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Montag, 7. Februar 2011

Künstler mit Augenfehlern

Es heißt, dass  Maler und Bildhauer ein besonders gutes Auge besitzen. In einer bestimmten Hinsicht allerdings, nämlich bei der Tiefenwahrnehmung, scheinen bildende Künstler nicht besser, sondern schlechter zu sehen als der Durchschnitt. Darauf deutet jedenfalls eine Studie der Harvard Medical School (Boston) hin.

Die Neurobiologin Margret Livingstone und ihre Forschungsgruppe führten dafür zwei Untersuchungen durch. Den Anfang machte ein Experiment zum räumlichen Sehen, an dem 403 Kunststudenten und 190 Studierende anderer Fachrichtungen teilnahmen. Ihre Aufgabe war es, auf einem Monitor die dreidimensionale Computergrafik eines Quadrats anzuschauen und festzustellen, ob das Quadrat vor, hinter oder auf gleicher Höhe wie der Bildschirm schwebte. Die Kunststudenten schnitten dabei durchschnittlich schlechter ab als ihre Kommilitonen aus anderen Fächern.

Für die zweite Untersuchung ließ Livingstone die Augenstellung von bekannten Künstlern und US-Kongressabgeordneten anhand von Augenausschnitten aus Porträtfotos untersuchen. Geprüft wurde, ob die Pupillen parallel ausgerichtet waren oder ein Schielen vorlag. Tatsächlich diagnostizierten die Experten bei der Gruppe der Künstler häufiger ein leichtes Schielen. Diese Augenfehlstellung wirkt sich vielfach negativ auf die Tiefenwahrnehmung aus und engt die Berufswahl erheblich ein.

Was etwa den Weg zur Pilotenlaufbahn verschließt, ist andererseits für bildende Künstler von Vorteil, vermuten die Forscher. Die Betroffenen sind bei der Einschätzung von räumlichen Entfernungen stärker auf Perspektive, Licht und Schatten angewiesen – also genau auf die Informationen, die auch Maler und Zeichner realistisch wiedergeben müssen, um auf einem flachen Untergrund die Illusion von Räumlichkeit zu schaffen.

Einen außergewöhnlichen Zugang zum dreidimensionalen Sehen hat die Malerin Dorle Wolf gewählt, die derzeit eine Auswahl ihrer Arbeiten im Museum turmdersinne zeigt. Ihre Stereobilder entfalten beim Betrachten mit einer Chroma-Depth-Brille eine dreidimensionale Wirkung.
Die Ausstellung läuft noch bis 22. Mai 2011, die nächste Sonderführung findet am 4. März 2011 statt.
Anmeldung erforderlich: Tel. 09 11 - 944 32-81, Fax: -69; Mail: info@turmdersinne.de

Inge Hüsgen

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