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Samstag, 2. Oktober 2010

Zwischen Klavier und Kinderzimmer

Maritim-Hotel Nürnberg. Ein langer Symposiumstag klingt aus, Besucher und Referenten plaudern bei einem Glas Wein und draußen im Foyer spielt Musik.
A propos Musik: Schon mal überlegt, ob es Männer- und Frauenmusik gibt? Jedenfalls gibt es Musik, die von Frauen komponiert wurde. Diese hier zum Beispiel, Clara Schumanns Klaviertrio op. 17.
Die Schöpferin war damit ganz zufrieden, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, denn „natürlich bleibt es immer Frauenzimmer-Arbeit“, wie Clara seufzte. Nun ja, “reproductives Genie kann dem schönen Geschlecht zugesprochen werden", notierte Musikerkollege Hans von Bülow gönnerhaft - nur, um wenige Zeilen später umso deutlicher festzustellen:  "Ich glaube nicht an das Femininum des Begriffes: Schöpfer."

Tatsächlich gibt es bis heute nur wenige komponierende Frauen. Warum eigentlich? Nehmen Frauen Musik generell anders wahr als Männer? Und gibt es typische "Frauen-" und "Männermusik?" Das sind nur einige der Fragen, denen sich der Musikphysiologe und Musik-Mediziner Prof. Eckart Altenmüller heute Nachmittag in seinem Vortrag widmete. Der Komponistinnenmangel ist nach seiner Ansicht größtenteils gesellschaftlich bedingt. Eine Frau, die sich statt mit Ehe, Haushalt und Familie  mit Musik besächäftigt, und zwar intensiv genug, um hauptberuflich Musikstücke zu schreiben, das passte lange Zeit nicht ins erwünschte Bild - auch Clara Schumann schrieb ihr Klaviertrio inmitten von wirtschaftlicher Not. Erst in den letzten Jahren sei ein Gegentrend zu erkennen.
Und wie sieht es mit der Männer- und Frauenmusik aus?
Altenmeyer: "Mädchen haben ab Pubertät überwiegend die gleichen Musikvorlieben wie Jungs und verarbeiten Musik gleich. Allöerdings unterscheiden sich die Gehirne von Musikerinnern von denen ihrer männlichen Kollegen. Das Denkorgan ist bei den Frauen plastisch weniger verändert."
Übrigens sind Musikerkrankheiten ebenfalls geschlechtsspezifisch, so Altenmüller. Frauen leiden typischerweise an chronischen Schmerzen, Männer an Bewegungsstörungen. Noch wissen die Forscher nicht, warum.

Inge Hüsgen

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