News

Freitag, 21. Januar 2011

Klassiker Komponieren leicht gemacht

Wie komponiert man ein Musikstück, das auch nach Jahrhunderten noch begeisterte Zuhörer findet? Der australische Wissenschaftler Nicholas Hudson hat jetzt möglicherweise das Erfolgsrezept für Klassiker entdeckt: Zeitlose Musik hört sich kompliziert an und lässt sich vom Gehirn dennoch auf einfache Strukturen reduzieren, so das Fazit seiner jetzt veröffentlichten Forschungsarbeit.

Offenbar arbeitet das Denkorgan in diese Hinsicht ähnlich wie ein Computerprogramm zur Datenkompression. Mit einer solchen Software ermittelte Hudson zunächst das Kompressionspotenzial von verschiedenen Musikstücken. Das heißt, er testete, wie stark sich ihre Information reduzieren lässt, ohne dass die typischen Merkmale des Stücks verlorengehen. Je mehr Wiederholungen das Programm findet – und löscht – und je deutlicher es regelmäßige Muster entdeckt, desto größer das Kompressionspotenzial eines Stückes.

Das geringste Kompressionspotenzial (14 Prozent) fand Hudson bei Lärm. Das andere Ende der Skala markierte Beethovens 3. Symphonie, auch bekannt als "Eroica",  die sich um 59 Prozent reduzieren ließ. Dazwischen lagen diverse Techno-, Pop- und Rockstücke wie Andy Vans “Theme from Bubbleman”, “I should be so Lucky” von Kylie Minogue und “White Wedding” von Billy Idol mit 68.5, 69.5 und 57.5 Prozent.

Hudson vermutet, dass ein hohes Kompressionspotenzial entscheidend zum Musikgenuss beiträgt. Seit langem sind das Herunterbrechen von Komplexem auf Einfaches und das Erkennen von Mustern als Paradedisziplinen des Gehirns bekannt. Auf diese Weise ordnet es die unablässig über die Sinnesorgane eingehende Reizflut. Hudson: „Demnach ließe sich der Grad des Vergnügens an einem Musikstück voraussagen anhand der Diskrepanz zwischen der anfangs von den Ohren wahrgenommenen, offensichtlichen Komplexität und der tatsächlichen, erst später entdeckten Einfachheit.“

Inge Hüsgen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen