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Montag, 11. April 2011

Lernen, und die grauen Zellen wachsen

Durch Lernen können sich Teile des Gehirns wesentlich schneller vergrößern als bisher angenommen. Ganze zwei Stunden Training genügten in einem  Experiment der Universität von Hongkong, damit die Hirnrinde deutlich an Volumen zulegt. Das Ergebnis überraschte nicht nur Versuchsleiterin Veronica Kwok und ihen Kollegen. Bisher hatte man für derartige Veränderungen bei Erwachsenen mehrere Wochen oder gar Jahre veranschlagt.

Die Versuchspersonen, 19 chinesische Studenten, sollten neue, erfundene Namen für verschiedene Blau- und Grüntöne lernen. Dabei handelt es sich um Silben aus der Sprache Mandarin-Chinesisch, die dort für sich allein ohne Bedeutung sind. Die Muttersprache half den Probanden also nicht bei beim Lösen der Aufgabe. Statt dessen war Lernen angesagt.

Für die beiden Grüntöne wählten die Forscher die Namen „áng“ und „sòng“ aus, für die Blautöne „duān“ und „kĕn“. Diese Wörter wurden den Probanden zunächst vorgesprochen, während ihnen ein Bildschirm die entsprechenden Farben zeigte. Anschließend sollten sie das Gelernte anwenden, indem sie die gezeigten Farben mit den richtigen Wörtern benannten. Der Versuch nahm jeweils fünf Sitzungen innerhalb von zwei Tagen in Anspruch.

Mit Hirnscans vor und nach dem Einüben verfolgten die Forscher, was sich währenddessen im Gehirn verändert hatte. Und das war erstaunlich viel: Nach der Lernphase stellte sie eine Zunahme an Grauer Substanz in der Hirnrinde fest – vor allem in dem Bereich der linken Hirnhälfte, der für das Farbsehen zuständig ist.

Farben sind seit langem ein beliebtes Gebiet der Wahrnehmungsforschung, da die Farbwahrnehmung je nach Muttersprache variiert. Besonders deutlich zeigt sich dieser Einfluss in der rechten Hälfte des Gesichtsfeldes. Diese wird von der linken Hirnhemisphäre verarbeitet, wo auch das Sprachzentrum angesiedelt ist. Mit dem aktuellen Versuch ist es nach Angaben der Forscher erstmals gelungen, die Verbindung von Farbbezeichnungen und -wahrnehmung einer anatomischen Sturktur zuzuordnen.

Inge Hüsgen

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