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Donnerstag, 17. März 2011

Ein Forscher auf der Unterhaltungsbühne

Warum wir ein vertrautes Gesicht selbst in einer großen Menschenmenge erkennen und weshalb ein Muster auf Victoria Beckhams Kleid ihr eine megaschlanke Taille verleiht – all dies erforscht Tom Troscianko. Nun kommt der renommierte britische Wahrnehmungspsychologe nach Deutschland. Am 18. März präsentiert Troscianko bei „Science meets Comedy“ im Nicolaus-Copernicus-Planetarium die verblüffende Welt der Wahrnehmungsphänomene.


Prof. Tom Troscianko

Der Abend ist abschließender Höhepunkt der Internationalen Woche des Gehirns brainWEEK in Nürnberg, die sich vom 12. bis 18. März mit Vorträgen, Filmen und Diskussionen dem Phänomen Gehirn nähert. Das Format „Science meets Comedy“ hat sich dabei seit der Premiere 2008 als Publikumsmagnet etabliert. Das Erfolgsrezept: Ein renommierter Wissenschaftler und ein Entertainer bringen mit vereinten Kräften das Publikum zum Staunen und Lachen. Für den unterhaltenden Part konnten die Veranstalter, der turmdersinne und das Planetarium, wieder den Comedian und Zauberkünstler Thomas Fraps gewinnen. Er wird den englischsprachigen Vortrag des Wissenschaftlers in seinem ganz eigenen Stil „übersetzen“.

Troscianko hat sich als Professor für experimentelle Psychologie an der Universität Bristol (England) ausführlich mit der visuellen Objekterkennung beschäftigt. Diese entwicklungsgeschichtlich überlebenswichtige Fähigkeit ermöglichte es unseren Vorfahren beispielsweise, essbare Früchte anhand der Farbe von ungenießbaren Blättern zu unterscheiden. Was dabei jedoch im Einzelnen geschieht und wie Gehirn und Auge zusammenarbeiten, beginnen die Wahrnehmungsforscher erst allmählich zu begreifen. So sehen wir nur in einem winzigen Bereich der Netzhaut, dem sogenannten Gelben Fleck, ein scharfes Bild. Alle umgebenden Netzhautbereiche liefern lediglich verschwommene Konturen. Versuchen Sie einmal, diesen Text zu lesen, während Sie auf den Rand des Monitors schauen – es wird Ihnen nicht gelingen.

Dieses Sehverhalten wollte Troscianko mit einem Roboter nachstellen. „Jedoch kamen wir nicht weiter als dem Roboter die Richtung vorzugeben, in die er auf der Suche nach einem bestimmten Objekt als nächstes schauen sollte – dann ging uns das Geld aus.“ Dennoch habe das Projekt eine Reihe von neuen Erkenntnissen über die Kontrolle von Augenbewegungen erbracht. Ferner war er an der Entwicklung von Computersystemen zur Erkennung von Aggression beteiligt, die in Kombination mit Überwachungskameras eingesetzt werden sollten. Derzeit forscht Tom Troscianko über den Zusammenhang von Sehreizen und Vergnügen.

Dass der Spaß auch bei der Wissenschaftsvermittlung eine große Rolle spielt, steht für ihn außer Frage. Trosciankos Heimat Großbritannien hat auf diesem Gebiet Pionierarbeit geleistet. Dennoch brauchte es auch dort seine Zeit, bis sich die Forscher auf die Unterhaltungsbühnen wagten. Vielleicht aus – unbegründeter – Sorge um die ohnehin spärlichen Forschungsgelder, wie Troscianko vermutet. Heute ist er sich gewiss, dass “der Wert unserer Arbeit auch dann erhalten bleibt, wenn sie mit Humor präsentiert wird.“

„Science meets Comedy“ ist ausverkauft, eventuell zurückgegebene Einzelkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

Weitere Informationen:  info@turmdersinne, Tel. 09 11 - 94 4 32 81

Inge Hüsgen

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