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Mittwoch, 15. September 2010

Frauengehirn - Männergehirn

Der Junge spielt mit Bauklötzen, während das Mädchen lieber Puppen bemuttert. Alles Erziehungssache, hätte Simone de Beauvoir wohl gesagt. Schließlich postulierte sie in ihrem 1949 erschienenen Buch „Das andere Geschlecht” : "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es."

Nun, da irrte Simone de Beauvoir.
Denn genau dasselbe Verhalten wie bei Menschenkindern lässt sich auch beim Nachwuchs verschiedener Affenarten beobachten. Und damit nicht genug: Unter der Einwirkung männlicher bzw. weiblicher Sexualhormone ändern Menschen ihr geschlechtstypisches Denken und Verhalten. Wir werden also tatsächlich als Frauen und Männer geboren und besitzen vom ersten Moment an ein sexualdimorphes Gehirn.

Also alles angeboren? Halt, so einfach ist es nicht.
Denn auch die Menschen in unserer Umgebung formen uns massiv in einer geschlechtstypischen Art und Weise. Unser gesamtes Denken und Verhalten und somit auch unsere geschlechtliche Identität ist ein Resultat aus Biologie und Kultur. Prof. Onur Güntürkün fasst es im turmdersinne-Newsletter SinnesOrgan folgendermaßen zusammen:

"Das Gehirn ist ein sich selbst koordinierendes System. Wir werden mit einem unfertigen Gehirn geboren, das schon vor der Geburt beginnt, äußere Einflüsse – also in einem weit gefassten Sinn kulturelle Elemente – wahrzunehmen. Diese Dinge werden interpretiert und in Verschaltungsprozesse umgesetzt. Und das vollzieht sich wiederum unter der Kontrolle der Gene. Unmöglich, dass es etwas gibt, das nicht kulturell und biologisch bestimmt ist." (SinnesOrgan 2/2010; S. 4)
Güntürkün ist Professor für Biopsychologie an der Ruhr-Universität Bochum und forscht zur Frage, wie Denken aus der koordinierten Aktivität von Nervenzellen entsteht. Wie komplex sich das Zusammenspiel von Kultur und Biologie im Bereich der Geschlechter darstellt, erläutert er in seinem Vortrag beim Symposium turmdersinne 2010 am Samstag, 02. Oktober 2010.
Inge Hüsgen

Das Symposium "Mann, Frau, Gehirn. Geschlechterdifferenz und Neurowissenschaft" findet vom 01. bis 03. Oktober 2010 im Maritim Hotel, Nürnberg, statt. Anmeldung hier.

Lesetipp: Onur Güntürkün, Stefan Lauterbacher, Markus Hausmann (Hrsg.): Gehirn und Geschlecht. Neurowissenschaft des kleinen Unterschieds zwischen Mann und Frau. Springer, 2007.

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