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Montag, 28. Februar 2011

brainWEEK-Filmabend mit "Small World"


Konrad (Gérard Depardieu) hat „schon seit einiger Zeit immer wieder kleinere Gedächtnislücken“, wie er es nennt. Konrad, das ist die Hauptfigur des Spielfilms „Small World“ (2010). Seit Jahrzehnten ist er „Mädchen für alles“ auf dem Anwesen einer großbürgerlichen Familie. Doch mit der Alzheimer-Erkrankung lässt sein Kurzzeitgedächtnis nach, alltägliche Besorgungen fallen ihm zusehends schwerer. Umso klarer werden jedoch seine Erinnerung aus der Kindheit. Als sich die frisch in die Familie eingeheiratete Simone (Alexandra Maria Lara) mit Konrad anfreundet, kommt sie einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur.


„Small World“, von Regisseur Bruno Chiche nach Martin Suters gleichnamigem Erfolgsroman gedreht, ist Familiendrama und Krimi in einem. Gleichzeitig führt der Film die Zuschauer behutsam in die geisterhafte Welt der Alzheimer-Demenz.

Der turmdersinne zeigt "Small World" in Kooperation mit dem Nürnberger Klinikum im Rahmen der brainWEEK. Nach dem Film haben die Besucher Gelegenheit, mit Fachärzten der Einrichtung über Demenzkerkrankungen, neue Behandlungsmethoden und ethische Fragen zu sprechen.
Ort: Casablanca Filmkunsttheater Nürnberg, Eintritt: 7,50 €, erm. 5,- €

Kartenreservierung empfohlen:
Tel. 09 11 - 45 48 24
E-Mail: reservierung@casablanca-nuernberg.de

Inge Hüsgen

Samstag, 26. Februar 2011

Als wär's ein Stück von mir

Wie leicht wir eine Attrappe für einen Teil des eigenen Körpers halten, zeigt demnächst ein neues Exponat der mobilen Wanderausstellung tourdersinne
So geht's: Der Besucher legt seine rechte Hand auf einen Tisch hinter einen Sichtschutz, sodass sie aus dem Blickfeld verschwindet. Statt dessen sieht er lediglich eine künstliche Gummihand. Wenn nun eine zweite Person synchron die echte, unsichtbare Hand und die Attrappe streichelt, stellt sich mit der Zeit ein bizarres Gefühl ein: Der Besucher spürt die Berührung der Gummihand, als wäre sie angewachsen.


Mit einer ähnlichen Versuchsanordnung haben schwedische Wissenschaftler jetzt bei Probanden den Eindruck eines dritten Armes erzeugt. Sie platzierten auf einem Tisch neben dem realen rechten Arm der Versuchperson eine wirklichkeitsgetreue Nachbildung und berührten beide gleichzeitig. Die Probanden schauten zu - und hatten bald den kuriosen Eindruck, drei Arme zu besitzen.

Der Leiter der Studie, der Neurologe Arvid Guterstam (Karolinska-Institut, Stockholm), erklärt die Illusion durch einen Konflikt: Demnach ist das Gehirn unschlüssig, welcher rechte Arm der reale ist – und entscheidet sich für beide. Die Täuschung ging im Experiment sogar so weit, dass die Versuchspersonen auf eine „Bedrohung“ des künstlichen Arms durch ein Messer mit denselben Stress-Symptomen reagierten, als wäre ihr echter Arm in Gefahr. Dies stellte Guterstams Team mit einer Messung des Hautwiderstandes fest. Wurde der künstliche Arm jedoch durch eine Fuß-Prothese ersetzt, verschwand die Illusion komplett.

Übrigens: Das Exponat "Gummihand" wurde im Rahmen des Projektes SINNeszauber für die Wanderausstellung tourdersinne erarbeitet. Lesen Sie mehr darüber im nächsten turmdersinne-Newsletter SinnesOrgan, den Mitglieder des turmdersinne-Förderkreises viermel jährlich erhalten.

Inge Hüsgen

Samstag, 19. Februar 2011

Moral auf der Zunge

Werden demnächst Bitter-Lemon-Getränke aus den Gerichtskantinen verbannt? Angesichts einer aktuellen amerikanischen Studie möchte man fast dazu raten. Denn demnach fällen wir mit einem bitteren Geschmack auf der Zunge deutlich strengere moralische Urteile als beim Genuss von süßen oder neutralen Lebensmitteln. Wissenschaftler hatten einen solchen Zusammenhang bereits seit längerem vermutet. Nun gelang Kendall Eskine und seinem Team von der City University of New York erstmals der experimentelle Nachweis.

Im Versuch gaben die Forscher ihren 57 Probanden - 41 Frauen und 16 Männern - kurze Texte über moralische Verfehlungen zu lesen. Darin ging es beispielsweise um einen Mann, der seinen verstorbenen Hund verspeist. Oder um Sex zwischen Cousins zweiten Grades. Diese Verhaltensweisen sollten die Versuchspersonen auf einer Skala von „überhaupt nicht moralisch falsch“ bis „extrem moralisch falsch“ einordnen. Währenddessen wurden Getränke gereicht: eine Probandengruppe bekam eine süße Flüssigkeit, die zweite eine bittere, die dritte neutral schmeckendes Wasser. Es zeigte sich, dass nach dem bitteren Trunk die Urteile signifikant strenger ausfielen als in den beiden anderen Gruppen. Übrigens trat der Effekt bei Probanden mit politisch konservativer Einstellung deutlicher zu Tage als bei Liberalen.

Eskine und seine Koautoren werten die Studie als Bestätigung dafür, dass abstrakte Vorstellungen wie Moral an körperlich-sensorische Eindrücke gekoppelt sind. Die strengen Urteile sind demnach wenigstens zum Teil auf das körperliches Ekelgefühl durch den bitteren Geschmack zurückführen. Für den Geruchssinn ist eine vergleichbare Wirkung bereits seit längerem bekannt, so führt etwa penetranter Toilettenmief ebenfalls zu härteren Urteilen in Fragen der Moral.

Inge Hüsgen

Donnerstag, 10. Februar 2011

ACHTUNG! Falsches Datum für Auftaktveranstaltung der brainWEEK in NN

In der heutigen Ausgabe der Nürnberger Nachrichten wurde in einem Bericht für die Auftaktveranstaltung der brainWEEK 2011 ein falsches Datum genannt: das Pecha Kucha im Klinikum Süd in Nürnberg findet am 12. März 2011 ab 13h statt, NICHT am 12. Februar.

brainWEEK 2011 - Programmübersicht

Bitte unbedingt die Anmerkungen zur Anmeldung am Ende des Post beachten!

SAMSTAG, 12. März, 13–16 Uhr

PECHA KUCHA!
Diskutieren und Experimentieren im Nürnberger Südklinikum.
Es erwartet Sie ein spannender Kurzvortragsmarathon rund um praktische Themen des menschlichen Gehirns. Fachleute aus Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik und Neurochirurgie kommen zu Wort. Die Kurzvorträge sind in drei Themenblöcke à eine Stunde gestaffelt:

13 bis 14 Uhr:
„Ist Demenz das Gleiche wie Alzheimer?“ 

(Dr. Reinhold Waimer, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Gerontopsychiatrie)
„Hält Gehirnjogging Alzheimer auf?“ 
(Nina Strößenreuther, Psychologin, Gedächtnissprechstunde)
„Macht Alt sein depressiv?“ 

(Christine Däubler, Psychologin, Gedächtnissprechstunde)
„Wie wirken Antidepressiva?“ 

(Dr. Dr. Günter Niklewski, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie)
„Hat Morgenstund‘ wirklich Gold im Mund?- Das wahre Gesicht des Schlafes“ 
(Dr. Kneginja Richter, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Zentrum für Schlafmedizin)

14 bis 15 Uhr:

„Aufmerksamkeitsdefizit – Hyperaktivität“
(Dr. Arnfried Heine, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie)
„Autismus“
(Dr. Axel Rösche, Leitender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie)
„Stellwerk der Erinnerungen - Neurobiologie der Traumabewältigung“
(Dr. Anne Kruttschnitt, Oberärztin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie)
„Ausgebrannt - Burnout“
(Dr. Roland Kalb, Stationsarzt der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie) „Was ist das Schmerzgedächtnis?“
(Dr. Andreas Bickel, Oberarzt der Klinik für Neurologie)

15 bis 16 Uhr:
„Wer operiert eigentlich im Gehirn, Hand oder Verstand des Neurochirurgen?“ (Prof. Hans-Herbert Steiner, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie)
 „Entsteht Tabakabhängigkeit im Gehirn?“
(Matthias Urlbauer, Assistenzarzt der Klinik für Pneumologie)
„Erinnern und Vergessen“
(Dr. Hartmut Lehfeld, Leitender Psychologe der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie)
„Doping fürs Gehirn“
(Prof. Frank Erbguth, Chefarzt der Klinik für Neurologie)

Im Anschluss am jeden Vortragsblock findet eine Fragerunde bis zur vollen Stunde statt. Diskutieren erwünscht! Rund um die Vorträge laden brandneue interaktive Stationen der mobilen tourdersinne und des Klinikums zu Experimenten mit der menschlichen Wahrnehmung ein.

Ort: Klinikum Süd, Breslauer Straße 201, Eintritt frei, KEINE Anmeldung nötig


SAMSTAG, 12. März, 18–22 Uhr

THEMENABEND im Kino Casablanca mit dem Film „Small World“ (2010)


„Small World“, auf dem Roman von Martin Suter basierend, erzählt die Geschichte von Konrad Lang, der zunehmend in seiner kleinen Welt der Alzheimerkrankheit versinkt und im Gästehaus der Familie Senn einquartiert wird. Seine nach und nach auftauchenden Langzeiterinnerungen fördern ein abgründiges Familiendrama zutage. Mit Gérard Depardieu und Alexandra Maria Lara.

Sie erhalten nach den Film die Gelegenheit, sich mit Fachärzten des Nürnberger Klinikums über Demenz, neue Behandlungsmethoden und deren ethische Implikationen auseinanderzusetzen.

Ort: Casablanca Filmkunsttheater Eintritt: € 7,50/5,-


DIENSTAG, 15. März, 17 Uhr
Der turmdersinne hat Geburtstag!
Führung durch die Interaktive Erlebnisausstellung

Ort: Museum
turmdersinne, Eintritt: € 6,-/4,-


MITTWOCH, 16. März, 19:30 Uhr
„Fahndung nach dem Ich“ - Eine neurophilosophische Kriminalgeschichte. Lesung im Zeitungscafé der Stadtbibliothek.

Ein Buch, das der Existenz eines ICH, eines Selbst, nachgeht. Georg Northoff schuf einen kriminalistischen Rahmen, schickt seine zwei Ermittler, einen Hirnforscher und einen Philosophen, los, um das ICH zu finden. Tatort ist das menschliche Gehirn. Dies führt zu weiteren Fragen, nämlich, ob man den religiösen Glauben in Zusammenhang mit bestimmten Aktivitäten im Gehirn bringen kann oder wie unser Selbst im Kontext von Emotionen zu sehen ist. Der Mediziner und Philosoph Prof. Georg Northoff arbeitete als Universitätsprofessor lange in Magdeburg und lebt inzwischen in Ottawa, Kanada, wo eigens für ihn ein Lehrstuhl eingerichtet wurde.

Ort: Zeitungs-Café „Hermann Kesten“ der Stadtbibliothek, Eingang neben der Katharinenruine, Eintritt € 8,-/6,-


DONNERSTAG, 17. März, 19:30 Uhr

Bildende Kunst und Wahrnehmungstäuschung
Vortrag von Wahrnehmungsbiologe Dr. Rainer Wolf

Maler haben Besonderheiten unseres Sehsystems intuitiv erkannt. Beim Umsetzen Ihres Wissens erliegen sie aber auch immer wieder Selbsttäuschungen. Hirnforscher können manches von ihnen lernen! Wir sehen, was wir zu sehen erwarten, und merken nicht, dass unser Auge, wenn es ruht, blind ist – eine Einsicht, welche von der Op-Art genutzt wird. Unser Sehsinn verschafft ein angeborenes Gefühl für Ästhetik und lässt uns – ebenso wie Tiere – auch Strichzeichnungen richtig deuten. Neue Techniken der Maler John Jupe und Dorle Wolf schaffen 3D-Tiefe auch auf flachem Malgrund. Können wir nachempfinden, wie die 3-D-Sehwelt etwas eines van Gogh oder eines Chagall aussah?

Ort: Museum turmdersinne, Eintritt: € 8,-/ 6,-


HIGHLIGHT - 18. März, 19:30 Uhr
„Science Meets Comedy“: Wissenschaft, Zauberkunst & Comedy im explosiven Wechselspiel! Mit Thomas Fraps & Tom Troscianko


Unsere Umwelt ist relativ beständig, oder? Aber was passiert, wenn sie aus den Fugen gerät und welche Rolle spielt unser Gehirn dabei? Der Zauberkünstler, Stand-Up-Comedian und Physiker Thomas Fraps „übersetzt“ auf unverkennbare Weise erstaunliche Erkenntnisse des britischen Wahrnehmungspsychologen Tom Troscianko.
Thomas Fraps: in seiner Zauberkunst vereinen sich Physik und Magie. Fraps ist international erfolgreich und gewann u.a. den „Zauber Oscar“ der Academy of Magical Arts in Hollywood.
Prof. Tom Troscianko: Professor der experimentellen Psychologie an der Universität Bristol (England) im Bereich Wahrnehmung, Kognition und Handeln. Er erforscht u. a. wie sich die Umwelt in unserem Kopf „abbildet“ und wie unser Gehirn eine konstante Welt konstruiert.

Ort: Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Eintritt: € 12,-/9,-


Infos auch unter: www.turmdersinne.de


ANMELDUNG:
Generell werden Kartenreservierungen empfohlen und sind bei einigen Veranstaltungen obligatorisch!
Rechtzeitige Anmeldung für alle Veranstaltungen bis Donnerstag, 10.3.2011 über die
turmdersinne gGmbH per Telefon: 0911 9443281 oder per E -Mail: info@turmdersinne.de.
Die Anmeldung für die Kinoveranstaltung am 12.3. läuft direkt über das Kino Casablanca Tel. 0911 454824 bzw. E-Mail an: reservierung@casablanca-nuernberg.de.
Die Kartenreservierung für die Lesung im Zeitungscafé „Hermann Kesten“ wird empfohlen über das Bildungszentrum Stadt Nürnberg, Tel. 0911 2315827 oder über die turmdersinne gGmbH, Tel. 0911 9443281, info@turmdersinne.de.

Bitte beachten:
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs bis spätestens 10. März 2011 bearbeitet. Anmeldung ist auch telefonisch unter 0911 9443281 bis zum Vortag der Veranstaltung möglich. Die Platzreservierungen müssen spätestens 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn eingelöst werden. Danach werden die Plätze nach Eintreffen vergeben. Zahlung aller Veranstaltungen vor Ort.
Ermäßigung gilt für Schüler und Studenten sowie für turmdersinne-Förderkreis-Mitglieder und Mitarbeiter von Partnerunternehmen des turmdersinne.

Montag, 7. Februar 2011

Künstler mit Augenfehlern

Es heißt, dass  Maler und Bildhauer ein besonders gutes Auge besitzen. In einer bestimmten Hinsicht allerdings, nämlich bei der Tiefenwahrnehmung, scheinen bildende Künstler nicht besser, sondern schlechter zu sehen als der Durchschnitt. Darauf deutet jedenfalls eine Studie der Harvard Medical School (Boston) hin.

Die Neurobiologin Margret Livingstone und ihre Forschungsgruppe führten dafür zwei Untersuchungen durch. Den Anfang machte ein Experiment zum räumlichen Sehen, an dem 403 Kunststudenten und 190 Studierende anderer Fachrichtungen teilnahmen. Ihre Aufgabe war es, auf einem Monitor die dreidimensionale Computergrafik eines Quadrats anzuschauen und festzustellen, ob das Quadrat vor, hinter oder auf gleicher Höhe wie der Bildschirm schwebte. Die Kunststudenten schnitten dabei durchschnittlich schlechter ab als ihre Kommilitonen aus anderen Fächern.

Für die zweite Untersuchung ließ Livingstone die Augenstellung von bekannten Künstlern und US-Kongressabgeordneten anhand von Augenausschnitten aus Porträtfotos untersuchen. Geprüft wurde, ob die Pupillen parallel ausgerichtet waren oder ein Schielen vorlag. Tatsächlich diagnostizierten die Experten bei der Gruppe der Künstler häufiger ein leichtes Schielen. Diese Augenfehlstellung wirkt sich vielfach negativ auf die Tiefenwahrnehmung aus und engt die Berufswahl erheblich ein.

Was etwa den Weg zur Pilotenlaufbahn verschließt, ist andererseits für bildende Künstler von Vorteil, vermuten die Forscher. Die Betroffenen sind bei der Einschätzung von räumlichen Entfernungen stärker auf Perspektive, Licht und Schatten angewiesen – also genau auf die Informationen, die auch Maler und Zeichner realistisch wiedergeben müssen, um auf einem flachen Untergrund die Illusion von Räumlichkeit zu schaffen.

Einen außergewöhnlichen Zugang zum dreidimensionalen Sehen hat die Malerin Dorle Wolf gewählt, die derzeit eine Auswahl ihrer Arbeiten im Museum turmdersinne zeigt. Ihre Stereobilder entfalten beim Betrachten mit einer Chroma-Depth-Brille eine dreidimensionale Wirkung.
Die Ausstellung läuft noch bis 22. Mai 2011, die nächste Sonderführung findet am 4. März 2011 statt.
Anmeldung erforderlich: Tel. 09 11 - 944 32-81, Fax: -69; Mail: info@turmdersinne.de

Inge Hüsgen