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Samstag, 26. Februar 2011

Als wär's ein Stück von mir

Wie leicht wir eine Attrappe für einen Teil des eigenen Körpers halten, zeigt demnächst ein neues Exponat der mobilen Wanderausstellung tourdersinne
So geht's: Der Besucher legt seine rechte Hand auf einen Tisch hinter einen Sichtschutz, sodass sie aus dem Blickfeld verschwindet. Statt dessen sieht er lediglich eine künstliche Gummihand. Wenn nun eine zweite Person synchron die echte, unsichtbare Hand und die Attrappe streichelt, stellt sich mit der Zeit ein bizarres Gefühl ein: Der Besucher spürt die Berührung der Gummihand, als wäre sie angewachsen.


Mit einer ähnlichen Versuchsanordnung haben schwedische Wissenschaftler jetzt bei Probanden den Eindruck eines dritten Armes erzeugt. Sie platzierten auf einem Tisch neben dem realen rechten Arm der Versuchperson eine wirklichkeitsgetreue Nachbildung und berührten beide gleichzeitig. Die Probanden schauten zu - und hatten bald den kuriosen Eindruck, drei Arme zu besitzen.

Der Leiter der Studie, der Neurologe Arvid Guterstam (Karolinska-Institut, Stockholm), erklärt die Illusion durch einen Konflikt: Demnach ist das Gehirn unschlüssig, welcher rechte Arm der reale ist – und entscheidet sich für beide. Die Täuschung ging im Experiment sogar so weit, dass die Versuchspersonen auf eine „Bedrohung“ des künstlichen Arms durch ein Messer mit denselben Stress-Symptomen reagierten, als wäre ihr echter Arm in Gefahr. Dies stellte Guterstams Team mit einer Messung des Hautwiderstandes fest. Wurde der künstliche Arm jedoch durch eine Fuß-Prothese ersetzt, verschwand die Illusion komplett.

Übrigens: Das Exponat "Gummihand" wurde im Rahmen des Projektes SINNeszauber für die Wanderausstellung tourdersinne erarbeitet. Lesen Sie mehr darüber im nächsten turmdersinne-Newsletter SinnesOrgan, den Mitglieder des turmdersinne-Förderkreises viermel jährlich erhalten.

Inge Hüsgen

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