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Freitag, 1. Juni 2012

Homöopathie-Kritiker Edzard Ernst kommt


„Nichts drin, nichts dran!“ Unter diesem Motto schluckten Verbraucherschützer und Aufklärer im letzten Jahr flaschenweise homöopathische Globuli. Mit der Spaßaktion machten sie darauf aufmerksam, dass in vielen homöopathischen Mitteln gar kein Wirkstoff enthalten ist.

Der Erfinder der Homöopathie, Samuel Hahnemann, glaubte vor 200 Jahren, dass die Stoffe in enormer Verdünnung besonders stark wirken. Noch heute weden sie manchmal so stark verdünnt, dass das Fläschchen kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr enthält. Das Präparat Belladonna D 30 ist so ein Fall. „Wo Belladonna D 30 draufsteht, ist kein Belladonna drin“, brachte es der Physiker Prof. Martin Lambeck einmal auf den Punkt.

Kann Homöopathie nicht trotzdem helfen, etwa durch bisher unbekannte Mechanismen? Tut sie aber nicht. In kontrollierten Tests schneiden homöopathische Medikamente nicht besser ab als Scheinmedikamente.

Einer, der sich mit Homöopathie auskennt, ist Edzard Ernst, emeritierter Professor für Alternativmedizin an der englischen Universität Exeter. Ernst ist bekannt als wissenschaftlicher Homöopathiekritiker und wurde in diesen Tagen in Berlin mit einem Preis der amerikanischen Skeptiker-Vereinigung CSI geehrt.

Am Dienstag, 05.06.2012, eröffnet Edzard Ernst in Nürnberg die Veranstaltungsreihe Außer Sinnen des turmdersinne. Im Mittelpunkt der fünfteiligen Serie stehen Phänomene, die sich scheinbar jeder wissenschaftlichen Erklärung entziehen. Wohlgemerkt: scheinbar...

Und Skepsis - also kritisches Prüfen auf wissenschaftlicher Grundlage - ist angebracht, wenn es um Homöopathie geht. Denn die Zauberkügelchen sind alles andere als ungefährlich, wie Ernst in seinem Vortrag zeigt. Wer sich als Patient bei ernsten Erkrankungen auf Homöopthie verlässt, verspielt kostbare Zeit; wer die wirkungslose Methode bei schwersten Erkrankungen anpreist, tut den Betroffenen wahrhaftig keinen Gefallen.

Inge Hüsgen
  
Dienstag,05.06.2012, 19.30 Uhr
Edzard Ernst: Homöopathie - Aberglaube oder Wissenschaft?
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Buchung über BZ (Kurs-Nr. 00851)


Zum Weiterlesen:
  • Edzard Ernst, Simon Singh: Gesund ohne Pillen – was kann die Alternativmedizin? Hanser 2009, 4. Aufl.

Freitag, 25. Mai 2012

Pfingstferien im turmdersinne


Die Pfingstferien haben angefangen! Klar, dass sich das Team des turmdersinne wieder jede Menge Ferienaktionen für alle Daheimgebliebenen und Nürnberg-Besucher ausgedacht hat. 

Highlight ist der interaktive Workshop "Spaß am SEHEN" für Kinder zwischen 7 und 10 Jahren, der am Mittwoch, 30. Mai, im Rahmen der aktuellen Fotografie-Ausstellung stattfindet. Zur Einstimmung gibt es eine Museumsführung, bevor die jungen Teilnehmer gemeinsam mit der Fotokünstlerin Annette Horn spielerisch die Welt des Sehens erkunden. Bei den spannenden Experimenten kommen verschiedene Materialien und Techniken zum Einsatz. Und wenn Annette Horn von ihren eigenen Werken erzählt, erwacht ganz spielerisch die Freude am Kunsterlebnis.

Bereits am folgenden Tag, 31. Mai, wartet die nächste Aktion auf neugierige Köpfe. Beim Forscherrundgang begeben sich Kinder zwischen 6 und 10 Jahren auf Entdeckertour durchs Hands-on-Museum turmdersinne und erleben spannende Wahrnehmungsphänomene am eigenen Leib.

Eine Führung durch die aktuelle Sonderausstellung "Fotografie - ein Experiment" steht am Freitag, 1. Juni, auf dem Programm.

Auch in der zweiten Ferienwoche tut sich was im Turm. In der Exponate-Werkstatt finden Kinder von 8 bis 12 Jahren heraus, wie die Wahrnehmungstäuschungen im Hands-on-Museum funktionieren, und bauen Exponate nach.
 Übrigens: In den gesamten Pfingstferien, also vom 26. Mai bis 10. Juni 2012, hat das Hands-on-Museum turmdersinne täglich (auch montags) von 11-17 Uhr geöffnet.

Mittwoch, 30. Mai 2012, 9.00-11.30 Uhr: Spaß am SEHEN Führung (60 min.) und Workshop (90 Min.) sind nur zusammen buchbar.
Voranmeldung erforderlich! Die Teilnehmerzahl ist auf 12 Kinder beschränkt.

Donnerstag, 31.05.2012, 10-12 Uhr:  Forscherrundgang

Freitag, 01. 06.2012, 18.00-19.00 Uhr: Führung für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren

Dienstag, 05.06.2011, 9.00-11.30 Uhr: Exponate-Werkstatt 

Inge Hüsgen

Dienstag, 22. Mai 2012

Heute in Nürnberg: Ausgezeichnete Täuschungen



Ganz gemächlich scheint er sich im Uhrzeigersinn zu drehen, der „Floating Star“ in der gleichnamigen Grafik von Kaia Nao (siehe Abb.). Obwohl wir wissen, dass es auf einer statischen Zeitungsseite keine Bewegung geben kann, folgen wir doch fasziniert den wandernden Farbflächen.
„Floating Star“ ist einer von zehn Gewinnern eines weltweit einzigartigen Wettbewerbs für visuelle Illusionen, des jährlichen Best Illusion of the Year Contest. Zunächst hatte sie eine Jury aus internationalen Hirn- und Wahrnehmungsforschern überzeugt. Das letzte Wort hatten am Montag die Gäste einer Gala-Veranstaltung in Naples (Florida), die aus den nominierten Arbeiten die Sieger wählten.
2005 fand der Wettbewerb erstmals statt, seit letztem Jahr kann auch das Publikum in Nürnberg die verblüffenden, ästhetischen Arbeiten bewundern. Für gleichermaßen fachkundige wie spannende Erläuterungen sorgt erneut ein ausgewiesener Experte: Professor Michael Bach von der Universitäts-Augenklinik Freiburg, der die Gewinner am kommenden Dienstag im Nürnberger Planetarium vorstellt.

Visuelle Täuschungen sind Sonderfälle der Wahrnehmung. Indem sie unsere erlernten und evolutionär erworbenen Sehgewohnheiten infragestellen, verraten sie viel darüber, wie „Wahrnehmen“ normalerweise funktioniert.

Es ist kein Zufall, dass sich in den Wettbewerbslisten der letzten Jahre viele Wissenschaftler finden, darunter Wahrnehmungsforscher, Neurowissenschaftler und Augenärzte, aber auch Künstler, die sich von aktuellen Forschungsergebnissen inspirieren lassen.

Aus der künstlerischen Ecke kommt auch der Schöpfer von „Floating Star“. Kaia Nao, das ist ein Pseudonym des amerikanischen Malers Joe Hautman, der sich mit realistischen Tier- und Naturgemälden einen Namen gemacht hat.

Auch sie stellen, genau genommen, eine Art visuelle Täuschung dar, wie der Künstler erklärt. Wie sonst, wenn nicht mit ausgeklügelten Tricks ließe sich auf flacher Leinwand beispielsweise die Illusion einer weiten Landschaft erzeugen? Und wie ließe sich erklären, dass selbst winzige Details die Wirkung eines Bildes komplett verändern können?
„Diese Beobachtungen brachten mich dazu, die Anomalien an den Grenzen unserer visuellen Wahrnehmung und die Schnittstellen der mentalen Verarbeitungsprozesse zu erkunden“, sagt der Maler rückblickend. Ein Resultat dieser fruchtbaren Auseinandersetzung ist „Floating Star“, die neuartige Version einer Scheinbewegung, die durch geschickte Anordnung der Farbflächen zustandekommt.  

Inge Hüsgen

Alle Finalisten des Illusion-Contests hier

Vortrag von Michael Bach am Dienstag, 22. Mai ab 19.30 Uhr im Nicolaus-Copernicus-Planetarium.
Eintritt 7,- €/erm. 5,- €
Buchung über BZ (Kurs-Nr. 00845)

Dienstag, 15. Mai 2012

And the winner is...

Sie lassen Models zu Monstern mutieren, bringen Bewegung in starre Muster und lassen eine Hand  verschwinden - jedenfalls überzeugen sie uns, dass genau diese unwahrscheinlichen Dinge wirklich geschehen.

Kreative Künstler und Wissenschaftler machen sich die Macken unseres Sehsystems für immer neue, überraschende und ästhetische Illusionen zunutze. Die verblüffendsten visuellen Täuschungen 2012 wurden am gestrigen Montag beim "Best Illusion of the Year Contest" in Naples (Florida) prämiert.

Kaum ist der feierliche Gala-Abend vorüber, zeigt der turmdersinne die preisgekrönten Arbeiten in Nürnberg. Am kommenden Dienstag, 22.05.2012, stellt Prof. Michael Bach von der Universitäts-Augenklinik Freiburg die Gewinner vor und erklärt, mit welchen Tricks die Schöpfer der Arbeiten unseren Sehapparat jeweils aufs Glatteis führen

Einen Vorgeschmack auf die preisgekrönten Illusionen gibt es hier.

Dienstag, 22.05.2012, 19.30 Uhr
Prof. Dr. Michael Bach: Ausgezeichnete Täuschungen 
Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Nürnberg
Ein Vortrag aus der Reihe "Von Sinnen"

Inge Hüsgen

Freitag, 4. Mai 2012

Rekordbesuch im turmdersinne




Im April 2012 verzeichnete das Hands-on-Museum turmdersinne mit 3.325 Besuchern einen Rekordbesuch. Seit Eröffnung 2004 gab es erst 11 Monate mit mehr Besuchern. 
In diesen Tagen lockt der turmdersinne übrigens mit einer neuen Sonderausstellung.Unter dem Titel "Fotografie - ein Experiment" erkunden vier Künstler die Möglichkeiten der Fotografie - von der Lochkamera bis zur digitalen Bildbearbeitung.

Inge Hüsgen

Donnerstag, 26. April 2012

Fotografie - Ein Experiment


So kannten Sie den alten Dürer noch nicht! In der Interpretation der Künstlerin und Diplom-Designerin Margit Hüttner erinnert das Porträt des Renaissance-Meisters fast an die Arbeiten von Andy Warhol. Doch während Warhol bevorzugt mit Siebdruck arbeitete, nutzt Hüttner die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung. Auf diese Weise entstanden ihre Konzeptlinien Dürer Update (2008) und Städte/Cities – New Yorks Symbole (2001), aus denen der turmdersinne ab morgen ausgewählte Arbeiten in einer Sonderausstellung zeigt.

Titel der Schau: "Fotografie - ein Experiment. Meisterwerke vor der Linse". Margit Hüttner gehört zu den vier Nürnberger Künstlerinnen und Künstlern, die darin ihre Auseinandersetzung mit alten und neuen Techniken der Fotografie präsentieren.


Wie Hüttner hat sich auch Udo Beck der Erweiterung fotografischer Techniken verschrieben. Was geschieht, wenn man eine Lochkamera nicht mit einem, sondern mit 111 Löchern versieht? Auf dem Fotopapier entstehen unzählige, einander überblendende Abbilder, wie der Künstler in seiner Serie „111er“ dokumentiert.


Andere Arbeiten widmen sich der Erforschung des eingefangenen Motivs. Die Fotokünstlerin Annette Horn hält mit der Kamera Augenblicke fest, die der Wahrnehmung verborgen bleiben. Ihre Serien „Orchideen“ und „Walchensee“ strahlen Energie und Dynamik aus, wirken fast abstrakt und verfremden das Motiv bis zur Grenze der Erkennbarkeit.


Das psychologische Moment der Fotografie steht im Mittelpunkt von Michael Wanners Arbeiten. Mit atmosphärischer Bildwirkung setzt er sich ebenso auseinander wie mit unbewussten Wahrnehmungsprozessen. Auf diese Weise führt er unsere Seherwartungen gekonnt in die Irre.

Sonderausstellung
Fotografie - Ein Experiment. Meisterwerke vor der Linse

Hands-on-Museum turmdersinne am Westtor (Spittlertorgraben, Ecke Mohrengasse), Nürnberg
Vernissage: Freitag, 27. April, 18 Uhr
Die Ausstellung läuft bis 1. Juli 2012, der Eintritt ist im regulären Preis enthalten.

Konzept und Organisation: Jana Marks

Zum Vormerken: An jedem ersten Freitag im Monat bietet der turmdersinne von 18 bis 19 Uhr einen geführten Rundgang durch die Ausstellung an.
Anmeldung Tel. 0911 / 9443281
E-Mail: info@turmdersinne.de

Inge Hüsgen


Dienstag, 24. April 2012

Vortrag mit Prof. Angela Friederici



Wie mühelos Kinder eine Fremdsprache lernen, bringt nicht nur Eltern immer wieder zum Staunen. Sogar die ganz Kleinen sind schon wahre Sprachgenies, wie man heute weiß. Bereits mit vier Monaten können Babys einfache Regeln einer fremden Sprache erlernen, wie die Sprach- und Kognitionsforscherin Angela Friederici gezeigt hat.


Im Versuch spielte ihr Team Säuglingen mit deutscher Muttersprache zunächst einfache italienische Sätze vor. Anschließend mischten sie zwischen diese korrekten Sätze auch solche mit Grammatikfehlern. EEG-Messungen zeigten, dass die Babys die falschen Sätze schon nach einer Viertelstunde Lernzeit erkannten.

Zuvor war man davon ausgegangen, dass sich diese Fähigkeit erst mit etwa anderthalb Jahren entwickelt. „Das erschien mir immer reichlich spät“, sagt Angela Friederici, die sich als (Gründungs-)Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig mit all dem beschäftigt, was beim Sprachenlernen im Gehirn geschieht. Am kommenden Dienstag berichtet sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Von Sinnen“ über ihre Forschungen.

Heute weiß man, dass das Sprachenlernen sehr früh beginnt. Bereits im Alter von zwei Monaten können Kleinkinder bestimmte Laute auseinanderhalten, mit fünf Monaten beginnen sie die typischen Betonungsmuster ihrer Muttersprache zu lernen. Einfache Wörter und ihre Bedeutungen kommen im Laufe des ersten Lebensjahres hinzu. Die ersten Satzbau-Regeln werden mit zwei bis drei Jahren beherrscht, kompliziertere Sätze können die Kinder erst vom sechsten bis siebten Lebensjahr an bilden.

Alles, was wir lernen, schlägt sich in Veränderungen des Denkorgans nieder. Nervenzellen bilden neue Verbindungen, schließen sich zu komplexen Netzwerken zusammen, Fachleute sprechen auch vom „plastischen“, also wandlungsfähigen Gehirn.

Bis zu einem gewissen Grad behält das Gehirn seine Plastizität bis ins hohe Alter. Die Grundlagen werden jedoch in der Kindheit gelegt. Aus diesem Grund plädiert Angela Friederici für eine frühe, spielerische Förderung. Ohne Drill und Lehrplan, versteht sich. Viel wichtiger ist es nach ihrer Ansicht, sich mit dem Kind zu beschäftigen und beispielsweise gemeinsam Kinderlieder zu singen. Denn zum Sprechenlernen brauchen Kinder ein Gegenüber. Und weil beim Singen und Musizieren teilweise dieselben Hirnareale aktiv werden wie beim Sprechen, trainiert Musik das Gehirn gleich doppelt.

Heute, am 24. April 2012, gastiert Angela Friederici mit dem Vortrag „Sprachentwicklung und Gehirn“ im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Vorher, ab 17 Uhr, können die Besucher an einer kostenlosen Sonderführung im Museum für Kommunikation teilnehmen.

Buchung über BZ Nürnberg oder vor Ort an der Abendkasse.

Inge Hüsgen