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Montag, 13. Dezember 2010

Warum sich nicht jeder täuschen lässt

Wie stark der Sehsinn eines Menschen auf bestimmte Täuschungen anspricht, hängt unter anderem von der Größe seiner Sehrinde (visueller Cortex) im Gehirn ab. Diese überraschende Entdeckung machte das Team um Dietrich Samuel Schwarzkopf vom University College London. Nachzulesen ist ihre Studie jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Nature Neuroscience.

Für ihren Versuch zogen die Forscher zwei Klassiker der Wahrnehmungstäuschung heran: 

Bei der Ponzo-Illlusion erscheint Querbalken A länger als B, obwohl beide genau gleich lang sind. Vieles spricht dafür, dass der Effekt großteils auf eine Tiefenillusion zurückgeht.









Die Ebbinghaus-Täuschung lässt ein und denselben Mittelkreis unterschiedlich groß wirken, je nachdem, ob er von kleinen oder großen Kreisen umgeben ist.


 Im Versuch hatten Schwarzkopf und seine Mitarbeiter bei den 30 Probanden enorme Unterschiede in der Wahrnehmung der beiden Täuschungen festgestellt. Während manche Teilnehmer beispielsweise bei der Ponzo-Täuschung die beiden Mittelkreise als unterschiedlich groß einschätzten, stellten andere Probanden kaum einen Größenunterschied fest.

Eine anschließende Hirnuntersuchung mittels Magnetresonanztomografie brachte ein erstaunliches Resultat: Bei denjenigen Probanden, die besonders gut auf die Täuschung ansprachen, nahm die Sehrinde  einen kleineren Teil des Cortex ein als bei denen, die sich nicht täuschen ließen.

"Unsere Studie zeigt erstmals, dass man anhand der Größe eines Hirnareals eine Aussage darüber treffen kann, wie ein Mensch seine Umwelt sieht", fasst Schwarzkopf zusammen.

Schon seit Längerem weiß man, dass nicht alle Menschen gleich stark auf visuelle Täuschungen ansprechen. Neben kulturellen Unterschieden spielen auch andere Einflüsse eine Rolle, so lassen sich Autisten von derartigen Illusionen nur wenig oder gar nicht in die Irre führen. Welche -  genetischen oder umweltabhängigen  - Faktoren die Größe der Sehrinde beeinflussen, wollen die Forscher um Schwarzkopf in zukünftigen Studien herausfinden.

Inge Hüsgen

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