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Freitag, 23. Dezember 2011

Weihnachtsferien im turmdersinne

Alle Geschenke sind gekauft, der Baum wartet aufs Lametta und im turmdersinne laufen die letzten Vorbereitungen für die Aktionen in den Weihnachtsferien.

Nach einer Mini-Pause über die Feiertage am 24,. 25. und 26. Dezember 2011 öffnet das Hands-on-Museum am Dienstag, 27. Dezember wieder die Pforten, und zwar täglich mit verlängerten Öffnungszeiten in den Weihnachtsferien: Von jeweils 10 bis 18 Uhr ist genügend Muße, um mit der ganzen Familie die Welt der Wahrnehmung zu erforschen. Am 31.12.2011 bleibt das Museum geschlossen.

Ein Highlight des Ferienprogramms ist das Quiz für junge Besucher zwischen 8 und 15 Jahren. Nur wer genau hinsieht und klug kombiniert, knackt mit Hilfe der Experimentierstationen die kniffligen Knobelfragen. Mitmachen lohnt sich: unter den Teilnehmern werden kleine Preise zum Staunen und Experimentieren verlost.

Am 28. Dezember, 14 bis 16 Uhr, steht außerdem eine Gedächtnisführung auf dem Programm. Information und Voranmeldung tel.: 0911 / 9443281 oder per E-Mail: info@turmdersinne.de.

Übrigens: Die Sonderausstellung „Einsichten“ ist noch bis 8. Januar 2012 zu sehen.

Das Team des turmdersinne wünscht angenehme Feiertage und alles Gute im neuen Jahr!

Dienstag, 29. November 2011

Kuratorenführung durch die Sonderausstellung

Am kommenden Freitag, 2. Dezember 2011, bietet das Museum turmdersinne noch einmal die Gelegenheit die aktuelle Sonderausstellung "Einsichten" in einer Führung kennenzulernen. Durch die Ausstellung führt Jana Marks, die gemeinsam mit Claudia Muth das Konzept entwickelt hat.

Die Ausstellung mit dem Untertitel "Künstlerische Perspektiven auf Wahrnehmungsmechanismen" versammelt noch bis 9. Januar 2012 ein breites Spektrum an Malerei, new media art, digitale Fotografie und Lichtkunst.

Während die Bilder der Nachwuchskünstlerin Julia Brielmann an die Op-Art der 1960er Jahre erinnern, widmet sich Akbar Akbarpour mit seinen pastosen Ölgemälden der menschlichen Gestalt. Jedoch nicht, um sie naturalistisch abzubilden, sondern um ihren inneren Ausdruck zu erforschen.

Neugierde gegenüber optischen Phänomenen weckt die interaktive Installation "Licht//spiel" von Anja Kurz, die zum Ausprobieren von Phänomenen wie Lichtbrechung, Streuung und Reflexion einlädt.

Die Fotografin Lisa Lütjens hat mit der Kamera Momente und Details festgehalten, die dem Auge normalerweise verborgen bleiben. Dabei durchbricht sie nicht selten die Grenze der Erkennbarkeit und fordert so die Wahrnehmung des Betrachters heraus.

Jochen Kuhn und Marc Böttler sind mit zwei sehr unterschiedlichen Animationsfilmen vertreten. Während Kuhn, Professor an der Ludwigsburger Filmakademie, die Skizzen für seinen Kurzfilm "Neulich 2" direkt unter der Kamera gezeichnet hat, entstand Marc Böttlers Musikanimation "Grapes" komplett am Computer. Abgerundet wird die Ausstellung mit einem Dokumentarfilm über den südafrikanischen Künstler William Kentridge.

Bei aller Vielfalt ist den gezeigten Kunstwerken dennoch eines gemein, wie die Ausstellungsmacherinnen erläutern:
Alle Arbeiten spielen mit unserer Wahrnehmung, indem sie stets ihre eigene Erkennbarkeit in Frage stellen. So führen die Künstler mittels Dekonstruktion, Perspektive, Bewegung, Licht und Abstraktion die menschliche Wahrnehmung an ihre Grenzen. Wer sich den Herausforderungen stellt und sich auf das Spiel mit der Mehrdeutigkeit einlässt, wird mit einer Einsicht belohnt – sei es in Form eines Erkennens auf der Wahrnehmungsebene oder einer reflexiven Einsicht in eigene Wahrnehmungsmechanismen.

Kuratorenführung mit Jana Marks:
Freitag, 02.12.2011, 18 Uhr,
Hands-on-Mueum turmdersinne am Westtor (Spittlertorgraben/Ecke Mohrengasse), 90429 Nürnberg.
Der Preis für die Sonderausstellung ist im Museumseintritt inbegriffen.

Um Voranmeldung wird gebeten:
Tel. 0911 / 944 32 81,
E-Mail: info@turmdersinne.de.

Inge Hüsgen



Montag, 28. November 2011

Tom Troscianko 1953-2011

Der Psychologe und Wahrnehmungsforscher Tom Troscianko ist am 16. November 2011 in Amsterdam verstorben. Er befand sich auf der Reise zu einem Vortrag in Mainz.

Troscianko war Professor für experimentelle Psychologie an der Universität Bristol (England). Im März diesen Jahres stand er als gefeierter Referent bei der Veranstaltung „Science meets Coemdy“ im Rahmen der Nürnberger brainWEEK auf der Bühne.

Vor dem Physikstudium war Tom Troscianko zunächst als Techniker tätig. Nach seiner Promotion über Fragen der visuellen Wahrnehmung und der Optometrie ging er 1978 an die Universität Bristol, wo er zunächst bei Richard Gregory Forschungen über Sehsinn und Gehör des Menschen durchführte.

Zu  seinen späteren Forschungsgebieten gehörten unter anderem der Einfluss der natürlichen Umgebung auf die Organisation des Gehirns und die Wahrnehmung von Farben. Ferner wirkte Troscianko an der Entwicklung künstlicher Sehsysteme für Roboter mit und erstellte ein Computermodell der Wahrnehmung von Unterschieden zwischen Bildern. Auf seine Initiative geht auch die Gründung des Bristol Vision Institute zurück, einer interdisziplinären Einrichtung zur Erforschung der visuellen Wahrnehmung.

Es war ein besonderes Anliegen Trosciankos, der Öffentlichkeit die Faszination und den Spaß an neuen Erkenntnissen zu vermitteln. In einem Interview mit dem turmdersinne-Newsletter SinnesOrgan 2010 sagte er dazu:
„Es gehört zu den großen Freuden des Lebens zu begreifen, dass man nicht ernst sein muss, um über ernste und wichtige Themen zu sprechen. Und doch hat sich die Wissenschaft aus irgendeinem seltsamen Grund lange Zeit von diesem Gebiet ferngehalten. Vielleicht fürchten wir, dass die Regierung unsere Forschungsgelder streicht, wenn wir keinen ernsthaften Eindruck machen. Dennoch müssen wir begreifen, dass unsere Arbeit nicht an Wert verliert, wenn sie mit Humor präsentiert wird.”
Das turmdersinne-Team hat bestürzt auf die überraschende Todesnachricht reagiert:
"Wir haben Tom Troscianko als umtriebigen und inspirierenden Wissenschaftler kennengelernt, der das Nürnberger Publikum in seinen Bann gezogen hatte. Für viele war Tom Troscianko eine 'Seele' der percepition community, die ihn schmerzlich vermissen werden. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und Freunden."
so turmdersinne-Geschäftsführer Rainer Rosenzweig.


Inge Hüsgen

  • Nachruf von Prof. Ian Gilchrist, Neuropsychologe

Sonntag, 20. November 2011

Geschenktipp: Symposiumsband "Mann, Frau, Gehirn"



Einen richtigen Kerl, den erkennt man am gekonnten Einparkmanöver. Und wenn der Schuhschrank überfüllt ist, was kann die Besitzerin dafür? So sind Frauen nun mal. Oder etwa nicht?! Mit Gemeinplätzen über angeblich angeborene Unterschiede von Männer- und Frauenhirn hat das Autorenduo Allan und Barbara Pease Millionenauflagen erzielt. Genau dieselben Differenzen werden von der Genderforschung pauschal auf kulturellen Einfluss zurückgeführt - und die Öffentlichkeit verfolgt die Debatte gespannt.

Was Psychologen und Naturwissenschaftler über männliches und weibliches Denken herausgefunden haben, war Thema des Symposiums turmdersinne 2010 - das übrigens mehr Besucher anzog als jede Vorgängerveranstaltung.

In diesen Tagen ist in bewährter turmdersinne-Tradition der Band mit den gesammelten Referentenbeiträgen zum Nachlesen erschienen. Wie schon das Symposium verschafft das kompakte 174-Seiten-Buch einen runden  "Gesamteindruck von den natürlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern, ihrer Entstehung, ihren Auswirkungen und ihrer kulturellen Verarbeitung", so Mitherausgeber Helmut Fink in seiner Einleitung.
Von der Neurowissenschaft über die Humanbiologie und Medizin bis zur Psychologie spannt sich der Bogen, auch Evolutionsbiologie und Primatologie tragen zum Gesamtbild bei.

Aus dem Inhalt:
  • Onur Güntürkün (Biopsychologe): Gehirn und Geschlecht. Inwiefern unterscheiden sich Männer und Frauen in Gehirnstruktur und -funktion?
  • Karl Grammer, Elisabeth Oberzaucher (Humanethologen), Iris J. Holzleitner (Anthropologin) : Sexy Gehirne. Evolution, Hormone und Denken.
  • Elisabeth Oberzaucher, Anna Maria Keber: Immer der Nase nach. Wie Gerüche unser Denken beeinflussen.
  • Paul-Martin Holterhus: Intersexualität. Gene, Hormone und Geschlecht.
  • Claudia Quaiser-Pohl: Psychologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Fakten, Irrtümer, Erklärungsansätze.
  • Petra Jansen: Zwischen Mythos und Realität. Geschlechtsunterschiede in den räumlichen Fähigkeiten.
  • Ferdinand Knauß: Das Tabu der Gender-Theorie. Geisteswissenschaftliche Geschlechterforschug und die Biologie.
  • Johannes Johow, Eckart Voland: Das geteilte Leben. Evolutionäre Gründe der Geschlechterdifferenz.
  • Volker Sommer: Mann und Frau als Männchen und Weibchen. Sexualbiologie bei Primaten.
Abgerundet wird der Band durch ein Glossar der verwendeten Fachbegriffe.


Helmut Fink, Rainer Rosenzweig (Hrsg.):
Mann, Frau, Gehirn. Geschlechterdifferenz und Neurowissenschaft.
mentis Verlag, Paderborn 2011, € 29,80, ISBN: 978-3-89785-759-6

Mehr zum Symposium turmdersinne 2010:
Inge Hüsgen

Freitag, 11. November 2011

"Geist im Turm": Das Weltbild der modernen Physik

“Geist im Turm“, die philosophische Gesprächsreihe des turmdersinne, hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Institution etabliert. Einmal im Jahr, zum UNESCO-Welttag der Philosophie am dritten Donnerstag im November, lädt turmdersinne-Referent Helmut Fink einen Experten aus Philosophie, Wissenschaft oder Didaktik zur geistreichen Diskussion ein. Um Wahrnehmung, Wissen und Wissenschaft geht es dabei - um ihre Grundlagen und ihre Grenzen.
Heuer wartet "Geist im Turm" mit gleich zwei Neuerungen auf: Die Veranstaltung am 17.11.2011 findet, anders als gewohnt, nicht im Turm, sondern erstmals im Kuppelsaal des Nürnberger Planetariums statt - natürlich in gewohnt lockerer Atmosphäre. Zweitens folgt dem einführenden Gespräch ein kompakter Vortrag mit Diskussion.

Als Gesprächspartner begrüßt Helmut Fink den Physiker Prof. Dr. Peter Mittelstaedt aus Köln, einen ausgewiesenen Experten für Grundlagenfragen der modernen Physik. Mittelstaedt leitete über Jahrzehnte als Lehrstuhlinhaber eine Arbeitsgruppe zu Interpretationsfragen der Quantentheorie. Als Gastgeber internationaler Symposien, Herausgeber und Autor zahlreicher Fachbücher sowie als einer der führenden Vertreter der Quantenlogik ist er in der Fachwelt ein Begriff.

Die Besucher dürfen sich auf ein Gespräch mit breitem Themenspektrum freuen. Im Mittelpunkt werden nicht nur philosophische Fragen der Quantentheorie und Relativitätstheorie stehen, sondern auch Mittelstaedts Werdegang als Forscher und seine Erinnerungen an berühmte Kollegen wie Werner Heisenberg und Carl-Friedrich von Weizsäcker.

Im anschließenden Vortrag erläutert Mittelstaedt grundlegende philosophische Probleme der modernen Physik, wie etwa die mangelnde Anschaulichkeit quantenmechanischer Beschreibungen und das umstrittene Verhältnis von Quantentheorie und klassischer Physik.

Zur Einstimmung im Folgenden ein Auszug aus dem Vorab-Interview, das Helmut Fink mit Peter Mittelstaedt für den turmdersinne-Newsletter SinnesOrgan führte:

Ihre frühesten Arbeiten behandeln Themen der Kernphysik. Was hat Ihren Wechsel hin zu den reinen Grundlagenfragen ausgelöst?

Peter Mittelstaedt: Mein Interesse an Grundlagenfragen war schon zu Beginn meines Studiums vorhanden. Ich habe mich daher parallel sowohl für Grundlagen der Physik als auch für Kernphysik interessiert.

In Kernphysik habe ich meine Diplomarbeit geschrieben (1954) und meine Doktorarbeit (1956). Die erste Publikation im Bereich der Grundlagen über „Quantenlogik“ erschien 1959. Ich habe dann viele Jahre beide Gebiete parallel bearbeitet und die Beschäftigung mit Kernphysik erst 1970 beendet.

In den 50er Jahren war Kernphysik ein sehr interessantes Gebiet, das weltweit von bedeutenden Wissenschaftlern bearbeitet wurde, später verlor es allmählich diesen privilegierten Status. Ein „Wechsel“ hat daher nicht stattgefunden.

Sie haben in den 50er Jahren bei Werner Heisenberg gearbeitet, der mit Niels Bohr zusammen die sogenannte Kopenhagener Deutung der Quantentheorie entwickelt hat. Was halten Sie von dieser Deutung?

Diese Deutung war in den 50er Jahren schon fast Vergangenheit und wurde nur von wenigen bekämpft. Sie war nicht positivistisch, nicht idealistisch, wie ihr oft besonders von Marxisten vorgeworfen wurde, sondern eine sehr einfache instrumentalistische Beschreibung der Quantentheorie, die keine wirklich neuen Erkenntnisse geliefert hat.

In Schulbüchern wird immer wieder der Welle-Teilchen-Dualismus betont. Ist das ein guter Ansatz, um die Quantentheorie zu verstehen?

Nein, denn der vermeintliche Dualismus hat lange Zeit das Verständnis der Komplementarität und der Unschärferelation im individuellen Fall erschwert und behindert.

Gibt es eine besondere Rolle des Beobachters in der Quantenphysik?

Nein, denn der Beobachter ist in allen Bereichen der Physik, besonders in der modernen Physik, von großer Bedeutung. Er wird nur meistens nicht besonders thematisiert.

Was halten Sie von der Vielwelteninterpretation der Quantentheorie?

Sehr viel, denn die Vielwelteninterpretation ist das genaue Abbild der konkret vorliegenden Quantentheorie der Messung im Sinne von Johann von Neumann. Sie ist keine alternative Deutung der Quantentheorie, sondern nur ein prägnanter Ausdruck für das, was die Quantentheorie aussagt, und was die Interpretation der Theorie eigentlich nur hätte hervorheben müssen, es aber vor Everett und Wheeler nicht tat.

Welche Erkenntnis der modernen Physik hat Sie am meisten überrascht?

Da physikalische Erkenntnisse nicht vom Himmel fallen, sondern sich über viele Jahre allmählich anbahnen, habe ich neue Erkenntnisse nie als Überraschung erlebt.

Fragen: Helmut Fink

Donnerstag, 17.11.2011, 19.30 Uhr
Geist im Turm: Das Weltbild der modernen Physik - Relativitätstheorie, Quantentheorie und ihre realistische Interpretation.
Kooperationsveranstaltung turmdersinne/Nicolaus-Copernicus-Planetarium

Karten: 7,- €/erm. 5,- €, Vorverkauf über das Bildungszentrum Nürnberg (Kurs 00874) oder an der Abendkasse.
Kontakt: Helmut Fink, Tel. 0911-944328 oder per Mail.

Freitag, 28. Oktober 2011

Herbstferien im turmdersinne

Endlich Wochenende, endlich Herbstferien!

Für die nächsten zwei Wochen hat das Team des turmdersinne wieder ein spannendes Programm zusammengestellt.

Los geht es schon am morgigen Samstag, wenn ab 18.30 Uhr der Geschichtenerzähler Michl Zirk mit seinem Programm „Unwahrscheinlich. Schön. Traumhaft“ im Museum gastiert. Im Gepäck hat er auch diesmal wieder viele komische, spannende und schöne Geschichten für alle Zuhörer ab acht Jahren.

Das Zirk ein wahrer Meister des improvisierten Erzählens ist, wissen nicht nur Besucher des turmdersinne. Schon 2006 belegte er beim Festival der besten deutschsprachigen Märchen- und Geschichtenerzähler den dritten Platz.

Nun verwandelt er mit seinen unterhaltsamen Kurzgeschichten für Jung und Alt das oberste Stockwerk des Turms für eine knappe Stunde in eine Erzählbühne.

Tipp: Mit dem Kombiticket „Geschichten + Turm“ können Besucher die Experimentierstationen des Erlebnismuseums bereits ab 17 Uhr erkunden. Das Kombiticket ist für 12,- € (ermäßigt: 9,- €) an der Museumskasse erhältlich.

Unheimlich und schaurig-schön geht es am Montag, 31. Oktober 2011 im Turm zu. Kein Wunder, denn zu Samhain („Halloween“) öffnet der historische Stadtturm seine Pforten für alle Gruselgestalten. Also noch schnell ein Hexen- Geister- oder Zombiekostüm gebastelt! Jeder Besucher mit Kostüm darf sich auf eine gruslig-süße Überraschung freuen.

Während der gesamten Herbstferien (29.10-6.11.2011) findet zudem ein kniffliges „Schlangenrätsel“ für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren statt. Mitmachen lohnt sich: Wer die Fragen schlau entwirrt und das richtige Lösungswort findet, kann mit etwas Glück einen von vielen Preisen rund ums Staunen und Experimentieren gewinnen.

Geöffnet hat der turmdersinne in dieser Zeit täglich, also auch montags, von 10-18 Uhr.
Kontakt: Jana Marks, Tel. 0911 / 94432-81

E-Mail: info@turmdersinne.de.
Aktuelle Informationen hier.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Symposiums-Nachlese

Dass unser Verhalten entscheidend vom Gehirn kontrolliert wird, zeigte nicht erst die "Frau ohne Angst", über die wir hier berichtet haben. Forschungsgeschichte schrieb im 19. Jahrhundert der Fall des Bahnarbeiters Phineas Gage, der nach einer schweren Hirnverletzung von einem umgänglichen zu einem impulsiven, unzuverlässigen Menschen wurde. Eine Veränderung hin zur Kriminalität dokumentiert der Bericht über einen Patienten, der gleichzeitig mit einem Hirntumor pädophile Neigungen entwickelte. Nach Entfernung des Tumors verschwand auch das pädophile Verhalten.

Wenn das Gehirn Menschen zu Verbrechern macht, steht die Rechtsprechung vor einem Problem. Darf eine Gesellschaft Kriminelle auch dann bestrafen, wenn sie gar nicht anders konnten, als die Tat begehen? Wie ist es dann um den freien Willen bestellt – immerhin eine Grundlage unserer Rechtsprechung? Müssen wir unser Strafrecht an den Stand der Forschung anpassen?

Um Fragen wie diese ging es auf dem Symposium turmdersinne 2011, das am Wochenende vor ausverkauftem Haus im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg stattfand. Die ausführlichen Diskussionen können jedoch an dieser Stelle nur angerissen werden. Zur Vertiefung seien die Vortragsfolien der Referenten empfohlen. 

Auf der einen Seite stehen Hirnforscher und Neurobiologen - Wissenschaftler, die sich längst vom Konzept des freien Willens verabschiedet haben. „Der freie Wille ist eine Illusion“, konstatiert etwa Gerhard Roth, der mit einem ausführlichen Vortrag am Freitagabend in die Thematik einführte.

Entsprechend kritisch beurteilt er die gängige Strafpraxis. Das vielfach praktizierte Wegschließen von Tätern sei wegen der immensen Kosten und der hohen Rückfallquoten nur als Mittel letzter Wahl akzeptabel. Statt dessen forderte Roth erheblich mehr Raum für Therapiemaßnahmen, wie die Früherkennung von gefährdeten Kindern und psychosoziale Präventionsmaßnahmen, deren bisherige Ergebnisse er positiv beurteilt. Für andere Maßnahmen, wie Psychotherapien und Anti-Gewalttraining, werden zwar unterschiedliche Erfolgsquoten genannt, insgesamt ist Roth jedoch überzeugt: „Jeder Schwerverbrecher in einem gewissen Maß therapierbar."

Eine grundlegende Reform des Strafrechts wird auch von einem weiteren Referenten, dem Psychologen Hans J. Markowitsch, gefordert. Doch nur zögernd finden diese Überlegungen Eingang ins Strafrecht. Zwar berücksichtigt die Rechtsprechung hirnphysiologische Ursachen für Straftaten. Dass dies nur in bestimmten Fällen geschieht, während in anderen Motive und Charakter als Ursache betrachtet werden, kritisierte  die Rechtswissenschaftlerin Grischa Merkel. Mentale Zustände lassen sich auf Gehirnaktivitäten zurückführen und seien damit physikalisch erklärbar und eingebunden in Ursachenzusammenhänge, argumentierte Merkel. Jede menschliche Persönlichkeit werde durch Genetik, Erfahrungen  und letztlich durch Zufallsprozesse festgelegt. Warum also solle das Gehirn nur bei einer Sorte von Tätern Ursache sein?

Ob die Debatte um die Willensfreiheit einen tragfähigen Schuldbegriff hinterlässt - wie es der Moderator Helmut Fink in der abschließenden Podiumsdiskussion formulierte - diese Frage blieb unte den geladenen Fachleuten indes umstritten.

Der Jurist und Philosoph Michel Friedman betrachtet den freien Willen als eine Art modernes Wohlfühl-Konstrukt, das bei Beurteilenden den Rachegedanken abgelöst hat. Wer einen anderen zur Verantwortung zieht, übt eine Form von Macht aus, so Friedman. Die Postulierung des freien Willens solle dafür sorgen, dass man sich dabei gut fühlt. Am Konzept der Verantwortung hält Friedman fest, doch besteht nach seiner Ansicht keine Notwendigkeit, Verantwortung in ein Konzept des freien Willens einzubinden.

Weiter plädierte Friedman für eine Streichung des Wortes Schuld aus dem Strafrecht. Auch Hans Markowitsch distanzierte sich deutlich von diesem Begriff. Seine Argumentation: Jeder Mensch ist determiniert durch genetische Anlagen, Umwelteinflüsse, Lebenssituation, Zufall. Folglich ist es unsinnig, bei Straftaten von Schuld zu sprechen. Der Delinquent musste handeln wie er es tat, weil er keine Handlungsalternative hatte. Wenn aber niemand schuldfähig im bisher gültigen juristischen Sinn sein kann, brauchen wir eine gründliche Reform des Rechtssystems und einen anderen Umgang mit Straftätern.

Mit der Unterscheidung zwischen schuldfähig und schuldunfähig stellte der Philosoph Ansgar Beckermann ein anderes Konzept zur Diskussion. Demnach sei es unfair, alle Rechtsbrecher gleich zu bestrafen. Unwissentliche Täter - wie Ödipus, der ahnungslos Inzest beging - müssten anders behandelt werden. Das Gleiche gelte für krankhaft Schuldunfähige. Derartige Differenzierungen müssten wir, so Beckermann, als Kulturleistung erhalten.

Sicher, vom übergreifenden Konsens in Frgen zu Verantwortung und Willensfreiheit ist die Fachwelt noch weit entfernt. Das Symposium vermittelte jedoch einen umfassenden Überblick über die unterchiedlichen Positionen und Argumente.

Schon jetzt vormerken: Symposium turmdersinne 2012. Unter dem Titel „Das Tier im Menschen“ stehen dann Triebe, Reize, Reaktionen im Zentrum der Debatte. Die Veranstaltung findet im Oktober 2012 statt, Progamm und genaue Termine werden noch bekanntgegeben.
Anmeldung ab Frühling 2012, aktuelle Informationen hier oder bei Twitter, Hashtag #symp2012

Inge Hüsgen

Samstag, 24. September 2011

Der Geschichtenerzähler kommt


Mit unwahrscheinlichen, traumhaften und schönen Geschichten entführt Michel Zirk seine Zuhörer in die Welt der Vorstellungskraft. Im Herbst macht der Geschichtenerzähler Station im Hands-on-Museum turmdersinne.

Für kleine und große Besucher ab acht Jahren bringt Michl Zirk unglaublich komische, unglaublich spannende und unglaublich schöne Geschichten mit.

Termine:
• Samstag, 29.10.2011, 18:30 Uhr,
• Donnerstag, 24.11.2011, 18:30 Uhr.

Ort: turmdersinne am Westtor: Spittlertorgraben/Ecke Mohrengasse.

Anfahrt: Straßenbahnlinie 4 und 6 sowie Buslinie 36, Haltestelle "Obere Turnstraße" (ca. 200 m Fußweg), oder mit der U1/U11, Haltestelle "Weißer Turm" (ca. 250 m Fußweg).

Preis: Kombi-Ticket: 12 € (erm. 9 €) inklusive Museumseintritt am Tag der Veranstaltung ab 17 Uhr.

Voranmeldung unter info@turmdersinne.de oder unter Tel. 0911- 944 32 81.

Weitere Infos hier.

Donnerstag, 8. September 2011

Wie wir "verdrahtet" sind, so sehen wir

Erstaunlich, dass wir die Welt als ein Ganzes wahrnehmen. Denn die beiden Hälften unserer Großhirnrinde sind nur an wenigen Stellen durch Nervenstränge miteinander verknüpft, von denen der dickste Corpus Callosum genannt wird. Dass individuelle Unterschiede im Aufbau des Corpus Callosum zu unterschiedlichen subjektiven Wahrnehmungen führen, hat nun ein Forscherteam um Erhan Genç vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main gezeigt. Bei Probanden mit dickeren Nervenfasern im Corpus Callosum fügen sich die Sehinformationen aus beiden Hemisphären schneller zusammen.

Die Wissenschaftler wollten in ihrem Versuch herausfinden, wie das Gehirn die Wahrnehmungen beider Hemisphären zu einem kohärenten Bild zusammenfügt. Dazu verwendeten sie eine mehrdeutige Bewegungsillusion namens „Motion Quartet“. Vier statische, in Zweierreihen untereinander angeordnete Einzelbilder mit blinkenden Punkten vermitteln den Eindruck einer Bewegung. Entweder scheint es, als würden die Punkte auf und ab oder aber seitwärts springen.
Senkrecht oder waagerecht, dies macht für die Arbeitsorganisation im Gehirn einen grundlegenden Unterschied aus. Für die senkrechte Bewegungsillusion ist ausschließlich die jeweils gegenüberliegende Hirnhälfte zuständig, während zur Wahrnehmung der waagerechten Scheinbewegung die Sinnesdaten beider Hirnhälften integriert werden. Da die Kommunikation innerhalb einer Hemisphäre rascher geschieht als zwischen beiden, nehmen Betrachter hauptsächlich senkrechte Bewegungen wahr, doch variieren die bevorzugten Bewegungsrichtungen von Person zu Person und ändern sich mit dem Abstand zwischen den Quadraten. Ferner kommt es gelegentlich zu spontan wahrgenommenen Richtungsänderungen. Im Versuch ermittelten Genç und seine Kollegen  für jeden Probanden, bei welchen Proportionen des Motion Quartet beide Bewegungsrichtungen gleich oft vorkamen. 

Um herauszufinden, ob die festgestellten Unterschiede in der Hirnanatomie der Teilnehmer begründet sind, ermittelten die Forscher anschließend mittels Kernspintomografie den Durchmesser der Nervenfasern im Corpus Callosum. Es zeigte sich, dass sich bei Probanden mit einem größeren Faserdurchmesser die horizontale Scheinbewegung rascher einstellt. Die Forscher führen dies auf die schnellere Weiterleitung und Integration der Sehinformation aus den beiden Hirnhemisphären zurück. Erhan Genç sieht in dem neu entdeckten Phänomen einen vielversprechenden Ansatz für die zukünftige Erforschung der physiologischen Grundlagen unserer Wahrnehmung. „Es ist faszinierend, wie eng individuelle Unterschiede in der bewussten Wahrnehmung mit Unterschieden in der Architektur des Gehirns verknüpft sind“, so das Fazit des Wissenschaftlers.
Inge Hüsgen

Literatur:
Erhan Genç, Johanna Bergmann, Wolf Singer, and Axel Kohler:
Interhemispheric Connections Shape Subjective Experience of Bistable Motion.
Current Biology, 1. September 2011

Freitag, 2. September 2011

Workshop boxdersinne für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren

Die Exponate des turmdersinne können jetzt auch als mobiler Workshop angemietet werden, quasi als Museum 2Go. Alles, was man dafür braucht, passt in eine handelsübliche Aluminiumbox.

Bei der Entdeckungstour durch die boxdersinne stehen eine spannende Auswahl an Exponaten zum Ausprobieren und viele Anregungen zum aktiven Mitmachen bereit. Die jungen Forscher erfahren Wissenswertes rund um die Fragen "Wie funktionieren eigentlich unsere Sinne?" und  "Wann und warum täuschen wir uns?"

Die boxdersinne macht neugierig auf Wahrnehmungsphänomene und ihre Erklärungen. Vermittelt spielerisch Wissenswertes über aktuelle Erkenntnisse aus Wahrnehmungsforschung und Neurowissenschaften und hält viele Überraschungen bereit! Denn: „Eine der bedeutendsten Erfahrungen im Leben eines Menschen ist das Erlebnis, dass wir uns täuschen können“.

Es werden jedoch nicht nur die Tricks unserer Wahrnehmung aufgedeckt, der Workshop beinhaltet auch die Entwicklung und Herstellung von eigenen Exponaten. Diese dürfen am Ende selbstverständlich mit nach Hause genommen werden.
Nicole Seeberger

Dauer: 2,5 Std., Termin nach Vereinbarung

Wo? Im Raum Nürnberg, auf Anfrage
Preis: 220€
Weitere Informationen: info@turmdersinne.de


Dienstag, 30. August 2011

Neu: Forscherrundgang für Kinder

Warum sehen zwei Augen besser als eins?

Wie kommt es, dass wir beim Duft von gebrannten Mandeln sofort an einen Jahrmarkt denken?

Was verändert sich im Gehirn, wenn wir eine neue Sportart oder ein Musikinstrument erlernen?

Und wieso ist es eigentlich so schwierig, zwei verschiedene Dinge gleichzeitig zu tun?

Solchen Fragen gehen Kinder zwischen 7 und 9 Jahren beim „Forscherrundgang“ im Erlebnismuseum turmdersinne auf dem Grund.

Durch Selbstversuche, Erproben der Hands-on-Exponate und eigene Experimente lernen jungen Forscher spielerisch die Welt der Wahrnehmung und Wahrnehmungstäuschungen kennen. Am Schluss wird jeder mit einem richtigen Forscherausweis belohnt.

Los geht’s im Ames-Raum, wo die Kinder erleben, dass selbst ein Zimmer mit lauter schrägen Wänden aus einem bestimmten Blickwinkel „normal“, also rechtwinklig aussieht – weil wir es so gewohnt sind.

Auf der nächsten Station sind Spürnasen gefragt. Es geht darum, Düfte zu erkennen und zu beschreiben (schwieriger, als man meint), und die Nachwuchsforscher erfahren, dass ein Großteil dessen, was wir „Schmecken“ nennen, eigentlich in der Nase stattfindet.

Anschließend erforscht die Gruppe, wie das räumliche Sehen funktioniert. In Experimenten erleben sie, dass sich der „plastische“, dreidimensionale Seheindruck nur beim Sehen mit beiden Augen einstellt.

In weiteren kleinen Forschungsprojekten lernen die Kinder Wahrnehmung als aktiven – und deshalb täuschungsanfälligen – Prozess kennen: Wie wir die Welt wahrnehmen, wird mitbestimmt durch das, was das Gehirn schon weiß.

Außerdem erfahren sie im Selbstversuch und mit Hilfe von Homunkulus „Heiner“, dass das Tastempfinden je nach Körperstelle verschieden stark ausgeprägt ist. Und sie erleben, wie eng Wahrnehmung und Handlung miteinander gekoppelt sind.

Der Forscherrundgang ist für Gruppen ab 8 Kindern konzipiertund eignet sich für Kinderhorte, Schülertreffs oder auch für den ganz besonderen Kindergeburtstag.

Informationen und Buchung: info@turmdersinne.de

Samstag, 30. Juli 2011

Erst Arschbombe, dann Hirnknoten

Endlich Sommerferien! Und hey - für nächste Woche ist Badewetter angesagt!

Dann aber nichts wie ab zum Schwimmen - beispielsweise ins neu eröffnete Nürnberger Westbad! Jeden Tag können sich die ersten 20 Badegäste mit Ferienpass über einen 1-Euro-Gutschein für das Museum turmdersinne freuen.

Übrigens: Mit dem Ferienpass erhalten Nürnberger Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren in den ganzen Sommerferien (Montag, 1. August bis einschließlich Montag, 12. September 2011) freien Eintritt in viele Museen sowie Bäder und andere Sportstätten. Eine Reihe von weiteren Freizeiteinrichtungen bieten einmaligen freien Eintritt oder Ermäßigung an. Es lohnt sich also!

Der Ferienpass kostet 6 Euro und ist hier erhältlich: 
  • Jugendamt, Dietzstraße 4, 90433 Nürnberg, Öffnungszeiten Montag bis Freitag 8.30-12.30 Uhr
  • Amt für Allgemeinbildende Schulen, Hauptmarkt 18, 90403 Nürnberg, Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag 8.30-15.30 Uhr.
  • Ab Montag, 30. Juli 2011, gibt es den Ferienpass auch an den Kassen der städtischen Freibäder.
Inge Hüsgen

Mittwoch, 13. Juli 2011

Astrologie im Planetarium

Es wird noch ein turbulentes Jahr, machen wir uns nichts vor. Jedenfalls, wenn wir den der Astrologin Susanne Eder glauben wollen.

Vor allem im Rest-Juli und im August steht uns so einiges bevor: Und wer hat es uns eingebrockt? Na, Uranus und Pluto natürlich. Schreibt zumindest die Astrologin:

Sehen wir uns an, wofür diese beiden Planeten eigentlich stehen: URANUS steht für plötzliche Ereignisse, Explosionen, Elektrizität, Flugzeuge, Reformen, Astrologie, Überraschungen, Gruppenaktivitäten und Soziales, Abenteuer und Ungewöhnliches. PLUTO steht für Finanzen, Steuern, Banken, Versicherungen, Macht, Gewalt, Transformation, Tod, Operationen, Atomkraft, Okkultismus, Sexualität.
In den nächsten Wochen kann demnach so ziemlich alles passieren. Geht’s vielleicht ein bisschen präziser?
Offenbar nicht, denn vage Voraussagen sind eine Spezialität der Zukunftsdeuter.

Unglaublich, dass trotzdem noch so viele Menschen der Astrologie vertrauen.

Findet auch Michael Kunkel. Jedes Jahr im Dezember wertet der Wuppertaler Mathematiker in seinem Wahrsagercheck die Jahresprognosen von Astrologen, Wahrsagern und Hellsehern aus – und immer machen die Propheten dabei eine schlechte Figur. Schwurbelige Allerweltsaussagen, ein paar Zufallstreffer und immer wieder verheerende Fehlprognosen.

Astrologie, was ist das überhaupt?
"Die" Astrologie gibt es gar nicht. Unmengen von Schulen konkurrieren miteinander, arbeiten teils mit widersprüchlichen Ansätzen. Manche berufen sich auf uraltes Wissen, andere auf exakte Wissenschaft. Auf diese Weise könne man nicht nur in die Zukunft blicken, sondern - durch ein Geburtshoroskop - auch den Charakter eines Menschen erkennen. Wirklich? Warum schmiert die Astrologie dann bei kontrollierten Tests regelmäßig ab? Wieso das alljährliche Debakel beim Wahrsagercheck? Und weshalb scheitern Astrologen im Versuch daran, Probanden ihr Horoskop zuzuordnen?

Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte sich den kommenden Mittwoch, 20. Juli 2011 freihalten. Dann nämlich wirft Michael Kunkel im Nürnberger Planetarium einen "anderen Blick in die Sterne" - so der Titel seines Vortrags. Der Vortrag ist Abschluss der fünfteiligen Veranstaltungsreihe "Außer Sinnen", die der turmdersinne gemeinsam mit dem Nicolaus-Copernicus-Planetarium organisiert hat.

Hier noch einmal das Gesamtprogramm.

Der Vortrag:
Michael Kunkel:
Der andere Blick in die Sterne.
Astrologie in der Diskussion
Mittwoch, 20. Juli 2011, 19 Uhr
Nürnberger Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg

Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00881

Zum Weiterlesen:

  • Hergovich, A. (2005): Die Psychologie der Astrologie. Hans Huber, Bern.
  • Much, T. (2007): Aberglaube und Astrologie. Was taugen Horoskope? Edition VaBene, Klosterneuburg.
  • Wahrsagercheck: Die Prognosenschauen der Jahre 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009 und 2010.
  • Ponocny, I.; Ponocny-Seliger, E. (2009): Akte Astrologie Österreich. Vom Schicksal, den Sternen und der Bevölkerungsstatistik. In: Skeptiker 4/2009, S. 176-185.
Inge Hüsgen

Donnerstag, 7. Juli 2011

Tür auf für die Maus!

Eine ganz besondere "Geburtstagsfeier" steigt kommenden Sonntag, 10. Juli 2011, im Museum turmdersinne. 1971, vor 40 Jahren also, zeigte das WDR-Fernsehen die erste Folge der Sendung mit der Maus. Heute gehört der Nager mit seinem Wimpernklimpern zu den ganz großen TV-Stars. Und mit den Sachgeschichten hat die Sendung ein neues Genre begründet: kurz und kindgerecht erklären die Filme die Geheimnisse des Alltags.

Neugierige junge Maus-Fans begeben sich auch gern selbst auf Forschungsexpedition. Gelegenheit dazu bekommen sie auf dem Türöffner-Tag am Sonntag, wo sie richtigen MausExperten - wie dem turmdersinne-Team -  über die Schulter gucken können. In zwei Forscher-Rundgängen durchs Museum erkunden die Kinder die Welt der Wahrnehmung. Begleitet und angeleitet von einem Besucherbetreuer erleben sie,
  • wie Menschen ganz ohne technische Tricks vom Riesen zum Zwerg werden.
  • wie viele Gerüche wir unterscheiden können und wie schwierig es trotzdem ist, sie zu benennen,
  • warum die Zunge nur so wenig zum Schmecken beiträgt,
  • dass zwei Augen viel mehr sehen als nur zwei Abbildungen der Welt,
  • was es mit magischen Tonleitern und wandelnden Häuserschluchten auf sich hat ... 
...und und und.

Forscher-Rundgang
Sonntag, 10. Juli 2011, 10-12 Uhr
Museum turmdersinne, Spittlertorgraben, Ecke Mohrengasse, 90429 Nürnberg

Aufgrund begrenzter Platz-Kapazitäten (maximal 30 Personen) Teilnahme nur nach Voranmeldung.
Kontakt: info@turmdersinne.de, Tel 0911 / 944 32 81.

Der Forscher-Rundgang findet in zwei Gruppen zu jeweils 15 Kindern von 7-9 Jahren und von 10-12 Jahren statt. Nicht vergessen: Alter angeben!

Inge Hüsgen

Sonntag, 3. Juli 2011

Prophezeiungen und Endzeitängste

Wird 2012 das Jahr der Apokalypse? Über Weltuntergänge, Endzeitängste und düstere Prophezeiungen spricht der Skeptiker, Wissenschaftsjournalist und Buchautor Bernd Harder am kommenden Dienstag in Nürnberg. Inge Hüsgen hat sich mit dem Referenten unterhalten.

Am 21. Dezember 2012 geht die Welt unter, heißt es. Können wir uns also nächstes Jahr den Stress mit dem Weihnachtseinkauf sparen?

Bernd Harder: Ich kaufe ohnehin keine Weihnachtsgeschenke, insofern ist mir persönlich dieser Punkt ziemlich einerlei. Allen anderen würde ich dazu raten, wie üblich zu verfahren – sonst könnte es am Heiligen Abend womöglich Weltuntergangsgesichter bei den Liebsten geben.

Nein, die Schlagzeilen, die wir Skeptiker uns nach dem 21. Dezember 2012 wünschen, würden eher so lauten: „Altpapiersammlung wieder ein voller Erfolg – Tausende Weltuntergangsbücher werden einem sinnvollen Zweck zugeführt". Oder: "Aktien von Esoterikverlagen massiv eingebrochen."

Der 21. Dezember 2012 ist beileibe nicht der erste Termin, für den ein Weltende vorhergesagt wird. Bisher sind alle ohne besondere Vorkommnisse verstrichen. Warum glauben trotzdem noch so viele Menschen daran?

Nun ja, blühende Landschaften, übers ganze Gesicht strahlende Menschen und immerwährender Friede auf Erden werden auf Dauer doch etwas dröge, oder? Die Schriftstellerin Sibylle Berg hat vor kurzem im
Spiegel geschrieben: "Optimismus ist das Bekenntnis zu überbordendem Irrsinn ... Der Pessimist dagegen weiß: Es wird nie eine perfekte Zeit geben."

Endzeit-Enthusiasten sind Pessimisten, und das mit durchaus guten Gründen: Schließlich drohen an allen Ecken Enden. Kaum mehr ein Tag vergeht ohne Hiobsbotschaft und Krisenalarm, von EHEC bis Euro. Und diese Krisenakkumulation verdichtet sich mal wieder zur Angst vor der realen Apokalypse. Nicht wenige Zeitgenossen scheinen dem menschlichen Treiben nur noch eine sehr begrenzte Frist zusprechen zu wollen.

Bislang waren zwar alle Abgesänge verfrüht und sämtliche düsteren Prophezeiungen Scharlatanerie - aber das ist keine wirkliche Beruhigung, weil alles, was eine Zeitspanne von, sagen wir, zehn Jahren übersteigt, sich unserem Vorstellungsvermögen weitgehend entzieht.

Manche Endzeit-Szenarien erscheinen traditionell religiös, wie etwa die angeblichen Prophezeiungen von Fatima. Andere, wie die um den Planeten „Nibiru“, geben sich eher naturwissenschaftlich. Gibt es so etwas wie eine Typologie der Endzeit-Fans?

Ich denke, wir können überhaupt zum ersten Mal von "Szenarien" sprechen - das ist der große Unterschied von "2012" im Vergleich zu 1999 und/oder der Jahrtausendwende.

Vor zwölf Jahren gab es nur eine angebliche Nostradamus-Prophezeiung, die von verschiedenen Deutern leicht variiert wurde. Aktuell haben wir es mit einer Vielzahl von ganz unterschiedlichen Vorstellungen zu tun, was nun genau im kommenden Jahr passieren soll.

Klar, da gibt es die religiösen Apokalyptiker, denen die Welt immer schon ein Gräuel war, weil permanent und ungestraft Widergöttliches geschieht. Daneben die Katastrophisten, die die Vernichtung entweder von Sonnenstürmen, Polsprüngen oder besagtem Wanderplaneten erwarten. Und irgendwo dazwischen auch die New-Age-Anhänger, die ein neues, spirituelles und glückseliges Zeitalter heraufdämmern sehen.

Oder hast Du bei Deinen Recherchen so etwas wie Trends bei den Endzeit-Szenarien festgestellt?

Sagen wir mal so: Am fanatischsten scheinen die "Nibiru"-Fans drauf zu sein, die mittlerweile massenhaft in ein französisches Dorf einfallen, weil dieses angeblich vom Weltuntergang verschont bleiben soll. Auch die NASA oder hier in Deutschland spezialisierte Wissenschafts-Blogs wie Astrodicticum simplex haben Probleme, den Leuten diesen Quatsch von einem herannahenden Planeten auszureden.

Das Thema Weltende scheint eine starke Faszination auszulösen – auch bei denen, die nicht daran glauben. Was meinst Du, warum?

Warum schaut man sich Horrorfilme an? Es kann durchaus spannend - vielleicht auch entspannend - sein, sich solchen Gefühlen und Empfindungen auszusetzen, ohne das Geschehen wirklich am eigenen Leib zu erleben. Vielleicht so eine Art Psychohygiene.

Einige Wissenschaftler sehen in der ständigen Krisologie sogar etwas Gutes: Ständiger Alarm appelliere an unsere Gefühle und die Suche nach Lösungen an unseren Verstand. Und möglicherweise kommt dabei sogar etwas Vernünftiges dabei heraus. Wir werden sehen.


Der Vortrag:
Bernd Harder: 2012 - Jahr der Apokalypse?
Oder: Wie viele Blätter hat der Maya-Kalender?
Dienstag, 5. Juli 2011, 19 Uhr
Nürnberger Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg

Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Eine Veranstaltung der Reihe "Außer Sinnen".
Das komplette Programm finden Sie hier.
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00879

Zum Weiterlesen:
Bernd Harder:
2012 oder wie ich lernte, den Weltuntergang zu lieben.
Leitfaden für Endzeit-Liebhaber. Herder Verlag, Freiburg 2011.

Freitag, 1. Juli 2011

2012 - Das Buch zum Vortrag


Zur Abwechslung mal eine Quizfrage:

Was war am 11. August 1999, am 21. Mai 2011 und ereignet sich noch einmal am 21. Dezember 2012?
Richtig, der Weltuntergang!

Um genau den geht es im neuen Buch von Bernd Harder, das der Autor am kommenden Dienstag, 5. Juli 2011, im Nürnberger Planetarium vorstellt.

Der Titel:
2012 oder wie ich lernte, den Weltuntergang zu lieben

Bernd Harder ist Wissenschaftsjournalist, Chefreporter des Magazins Skeptiker – Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken und Pressesprecher der GWUP. Er kennt sich also bestens aus mit Propheten, geheimnisvollen Kräften und allerlei außergewöhnlichen Behauptungen. Und findet gern heraus, was wirklich dahinter steckt.

Genau die richtigen Voraussetzungen für eine kritische Recherche zum Thema Endzeit. Denn dabei stößt man auf so kuriose Dinge wie einen unsichtbaren Planeten, auf geheimnisvolle Kristallschädel, auf weise Naturburschen und ein Urwaldvolk mit geheimem Wissen. Und irgendwo im Verborgenen zieht die große Verschwörung ihre Fäden. Jedenfalls, wenn man einigen Weltuntergangs-Fans glaubt.

Faszinierend ist das alles schon. Tatsächlich stellt Harder bei der Beschäftigung mit dem Thema eine gewisse Angstlust fest, weshalb das Buch wohl auch den treffenden Untertitel „Leitfaden für Endzeit-Liebhaber“ trägt.

Also ordentlich Stoff für knapp 200 Seiten. Der Klassiker Nostradamus darf da natürlich ebenso wenig fehlen wie die angeblichen Prophezeiungen von Fatima. Und der Volksseher Mühlhiasl, der in Bayern sogar eine kleine Berühmtheit ist – obwohl er überhaupt nie gelebt hat. Aber sagte der Mühlhiasl nicht die beiden Weltkriege voraus?

Moment! Die berühmten Kriegs-Vorhersagen des bayerischen Propheten sind in Wahrheit „Nachhersagen“, wurden dem Mühliasl also erst später untergeschoben, wie Harder zeigt.  

Und die aktuellen Stars der Endzeit-Szene, wie der Planet
Nibiru. Unaufhaltsam rast er aus den Tiefen des Weltraums auf die Erde zu, um sie zu zerschmettern, heißt es. Und wenn kein Astronom diesen Himmelskörper kennt, dann muss er wohl unsichtbar sein. Oder eine fiese Verschwörung deckelt das geheime Wissen um den Untergang. Bei so einer Argumentation ist nicht nur der Skeptiker-Reporter zu Recht skeptisch.

In die Tiefen der unfreiwilligen Science-Fiction führt auch das Geraune um den Maya-Kalender, der bekanntlich am 21. Dezember 2012 endet. Ist dann alles aus? Können wir nächstes Jahr Weihnachten und Silvester knicken? Kehren die Astronautengötter zurück, wie Erich von Däniken raunt? Oder geht es dann erst richtig los, indem nämlich die Erde in die nächste evolutionäre Phase eintritt?

Diese und andere wilde Spekulationen checkt Bernd Harder in seinem neuen Buch. Kritisch und mit lockerer Schreibe, manchmal augenzwinkernd, aber immer auf der Höhe der Forschung.

Mehr dazu in seinem Vortrag:

2012 - Jahr der Apokalypse?
Oder: Wie viele Blätter hat der Maya-Kalender?
Dienstag, 5. Juli 2011, 19 Uhr
Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg

Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Eine Veranstaltung der Reihe "Außer Sinnen".
Das komplette Programm finden Sie hier.
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00879

Inge Hüsgen

Montag, 27. Juni 2011

Neu im Angebot: Gedächtnis-Führung

Für eine Studentin wird am 30. Juli 1977 unversehens ein Alptraum zur Wirklichkeit. Als bei einem Entführungsversuch ein Bankier erschossen wird, glaubt seine Witwe, in der jungen Frau die Täterin zu erkennen. Die Unschuldige wird festgenommen und verhaftet. Doch zum Glück haben mehrere andere Zeugen sie zur Tatzeit an einem ganz anderen Ort gesehen.

Die Witwe war ihrer Sache ganz sicher. Trotzdem lag sie falsch. Wie kann das sein?

Nicht nur unsere Wahrnehmung, auch das Gedächtnis ist anfällig für Irrtümer. Eindrücklich demonstriert dies ein neues Rundgang-Format, das ab sofort im Erlebnis-Museum turmdersinne angeboten wird. Darin gibt es zu ausgewählten Exponaten Zusatzinfos über Gedächtnistäuschungen und die Mechanismen unseres Gedächtnisses, außerdem können die Besucher in kleinen Experimenten das eigene Erinnerungsvermögen testen.

Die Führung zum Thema Gedächtnis zeigt unter anderem, warum es notwendig ist, zu vergessen und weshalb Menschen sich andererseits an Ereignisse erinnern können, die nie passiert sind.

Museumsleiterin Claudia Muth fasst das Wichtigste wie folgt zusammen:

"Erfahrungen verändern uns (auch körperlich!). Wir häufen nicht einfach Wissen an, sondern 'verkörpern' es über Veränderungen der Gehirnstruktur.
Dabei wird Wissen nicht lokal, sondern verteilt 'gespeichert'. So kann das Gehirn später Muster erkennen bzw. vervollständigen.
Für erfolgreiches Lernen ist ebenfalls nicht das bloße Anhäufen von Wissen, sondern dessen Organisation entscheidend.
Wenn etwas für unser Leben sehr wichtig ist, uns also emotional (be-)trifft, werden wir es uns besser merken."
Diese Gedächtnistäuschungen können wir ebenso wenig ausschalten wie andere Wahrnehmungstäuschungen. Trozdem sind wir ihnen nicht wehrlos ausgeliefert – auch dies zeigt der Rundgang. Wir können Methoden der kritischen Prüfung zulassen und einfordern, Alternativen zu eingefahrenen Denkmustern suchen und - last, not least, unsere eigenen Überzeugungen selbstkritisch reflektieren.

Es macht bereits viel aus, die Schwachpunkte des Gedächtnisses zu kennen und zu berücksichtigen. Beispielsweise, dass sich Erinnerungen auch rückwirkend noch verändern können.
So war es wohl auch im Fall der unschuldig verhafteten Studentin. Schon vor der Gegenüberstellung hatte die Polizei der Bankierswitwe ein Foto der jungen Frau vorgelegt. Es ist anzunehmen, dass sie das Gesicht tatsächlich wiedererkannte - aber es war nicht die Erinnerung an die Täterin, sondern an das Foto.

Die Führung zum Thema "Gedächtnis" kann ab sofort gebucht werden.
Kosten: Eintritt (4/6 Euro) zzgl. Führungspauschale
Führungspauschalen:
1 Betreuer, bis ca. 15 Personen: 23 Euro pro Gruppe
2 Betreuer, ca. 15 bis max. 30 Personen: 46 Euro pro Gruppe
Bei Schülergruppen (unter 18 Jahren) entfällt die Führungspauschale.

Download Anmeldeformular für Gruppen
Kontakt: info@turmdersinne
Tel: (0911) 9 44 32 81

Fax: (0911) 9 44 32 69

Inge Hüsgen

Mittwoch, 15. Juni 2011

Zwischen Wunder und Wissenschaft

Aus der ganzen Welt kamen die Besucher nach Turin. Mehr als zwei Millionen sollen es gewesen sein, die im Frühling letzten Jahres in die norditalienische Industriestadt strömten und auch schon mal drei Stunden Schlange standen. All das, um ein paar Blicke auf ein altes Leinentuch zu werfen, auf dem sich die unscharfe Silhouette eines männlichen Körpers abzeichnet.



Quelle: Wikimedia Commons

Nicht irgend eines Körpers, sind manche überzeugt. Denn die Rede ist vom „Turiner Grabtuch“, das der Legende nach den Leichnam Jesu Christi umhüllte und heute im Dom von Turin aufbewahrt wird. In Abständen von mehreren Jahren wird es öffentlich ausgestellt, so zuletzt im Frühling vergangenen Jahres.

Das echte Leichentuch Christi? Richtig ist, dass es schon bei seinem Auftauchen im Mittelalter Zweifel weckte und seither im Zentrum von frommer Religiosität und wissenschaftlicher Untersuchung, aber auch abenteuerliche Spekulationen steht. Die katholische Kirche hält sich da bedeckt. Offiziell betrachtet sie das Leinen  lediglich als „Ikone“. Eine Ikone soll bei Gläubigen die Beziehung zu Gott stärken. Im Gegensatz zur Reliquie, die den Katholiken als authentisches Überbleibsel einer heiligen Person oder ihres Besitzes gilt.
Tatsächlich zeigen seriöse Untersuchungen mit überwältigender Klarheit, dass es sich beim Turiner Grabtuch um eine künstlerische Arbeit aus späterer Zeit handelt. Einer C14-Datierung zufolge stammt das Gewebe aus dem Mittelalter, es trägt Spuren von Farbstoffen, wie sie in dieser Zeit von Malern benutzt wurden. Dennoch will eine Forschergruppe die Echtheit des Tuches nachgewiesen haben.

Hat sie aber nicht, sagt Amardeo Sarma, der sich seit Jahrzehnten mit dem Streit um das geheimnisvolle Leinen beschäftigt. „Da werden dubiose Pollenproben vom Tuch bemüht, bewährte Datierungsmethoden angezweifelt und wildeste Speklationen aufgestellt."

Am Mittwoch, 22. Juni 2011, führt Amardeo Sarma ein in die hitzigen Diskussionen über das Turiner Grabtuch. Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe „Außer Sinnen“, die der turmdersinne gemeinsam mit dem Nicolaus-Copernicus-Planetarium organisiert hat.

Amardeo Sarma kennt sich übrigens bestens aus mit paranormalen Behauptungen. Er ist Gründungsmitglied und Vorsitzender der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften GWUP, Mitinitiator und Vorsitzender der europäischen Skeptikerorganisation ECSO und Fellow der US-amerikanischen Skeptiker-Dachvereinigung Committee for Skeptical Inquiry CSI.

22.06.2011, 19.00 Uhr

Amardeo Sarma: Das Turiner Grabtuch
Die Geschichte eines Klärungsprozesses im 20. Jahrhundert zwischen Wunder und Wissenschaft


Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg
Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Das komplette Programm finden Sie hier.
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00877

Inge Hüsgen

Mittwoch, 1. Juni 2011

"Einsichten": Sonderausstellung im Museum

It’s an involuntary part of what it is to be alive (…) that as things appear, there’s a need to push them into sense, to get them to cohere.“

So beschreibt der südafrikanische Künstler William Kentridge in der Doku „Return” seine Arbeit. Zu sehen ist der Film in der aktuellen Sonderausstellung im Museum turmdersinne. Unter dem Titel "Einsichten" versammelt die gestern eröffnete Schau ganz unterschiedliche Kunstrichtungen, Techniken und Motive.  Malerei, Medienkunst, Fotografie und Lichtkunst stehen auf den fünf Stockwerken des Turms im Dialog. Bilder von Julia Brielmann und Ölgemälde von Akbar Akbarpour treffen auf ein Licht-Objekt von Anja Kurz, auf Fotografien von Lisa Lütjens, Marc Böttlers Animation und einen Film des renommierten Professors der Filmakademie Ludwigsburg, Jochen Kuhn.

Bei aller Verschiedenheit ist den Arbeiten dennoch eines gemein: Sie spielen mit unserer Wahrnehmung, stellen ihre eigene Erkennbarkeit in Frage. Mittels Dekonstruktion, Perspektive, Bewegung, Licht und Abstraktion fühen die Künstler die menschliche Wahrnehmung an ihre Grenzen. Wer sich der Herausforderung stellt und sich auf das Spiel mit der Mehrdeutigkeit einlässt, wird mit einer Einsicht belohnt – sei es in Form eines Erkennens auf der Wahrnehmungsebene oder einer reflexiven Erkenntnis über eigene Wahrnehmungsmechanismen.

Weitere Informationen finden Sie hier.
Einsichten
Künstlerische Perspektiven auf Wahrnehmungmechanismen
31.05.2011-09.01.2012

Sonderführung am kommenden Freitag, 03.06.2011 ab 18 Uhr, Anmeldung unter info@turmdersinne.de
Weitere Sonderführungen an jedem ersten Freitag des Monats:

Freitag, 03.06.2011,
Freitag, 01.07.2011,
Freitag, 05.08.2011,
Freitag, 02.09.2011,
Freitag, 07.10.2011, 
Freitag, 04.11.2011, 
Freitag, 02.12.2011, jeweils um 18 Uhr.
Um Anmeldung wird gebeten.

Kontakt:
Tel. 0911 94432-81 • Fax: -69, info@turmdersinne.de
turmdersinne am Westtor, Spittlertorgraben/Ecke Mohrengasse, 90429 Nürnberg.
Sie erreichen den turmdersinne mit der U1/U11, Haltestelle „Weißer Turm“.


Öffnungszeiten:
Di.–Fr. 13-17 Uhr, Sa, So, Feiertage 11-17 Uhr.
In den Schulferien täglich, auch montags, geöffnet von 11-17 Uhr.

Eintritt: 6,- €, ermäßigt 4,- €, Familienkarte: 16,-€. Der Besuch der Sonderausstellung ist im Eintritt inbegriffen.


Montag, 30. Mai 2011

Die Tricks der Wahrsager

Seine Fans nennen Wolfgang Hund liebevoll „Hundini“ – ein Anklang an den Zauberkünstler Harry Houdini, der Anfang des 20. Jahrhunderts die Tricks von „Spiritisten“ und „Medien“ entlarvte.

Auch heute gibt es auf diesem Gebiet noch eine Menge zu tun, wie der Okkultismus-Kenner, Bühnenzauberer und Lehrerausbilder Wolfgang Hund aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß. Am Mittwoch, 8. Juni 2011, gastiert er mit einem Experimentalvortrag im Nürnberger Planetarium.

Dieser zweiten Veranstaltung der Reihe „Außer Sinnen“ hat er einen bezeichnenden Titel gegeben: „Sage mir Deinen Namen und ich sage Dir, wie Du heißt!“ Genau so funktioniert nämlich ein beliebter Trick von „Wahrsagern“ und „Hellsehern“: Sie scheinen Dinge über ihre Kunden zu wissen, die sie nur auf übernatürlichem Wege erfahren haben können. Da zahlt man doch gern dreistellige Summen und richtet sein Leben nach den Ratschlägen des Meisters aus!

Oder?!

Keine Spur! Statt Psi-Kräften stecken allerlei psychologische Kniffe und ausgefeilte Täuschungsmanöver dahinter. Wie die funktionieren, demonstriert Wolfgang Hund anhand von historischen und aktuellen Beispielen und mit vielen praktischen Einlagen und einer Prise Humor.

Wolfgang Hund ist Lehrerausbilder und seit 1991 Beauftragter des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) für den Bereich „Sekten, Psychokulte und Okkultismus“ seit 1991. Er engagiert sich im Wissenschaftsrat der GWUP, die kritisch und auf wissenschaftlicher Basis über Parawissenschaften und angeblich übernatürliche Phänomene informiert.

08.06.2011, 19.00 Uhr

Wolfgang Hund: Sagen "Wahrsager" die Wahrheit?
"Sage mir Deinen Namen und ich sage Dir, wie Du heißt!"

Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg
Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Das komplette Programm finden Sie hier
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00875

Zum Weiterlesen:
Inge Hüsgen

Sonntag, 29. Mai 2011

Eine Nacht zum Staunen

Gestern, am 28. Mai 2011, war es wieder so weit: Die Blaue Nacht ließ Nürnberg zum Kultur-Biotop werden. Überall in der Stadt warteten Museen und andere Kultureinrichtungen mit Aktionen auf - klar, dass der turmdersinne da nicht fehlen durfte. Den ganzen Abend hindurch strömten die Gäste zum Erlebnismuseum. Drinnen warteten schließlich neue Exopnate mit unglaublichen Effekten - da nimmt man ein bisschen Schlangestehen gern in Kauf.

Foto: Jana Marks
Text: Inge Hüsgen

Freitag, 27. Mai 2011

Der turmdersinne bei der Blauen Nacht

Morgen Abend schon was vor in Nürnberg und Umgebung?
Wie wär`s mit einem Besuch im Erlebnismuseum turmdersinne?

In "fremde Welten" - so das diesjährige Motto der Blauen Nacht, entführt das Museum seine Besucher am Samstag, 28. Mai 2011, von 19 bis 24 Uhr.
Nicht von dieser Welt scheinen die Phänomene zu sein, die uns Fallstricke unserer Wahrnehmung buchstäblich vor Augen führen: Wir verwechseln unsere eigene Hand mit einer Attrappe, bekommen den eigenen Kopf auf dem Tablett serviert und vieles mehr.
Übrigens: Die Wanderausstellung tourdersinne, normalerweise im ganzen Bundesgebiet unterwegs, kehrt für die Blaue Nacht zu ihrem "Mutterschiff" zurück, um die neuesten Illusionen vorzustellen. Auf zu unendlichen Weiten irdischer Täuschbarkeit!

Die Nürnberger Blaue Nacht, die in diesem Jahr zum zwölften Mal stattfindet, ist einzigartig in Deutschland. Heuer präsentieren sich insgesamt 66 Kunst- und Kulturorte überall in der Stadt mit Aktionen, Ausstellungen und Performances.

Bitte beachten: Aufgrund beschränkter Platzkapazitäten kann es zu Wartezeiten kommen.

Montag, 16. Mai 2011

Peter Brugger: Das Paranormale in der Hirnforschung

Funktioniert Hellsehen? Gibt es außersinnliche Wahrnehmung? Können wir unseren Körper verlassen? Wissenschaftlern fällt die Antwort leicht: Objektiv betrachtet, ist nichts dran an Psi & Co. Je sauberer die Studien, desto klarer dieses Bild.

Zu einer völlig anderen Einschätzung kommen freilich die Parawissenschaftler. Nur zu gerne deklarieren sie ihre gewagten Spekulationen als "Grenzwissenschaften" - und übersehen, dass Erkenntnisgewinn immer an den Grenzen einer Wissenschaft stattfindet.

Sollten sich seriöse Forscher also von der Erforschung außergewöhnlicher Phänomene fernhalten? Keineswegs, ist Dr. Peter Brugger überzeugt. Der Leiter der Abteilung Neuropsychologie an der Neurologischen Klinik der Uni Zürich hat eine ganze Reihe von Studien mit Psi-Gläubige und -Ungläubigen durchgeführt. Am Mittwoch, 25. Mai 2011, berichtet er im Nürnberger Planetarium, welche Erkenntnisse die Neurowissenschaften über Außersinnliches, Außerkörperliches und andere außergewöhnliche Erfahrungen gewonnen haben.

Bruggers Vortrag ergänzt die Veranstaltungsreihe „Von Sinnen“, die sich im Frühjahr an fünf Abenden unterschiedlichhen Fragen der Wahrnehmung und Wahrnehmungsforschung widmete, siehe dazu auch hier.
Gleichzeitig eröffnet er die Veranstaltungsreihe „Außer Sinnen“, in der sich renommierte Fachleute kritisch mit Themen wie Astrologie, Hellsehen, "Turiner Grabtuch" und Weltuntergangsprophezeiungen auseinandersetzen.

25.05.2011, 19.00 Uhr
Peter Brugger: Das Paranormale in der Hirnforschung.
Außersinnliches, Außerkörperliches, Außergewöhnliches.

Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg
Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Das komplette Programm finden Sie hier
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00873

Inge Hüsgen

Montag, 9. Mai 2011

Unser Gehirn erfindet die Wirklichkeit

Sehforscher Michael Bach am 17. Mai in Nürnberg

Einer der aktivsten und umtriebigsten visuellen Wahrnehmungsforscher aus dem deutschsprachigen Raum ist am 17. Mai in Nürnberg zu Gast: Professor Michael Bach, Leiter der Sektion Funktionelle Sehforschung/Elektrophysiologie an der Augenklinik im Universitätsklinikum Freiburg, stellt im Nürnberger Planetarium u.a. neue Wahrnehmungsphänomene vor, die eine Woche vorher beim internationalen „Best visual illusion contest“ in Naples, Florida, prämiert wurden.

Der turmdersinne sprach im Vorfeld mit Michael Bach.

turmdersinne: Herr Professor Bach, Sie vertreten die Ansicht, Wahrnehmungstäuschungen seien nicht als Fehlleistungen, sondern als seltene Ausnahmen in atypischen Situationen zu betrachten. Können wir uns also normalerweise auf unsere Sinne verlassen?

Michael Bach: Genau, wir können uns „normalerweise“ auf unsere Sinne sehr gut verlassen, vor allem wenn man sich klar macht, dass aus unvollständigen Informationen eine „innere Welt“ aufgebaut wird. Diese innere Repräsentation ist so brauchbar, dass wir damit zum Beispiel einen mit Möbeln vollgestellten Raum erfolgreich durchqueren können, auch wenn man den Weg im Detail vorher nur teilweise einsehen kann. Nur bei atypischen Situationen kann das schiefgehen.

Wie sind diese atypischen Situationen gekennzeichnet?

Es sind Umgebungen, für die die Evolution unsere Sinnessysteme nicht entwickelt hat. Ein Beispiel: Ohne künstlichen Horizont kann ein Flugkapitän die Lage des Flugzeugs bei ungünstigen Sichtbedingungen nicht beurteilen.

Wie kommt es zu diesen Ausnahmeerscheinungen, den „Täuschungen“?

Ich glaube nicht, dass man eine pauschale Erklärung geben kann, die für alle Täuschungen gilt. Aber für viele gilt: Sie treten dann auf, wenn die „wahre“ Konfiguration sehr unwahrscheinlich ist. Ein Beispiel sind Hohlmasken, bei denen es nicht gelingt, ihre konkave Form zu erkennen: Im Leben trifft man eben selten auf (sichtbar) hohle Köpfe...

Am 9. Mai wurde im „Philharmonic Centre for the Arts“ in Naples, Florida der diesjährige "Best visual illusion"-Preis prämiert. In Ihrem Vortrag werden Sie ja einige neue Beiträge vorstellen und diskutieren. Können Sie – auch im Vergleich zu den Vorjahren – einen Forschungstrend erkennen? In welche Richtung verläuft dieser?

Ein Punkt fällt mir immer wieder auf: Wirklich Neues gibt es nur alle paar Jahre. Vieles ist Variation von Bekanntem, was aber trotzdem sehr gut sein kann, wenn es das Phänomen besonders deutlich herausarbeitet. Zum Beispiel war der sehr schöne 1. Platz vom letzten Jahr im Grunde eine Variation der „Pausenberger-Rinne“. (Anm. d. Red.: Exponat in der Wanderausstellung tourdersinne, erstmals ausführlich beschrieben durch turmdersinne-Mitarbeiter Rudolf Pausenberger 2004. Modell hier).
Derzeit laufen viele sehr verschiedene Projekte, von klinischen Fragestellungen über Methodikentwicklung bis zur Grundlagen-Sehforschung. Zur Wahrnehmung, die hier ja interessiert, stehen derzeit „Kipp-Vorgänge“ bei mehrdeutigen Reizvorlagen im Vordergrund: Einerseits verweise ich auf Arbeiten meines früheren Mitarbeiters Dr. Jürgen Kornmeier: Er hat spannende Experimente entwickelt und durchgeführt, die Abläufe im Gehirn aufzeigen, wie sie bei spontanen und induzierten Kipp-Vorgängen beim Necker-Würfel (hier ein Beispiel) auftreten, und diese dann mit dem EEG verfolgt. Zum anderen fiel mir auf, dass menschliche Silhouetten sehr viel seltener in der Wahrnehmung kippen als z.B. der Neckerwürfel (hier ein Beispiel).

Um dies zu untersuchen, habe ich gerade eine Programmumgebung für die Silhouetten-Präsentation von 3D-Modellen geschrieben. Eine Doktorandin wird nun beginnen, die Kipprate bei verschiedenen Silhouetten zu vergleichen. Zunächst wollen wir prüfen, ob das ein konsistenter Befund ist. Wenn ja, wollen wir ermitteln, woran genau das liegt.

Auf Ihrer Internetseite stellen Sie eine der umfangreichsten Sammlungen visueller Illusionen zur Verfügung. Verfolgen Sie mit dieser Webseite ein eher wissenschaftliches Ziel oder geht es Ihnen mehr um Popularisierung?

Eine Mischung, oder besser: einen Brückenschlag zwischen beidem. Ein richtiges wissenschaftliches Experiment ist viel langweiliger und braucht viel Durchhaltevermögen. Einige Phänomene habe ich so gebaut, dass man damit schöne Schülerexperimente durchführen kann. Das ist auch schon gemacht worden. Oft werden meine Demonstrationen als Anschauungsmaterial im Biologieunterricht oder in Vorlesungen eingesetzt. Mein Anliegen ist vor allem, vom naiven Staunen zu einem wenigstens etwas vertieften Verständnis zu kommen. Es ist doch toll, wenn man wirklich versteht warum sich Wagenräder im Kino rückwärts drehen können, warum auf Zielphotos von Radrennen die Speichen manchmal ganz verbogen aussehen (Rogets Palisaden-Täuschung)oder warum man nach längerer Autobahnfahrt (nicht dass ich für Autofahren wäre…) auf der Abbiegeschleife viel zu schnell fährt (Bewegungsadaptation).

Wenn man solche Prinzipien erkennt, dann entzaubert das nicht etwa die Welt, vielmehr nimmt die Freude über die Schönheit der Natur nur zu.

Fragen: Dr. Rainer Rosenzweig


Im Überblick:
Dienstag, 17. Mai 2011, 19 Uhr, Planetarium Nürnberg:
Prof. Dr. Michael Bach
Unser Gehirn erfindet die Wirklichkeit – meist sehr treffend
Beispiele vom internationalen „Best visual illusion contest“
Online-Anmeldung über das Bildungszentrum Nürnberg, Kurs-Nr.: 00861.
Kartenverkauf an der Abendkasse, solange der Vorrat reicht.



Sonntag, 1. Mai 2011

Sehtraining für Blinde

Zum Glück war der Tumor gutartig, den die Ärzte aus dem Gehirn des Patienten D. B. entfernten. Dabei schnitten sie auch etwas Hirngewebe der Sehrinde weg, sodass D.B. danach für einen Teil des Gesichtsfeldes vollkommen blind war. Als sich herausstellte, dass er trotzdem noch zielsicher auf Gegenstände im blinden Bereich zeigen konnte, waren nicht nur die Mediziner überrascht. D.B. versicherte nämlich glaubhaft, dass er immer nur nur geraten hatte.

Blindsehen, wie Wissenschaftler diese erstaunliche Fähigkeit nennen, tritt auf, wenn Augen und Sehnerv gesund, Teile der Sehrinde im Gehirn jedoch geschädigt sind, etwa nach einer Verletzung oder einer Operation, wie bei D. B. Es kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld, der Patient sieht nur noch einen "Teil der Welt" bewusst.

Bittet man ihn, auf einen Gegenstand im blinden Teil des Gesichtsfelds zu zeigen, muss er raten. Dass die Betroffenen dabei dennoch erstaunlich oft richtig liegen, zeigt, dass der Sehreiz irgendwo im Gehirn verarbeitet wird – auch wenn nichts davon ins Bewusstsein vordringt.

Blindsehen lässt sich trainieren. Prof. Petra Stoerig, Inhaberin des Lehrstuhls für Experimentelle Biologische Psychologie an der Düsseldorfer Uni, hat ein Gerät entwickelt, mit dem Betroffene diese Fertigkeit einüben können. Auch wenn das Blindsehen die bewusste Sehfähigkeit nie vollständig ersetzen wird, ermöglicht es den Patienten immerhin, sich selbständig auf unbekanntem Gelände zu bewegen und damit ein Stück Selbständigkeit zurückerlangen.

Am kommenden Dienstag, 3. Mai 2011, 19 Uhr, berichtet Petra Stoerig im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Von Sinnen“ in Nürnberg über ihre Forschungen. "Von Sinnen" wurde vom turmdersinne in Kooperation mit dem Nicolaus-Copernicus-Planetarium organisiert.

Neben dem Blindsehen wird Stoerig auch auf andere erstaunliche Phänomene zu sprechen kommen. Beispielsweise auf Sehen ohne Sinnesreiz. Dies kann bei Gesichtsfelderscheinungen vorkommen oder bei Synästhesie – wenn also ein Sinnesreiz gleichzeitig mehrere Wahrnehmungen aktiviert. Einige Synästheten sehen Töne, andere hören Farben oder assoziieren Buchstaben mit Geschmacksempfindungen.

Bitte beachten: Der Vortrag findet statt im südpunkt, Pillenreuther Straße 147, Saal e.17 im Erdgeschoss (U-Bahn Frankenstraße), Nürnberg.

Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg. Bitte Kurs-Nr. 00859 angeben. Es gibt noch freie Plätze!
Eintritt 7 Euro (erm. 5 Euro).

Inge Hüsgen

Donnerstag, 14. April 2011

Girls' Day im Erlebnismuseum



27 Schülerinnen zwischen 11 und 17 Jahren ließen sich bei einer Sonferführung zum Girls' Day am Donnerstag, 14. April 2011 von den eigenen Sinnen verblüffen und erfuhren Museumsarbeit am eigenen Leibe.

Wie die zwölfjährige Franzi, die "endlich einmal den Ames-Raum sehen" wollte. Oder Siri (13), die das Museum bereits von einem früheren Besuch kannte und sich schon auf die visuellen Täuschungen freute.

Gleich mehrere gute Gründe für den Besuch nannten Toni (14), Theresa, (14), Miri, (13), Alina (14): "Wir sind hier, weil es Spaß macht und wir es interessant fanden, Neues zu erfahren und weil wir einmal hinter die Kulissen der Museumsarbeit blicken wollten."

Der alljährliche Girls' Day ist das größte bundesweite Berufsorientierungsprojekt für Mädchen. Die Teilnehmerinnen lernen Berufsbilder und Studiengänge in Technik, IT, Handwerk und Naturwissenschaften kennen, in denen Frauen bisher unterrepräsentiert sind.

Text: Inge Hüsgen
Foto: Svenja Bongartz 

Mittwoch, 13. April 2011

Osterferien im Museum

Rätsel, Workshops und Erlebnisführungen für Kinder und Jugendliche stehen in den Osterferien  vom 16. April bis 1. Mai 2011 auf dem Museumsprogramm.

Beim Osterrätsel warten knifflige Fragen auf kreative Köpfe. Auf jedem Stockwerk sind irgendwo Ostereier mit Rätselfragen zu den Exponaten versteckt. Wer clever ist und die Lösungen findet, kann einen von zahlreichen Preisen gewinnen. Damit für alle genug Zeit zum Suchen und Tüfteln bleibt, hat das Museum in der gesamten Ferienzeit täglich geöffnet und die Öffnungszeiten auf 10-18 Uhr verlängert.

Darüber hinaus bietet das Museum wieder Ferienveranstaltungen für Kinder und Jugendliche an:
  •  Montag, 18. April 2011, 11-13 Uhr: Erlebnisführung für Jugendliche zwischen 9 und 13 Jahren. Eintritt 4 Euro pro Teilnehmer.

  • Mittwoch, 20. April 2011, 9.30-11.30 Uhr Exponate-Werkstatt für Kinder zwischen 7 und 9 Jahren,
  • Mittwoch, 27. April, 9.30-11.30 Uhr: Exponate Werkstatt für Jugendliche zwischen 10 und 12 Jahren. Hinter jedem Exponat im turmdersinne steckt ein Geheimnis, ein "Trick". Beim Rundgang durch die Ausstellung werden die Teilnehmer in einige dieser Tricks eingeweiht und bauen anschließend ihre eigenen Hands-on-Exponate zum Mitnehmen. Kosten: jeweils 7 Euro pro Teilnehmer (inkl. Material).

Für die Erlebnisführung und die Exponate-Werkstatt ist eine Voranmeldung erforderlich.
Kontakt: Jana Marks, Tel. 09 11 / 9 44 32 81, info@turmdersinne.de

Inge Hüsgen

Montag, 11. April 2011

Lernen, und die grauen Zellen wachsen

Durch Lernen können sich Teile des Gehirns wesentlich schneller vergrößern als bisher angenommen. Ganze zwei Stunden Training genügten in einem  Experiment der Universität von Hongkong, damit die Hirnrinde deutlich an Volumen zulegt. Das Ergebnis überraschte nicht nur Versuchsleiterin Veronica Kwok und ihen Kollegen. Bisher hatte man für derartige Veränderungen bei Erwachsenen mehrere Wochen oder gar Jahre veranschlagt.

Die Versuchspersonen, 19 chinesische Studenten, sollten neue, erfundene Namen für verschiedene Blau- und Grüntöne lernen. Dabei handelt es sich um Silben aus der Sprache Mandarin-Chinesisch, die dort für sich allein ohne Bedeutung sind. Die Muttersprache half den Probanden also nicht bei beim Lösen der Aufgabe. Statt dessen war Lernen angesagt.

Für die beiden Grüntöne wählten die Forscher die Namen „áng“ und „sòng“ aus, für die Blautöne „duān“ und „kĕn“. Diese Wörter wurden den Probanden zunächst vorgesprochen, während ihnen ein Bildschirm die entsprechenden Farben zeigte. Anschließend sollten sie das Gelernte anwenden, indem sie die gezeigten Farben mit den richtigen Wörtern benannten. Der Versuch nahm jeweils fünf Sitzungen innerhalb von zwei Tagen in Anspruch.

Mit Hirnscans vor und nach dem Einüben verfolgten die Forscher, was sich währenddessen im Gehirn verändert hatte. Und das war erstaunlich viel: Nach der Lernphase stellte sie eine Zunahme an Grauer Substanz in der Hirnrinde fest – vor allem in dem Bereich der linken Hirnhälfte, der für das Farbsehen zuständig ist.

Farben sind seit langem ein beliebtes Gebiet der Wahrnehmungsforschung, da die Farbwahrnehmung je nach Muttersprache variiert. Besonders deutlich zeigt sich dieser Einfluss in der rechten Hälfte des Gesichtsfeldes. Diese wird von der linken Hirnhemisphäre verarbeitet, wo auch das Sprachzentrum angesiedelt ist. Mit dem aktuellen Versuch ist es nach Angaben der Forscher erstmals gelungen, die Verbindung von Farbbezeichnungen und -wahrnehmung einer anatomischen Sturktur zuzuordnen.

Inge Hüsgen

Donnerstag, 31. März 2011

Museumstag 14./15. Mai 2011

"Ist, was wir erinnern, wirklich immer wahr?" Dieser Frage geht der turmdersinne anlässlich des 34. Internationalen Museumstages am Wochenende 14./15. Mai 2011 nach.
Die internationale Veranstaltung steht dieses Jahr unter dem Motto "Museen, unser Gedächtnis". Aus diesem Anlass widmet sich der turmdersinne - bekannt für seine verblüffenden Exponate zu Wahrnehmungstäuschungen - der Frage, ob sich unser Gedächtnis ebenso leicht hinters Licht führen lässt.

In drei Sonderführungen zum Thema Gedächtnis wird es unter anderem darum gehen, warum es notwendig ist zu vergessen, und warum Menschen sich sogar an Ereignisse erinnern können, die nie passiert sind.

14. Mai 2011
  • 20:30 Uhr: Nachtführung durch das Erlebnismuseum turmdersinne mit Burgblick

15. Mai 2011
  • ganztägig 1 Euro Rabatt auf den Eintrittspreis im Museum: Erwachsene zahlen 5 Euro, Kinder und Studierende (bis 26 Jahre) 3 Euro.
  • 11 Uhr und 16 Uhr: Sonderführungen durch den turmdersinne (ohne Aufpreis)

Eine Broschüre mit begleitenden Informationen zum Thema „Gedächtnis“ ist an der Kasse erhältlich.

Aufgrund beschränkter Platzkapazitäten bitten wir für die Nachtführung und die Sonderführungen um Voranmeldung.
E-Mail: info@turmdersinne.de
Tel.: (0911) 9 44 32 81

Claudia Muth/IngeHüsgen

Montag, 28. März 2011

brainWEEK 2011 mit Besucherrekord

Mit über 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die brainWEEK 2011 in Nürnberg die bisher erfolgreichste und besucherstärkste Vortragswoche dieser Art.
Dieses zufriedene Resümee zieht turmdersinne-Museumsleiterin Claudia Muth in ihrem Rückblick auf die Veranstaltungsreihe, die vom 12. bis 18. März mit Vorträgen, Filmen und einem furiosen Unterhaltungsprogramm in die Welt der Hirnforschung einführte. Den gesamten Artikel von Claudia Muth finden Sie in der Online-Ausgabe der Zeitschrift diesseits.


Auch nächstes Jahr soll das Erfolgsprogramm Nürnberger brainWEEK in gewohnter Qualität fortgesetzt werden. Im März 2013 dürfen sich die Besucher dann auf besondere Highlights freuen, wenn das Museum turmdersinne zeitgleich mit der brainWEEK sein 10-jähriges Jubiläum feiert.

Inge Hüsgen

Donnerstag, 24. März 2011

brainWEEK: noch ein Nachklapp

"It really was good to soak up so much information in such a short time, and to be enthused by such knowledgeable and jolly people.”
So das Resümee der Besucherin Susie Mallett von der Auftaktveranstaltung der Nürnberger brainWEEK. Susie Mallett kommt aus Großbritannien, lebt in Deutschland und ist im Bereich der konduktiven Förderung tätig, einem Förder- und Rehabilitationsverfahren für Kinder mit neurologischen Bewegungsstörungen. Auf ihrem Blog „Conductor“ berichtet sie von ihrem Besuch auf der brainWEEK.

Von der Veranstaltung Pecha Kucha beispielsweise, wo die Referenten - Mediziner und Psychologen vom Klinikum Nürnberg Süd - ihre langjährige Erfahrung rüberbrachten...:

"There was not one doctor, who claimed to know what was going on inside our heads, but they had a lot of experience amongst them and could tell us quite a lot about how they work to try to normalise disturbances in the well-being of their patients.”
 
...ohne indes die Begrenztheit des derzeitgen Forschungsstandes zu verschweigen:


“The concluding questions and answers brought us to the fact that despite tremendous leaps forwards in the study of the brain in recent years we still do not know very much. One doctor said that what we know now is hardly scratching the surface of what is happening in our brains, and it is impossible to predict whether over the next hundreds of years much more will be discovered.”

Susie Malletts Fazit der Zusammenarbeit der Organisatoren turmdersinne und Klinikum Nürnberg Süd bei den Vorträgen und beim anschließenden Filmabend:

“The team in Nürnberg have done a good job in brainWEEK of promoting their work they have developed in their clinic and bringing more awareness to this growing problem in our society.”
Inge Hüsgen

Montag, 21. März 2011

Das war die brainWEEK 2011

Volle Säle, interessierte Besucher und spannende Diskussionen - die Bilanz der Nürnberger brainWEEK 2011 kann sich sehen lassen. Nach dem gelungenen Auftakt mit "Pecha Kucha" und einem Filmabend zum Thema Demenz ging es weiter mit einer neurophilosophischen Kriminalgeschichte.

"Fahndung nach dem Ich" heißt Georg Northoffs spannendes Buch, das sich im Rahmen eines Krimis an eine der großen Menschheitsfragen wagt: Gesucht wird nichts Geringeres als das menschliche Selbst. Als Ermittler sind ein Philosoph und ein Neurowissenschaftler unterwegs, Tatort ist das Gehirn.  

Gespannt lauschten die Besucher im Zeitungscafé der Stadtbibliothek dem Autor (l.), selbst Mediziner und Philosoph.


Mit welchen Tricks und Kniffen sich Auge und Gehirn am besten täuschen lassen, wissen Maler oft intuitiv - erliegen manchmal allerdings auch den eigenen Selbstäuschungen. Der Wahrnehmungsbiologe Rainer Wolf führte in seinem Vortrag in die Welt der künstlerischen Illusion ein und erklärte, was die Hirnforscher von den Kreativen gelernt haben.

Hervorragendes Anschauungsmaterial lieferte die Sonderausstellung von Dorle Wolf, die noch bis 22. Mai 2011 im Erlebnismuseum turmdersinne zu sehen ist. Mit einer 3D-Brille betrachtet, zeigen ihre Bilder überraschende räumliche Effekte.

Zum krönenden Abschluss der Veranstaltungsreihe stand auch dieses Jahr wieder das beliebte Format "Science meets Comedy" auf dem Programm. Tom Troscianko war eigens aus Großbritannien angereist. Im Planetarium berichtete der Professor für experimentelle Psychologie vor ausverkauftem Haus über seine Forschungen. Etwa darüber, wie das Gehirn aus der Masse von Sinnesreizen einen konsistenten Weltentwurf schafft.

Die "Übersetzung" von Trosciankos Vortrag übernahm Thomas Fraps (l.), Physiker, Zauberkünstler und Stand-up-Comedian.  

Text: Inge Hüsgen
Fotos: Karin Becker