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Dienstag, 22. Juni 2010

Japanisches TV zu Gast im turmdersinne!

In der vergangen Woche besuchte ein Fernsehteam der japanischen TV-Doku-Serie
"New art in Europe!" den turmdersinne um einen Beitrag zum Thema 3-D-Kunst aufzunehmen.
Moderiert wird die Folge dieser Sendung von der japanischen TV-Persönlichkeit, Schauspielerin und Sängerin Becky (Link zu ihrer japanischen Hompage).
Gefilmt wurden der Ames-Raum des Museums und der Beuchet-Stuhl unserer Wanderaustellung.

Hier zwei Fotos von Becky, der Filmcrew und unserem
Mitarbeiter:

Mittwoch, 16. Juni 2010

Zum Tod von Sir Richard Gregory



Am 17. Mai 2010 verstarb Sir Richard Gregory, einer der „Päpste“ der Wahrnehmungsforschung, im Alter von 86 Jahren. Ein Nachruf vom Biologen und Wahrnehmungsforscher Dr. Rainer Wolf.


Als Mitglied der Royal Society of Arts, Professor für Neuropsychologie und Leiter des Brain and Perception Laboratory war Sir Richard eng verbunden mit der Universität Bristol, wo er 1978 das erste Hands-on-Science-Center in England gründete. Sein Lebenswerk ist so umfangreich, dass hier nur die wichtigsten Aspekte seines Schaffens genannt seien.

Schon seine Vorlesungsthemen waren weit gespannt: experimentelle Psychologie, Wahrnehmung, die wissenschaftliche Methodik, Kybernetik – er hielt sogar einen Spezialkurs mit Experimenten für Philosophen. Nebenbei erfand Richard Gregory wissenschaftliche Instrumente und versuchte, evolutionär bewährte Algorithmen auf Maschinen mit künstlicher Intelligenz zu übertragen – gestützt auf seine Erkenntnis, dass unsere Wahrnehmungen Hypothesen des Gehirns sind. 1967 und 1968 hielt er die legendären Christmas Lectures, die unter dem Titel „The Intelligent Eye“ im Fernsehen ausgestrahlt und 1970 gedruckt wurden. 1970-73 organisierte er eine Einrichtung zur Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Er beriet auch das Science Center in Wolfsburg, war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Perception und Mitherausgeber der wichtigsten wissenschaftlicher Zeitschriften wie Quarterly Journal of Experimental Psychology, Behavioural and Brain Sciences und Spatial Vision.

Die wichtigsten seiner Bücher: "Eye and Brain: The Psychology of Seeing" (1966), in zwölf Sprachen übersetzt, dt. "Auge und Gehirn. Die Psychologie des Sehens" (2001); und „The Intelligent Eye“ (1970), in sechs Sprachen übersetzt. Zusammen mit Roland Penrose und Ernst Gombrich schrieb er das Buch „Illusion in Nature and Art“, 1987 publizierte er als Herausgeber den "Oxford Companion to the Mind", in drei Sprachen übersetzt. 1992 gab er das Buch „Evolution of the Eye and Visual System“ heraus, 1988 „Odd Perceptions“, in dem er auch seine Entdeckung schildert, dass der kleine Krebs Copilia quadrata mit seinem primitiven, aber höchst beweglichen Auge die Umgebung abscannt und daraus ein brauchbares Bild integriert. In seinem letzten Buch „Seeing through Illusions“ (2009) hat er versucht, Wahrnehmungstäuschungen zu klassifizieren und systematisch einzuordnen.

Noch im August 2009 war er aktiver Teilnehmer der ECVP in Regensburg und ließ auch nicht das Vorsymposium in Lingelbachs Scheune in Leinroden aus, wo das beigefügte Foto entstand. Wer Richard Gregory und seine Offenheit gegenüber neuen Ideen kennen gelernt hat, wird ihn nicht vergessen.

Rainer Wolf, Würzburg

Freitag, 4. Juni 2010

Lesetipp: Skeptiker 2/10

Dass uns Wahrnehmung und Denken manchmal ganz gehörig in die Irre führen, können die Besucher im Museums turmdersinne am eigenen Leib erleben.

Wie weit Illusionen und Denk-Irrtümer das Bild von der Welt beeinflussen können, zeigt auch dies: Viele Menschen vertrauen ihren Vorahnungen, sind überzeugt von Hellsehen, Gedankenlesen und übernatürlichen Kräften. Aber nicht etwa, weil diese Phänomene wissenschaftlich belegt wären. Sind sie nämlich nicht, ganz im Gegenteil.

Aber warum glauben dann so viele Menschen daran?

Dieser Frage geht die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift SKEPTIKER nach. Herausgegeben von der gemeinnützigen GWUP, klopft der SKEPTIKER viermal jährlich außergewöhnliche Behauptungen nach ihrem wissenschaftlichen Gehalt ab. In Ausgabe 2/10 erläutern Psychologen den Stand der Forschung über Gründe für den Glauben an Psi & Co.

Einer von ihnen ist Prof. Wolfgang Hell von der Universität Münster, der u. a. beim Symposium turmdersinne 2005 referierte. Wie Hell in seinem Beitrag zeigt, kennen Psychologen eine ganze Reihe von Unterschieden zwischen Psi-Gläubigen (von Forschern auch "Schafe" genannt) und Nicht-Gläubigen (sog. "Ziegen"). So sind Schafe besser in der Lage, unterschwellige Wahrnehmungen zu nutzen - also solche, die zu kurz oder zu schwach sind, um bewusst wahrgenommen zu werden. Dies zeigt ein Experiment zum Kartenraten am Computer. Dabei sollten die Probanden erraten, welches von fünf einfachen Symbolen als nächstes auf dem Monitor erscheint. Wurde vorher für einen winzigen Sekundenbruchteil die richtige Vorderseite eingeblendet, rieten die Schafe besser - obwohl sie das Aufblitzen des Bildes nur unbewusst wahrgenommen hatten.

"Schafe machen solche Erfahrungen nicht nur im Labor, sondern auch im
Leben.",

schreibt Wolfgang Hell,

"Sie haben oft ein unbestimmtes 'Gefühl' und die Erfahrung gemacht, das es sich
lohnt, diesem Gefühl zu vertrauen. Dass sie unter solchen Umständen dazu neigen,
übersinnliche Fähigkeiten als die Quelle des Gefühls zu betrachten, weil ihnen
die ganz normale sensorische Quelle des Gefühls (...) verborgen bleibt, ist kein
Wunder."


Gedanken kann man nicht wie materielle Gegenstände hin- und hertransportieren. Wer dies dennoch glaubt, vermischt grundlegende Kategorien der Welt. Auf genau solche Vermischungen führen Prof. Marjaana Lindeman und Dr. Kia Aarnio magisches Denken, Aberglauben und paranormale Überzeugung zurück. Beispiele: mentale Inhalte wie Gedanken können von einem Ort zum anderen wandern (Telepathie), sie sind in der Lage, materielle Objekte zu bewegen (Telekinese) usw. Die Studie der beiden finnischen Psychologinnen ist ebenfalls im SKEPTIKER nachzulesen, dazu eine teilweise Wiederholung durch ihre Fachkollegen Mario Iskenius, Jan Cwik und Dr. Günter Molz von der Universität Wuppertal.


In weiteren Beiträgen geht es um die ägyptischen Pyramiden, um Biorhythmen und berechtigte Zweifel an der "wundersamen Marienerscheinung" von Fatima. Außerdem im Heft: Viele aktuelle Meldungen und Lesetipps.



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