehung zu Gott stärken. Im Gegensatz zur Reliquie, die den Katholiken als authentisches Überbleibsel einer heiligen Person oder ihres Besitzes gilt.
Tatsächlich zeigen seriöse Untersuchungen mit überwältigender Klarheit, dass es sich beim Turiner Grabtuch um eine künstlerische Arbeit aus späterer Zeit handelt. Einer C14-Datierung zufolge stammt das Gewebe aus dem Mittelalter, es trägt Spuren von Farbstoffen, wie sie in dieser Zeit von Malern benutzt wurden. Dennoch will eine Forschergruppe die Echtheit des Tuches nachgewiesen haben.

Hat sie aber nicht, sagt Amardeo Sarma, der sich seit Jahrzehnten mit dem Streit um das geheimnisvolle Leinen beschäftigt. „Da werden dubiose Pollenproben vom Tuch bemüht, bewährte Datierungsmethoden angezweifelt und wildeste Speklationen aufgestellt."

Am Mittwoch, 22. Juni 2011, führt Amardeo Sarma ein in die hitzigen Diskussionen über das Turiner Grabtuch. Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe „Außer Sinnen“, die der turmdersinne gemeinsam mit dem Nicolaus-Copernicus-Planetarium organisiert hat.

Amardeo Sarma kennt sich übrigens bestens aus mit paranormalen Behauptungen. Er ist Gründungsmitglied und Vorsitzender der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften GWUP, Mitinitiator und Vorsitzender der europäischen Skeptikerorganisation ECSO und Fellow der US-amerikanischen Skeptiker-Dachvereinigung Committee for Skeptical Inquiry CSI.

22.06.2011, 19.00 Uhr

Amardeo Sarma: Das Turiner Grabtuch
Die Geschichte eines Klärungsprozesses im 20. Jahrhundert zwischen Wunder und Wissenschaft


Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg
Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Das komplette Programm finden Sie hier.
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00877

Inge Hüsgen

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